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Naherholungsgebiet als Unfallquelle: Was ist los im Reuschenberger Busch? Anwohner behaupten: Sturmschäden wurden unsachgemäß behandelt

Naherholungsgebiet als Unfallquelle: Was ist los im Reuschenberger Busch? Anwohner behaupten: Sturmschäden wurden unsachgemäß behandelt
Christian Hernicke mit Hund Bo im Reuschenberger Busch. Noch immer kann man die tiefen Reifenspuren sehen, die die Oberfläche vieler Wege zerstörten. FOTO: Foto: Thomas Broich
Neuss. Der Reuschenberger Busch ist ein bekanntes und beliebtes Naherholungsgebiet zwischen Selikum, Weckhoven, der Innenstadt und der Pomona. Seit den Verwüstungen durch Sturm „Ela“, also seit über zwei Jahren, soll der Busch – laut Anwohnern – für Spaziergänger, insbesondere Kinder und Senioren, ein großes Unfallrisiko darstellen. Von Thomas Broich

Bürger aus der Pomona, federführend Architekt und Bauingenieur Christian Hernicke, beklagen diesen Zustand. Der Vorwurf: Die Aufräumarbeiten nach dem Sturm seien viel zu spät, weder gründlich noch fachmännisch verlaufen, und dann habe sich die Stadtverwaltung auch noch übers Ohr hauen lassen.

Christian Hernicke fürchtet um den Zustand des Naherholungsgebietes und erhebt Vorwürfe gegen das Grünflächenamt. Der Naturfreund und Hundebesitzer ist jeden Tag in dem Grüngürtel unterwegs. Wenn er sich den Zustand der Fußgängerwege und große Teile des Baumbestandes ansieht, kann er nur mit dem Kopf schütteln. Als „Mann vom Fach“, genauer gesagt als Bauingenieur, entdeckt er überall kleine Katastrophen: Umsturzgefährdete Bäume, die nicht entfernt wurden, Stolperfallen, nachhaltig zerstörte Wege und vieles mehr. „Wenn man mir so etwas auf einer meiner Baustellen präsentiert hätte, wären die Verantwortlichen schon längst entlassen worden“, wettert Hernicke. Durch den Einsatz falscher Maschinen sei ein erheblicher Flurschaden entstanden und auch die Wege seien massiv beschädigt worden. Das Unternehmen habe nur Interesse am „guten“, also verwertbaren Holz gehabt und habe morsches und unbrauchbares Holz einfach zurückgelassen – mit fadenscheinigen Begründungen. Durch zahlreiche angegriffene und sogar umsturzgefährdete Bäume bestehe an vielen Stellen noch große Gefahr für Fußgänger. Gesunde Bäume seien hingegen vollkommen grundlos gefällt worden. Überdimensionierte Forstfahrzeuge und schwere Kettenbagger haben Hernickes Ansicht nach viele Wege und Wegeinfassungen nachhaltig beschädigt, was bei planvollem und professionellem Vorgehen nicht hätte passieren dürfen. Er prophezeit, dass die Schäden in den Wegen in näherer und ferner Zukunft immer gravierender werden, da sich Risse in der Bodendecke und in tieferen Schichten bei jedem Regen verschlimmern werden. Das bedeute eine hohe Verletzungsgefahr für Nutzer des Naherholungsgebietes – insbesondere für Spaziergänger, Jogger, Kinder und Senioren. Als lebenden Beweis führte er zwei Nachbarn an, die sich auf den zerklüfteten Wegen, die bei Regen teilweise tief unter Wasser stehen, bereits verletzt haben. Er hatte schon zwei Ortstermine mit Vertretern des Neusser Grünflächenamtes und mit Vertretern politischer Parteien (Grüne und CDU), doch erreicht hat er nichts, bis auf beschwichtigende Antworten und die Behauptung, es sei doch alles in Ordnung, beziehungsweise eine Gefährdung für Passanten bestehe nicht.

Auf eine schriftliche Anfrage des Stadt-Kuriers antwortete Bürgermeister Reiner Breuer: „Durch den Einsatz eigenen Personals wurde der Verbindungsweg geräumt und war im Juli 2014 wieder nutzbar. Die Sturmschäden wurden nach Prioritäten abgearbeitet ... Im Juni 2015 wurden durch eine Fachfirma entlang der Bahnstrecke potenzielle Gefahrenbäume entnommen. Die Räumung der Sturmschäden im Reuschenberger Busch erfolgte vom Sommer/Herbst 2015. Die Arbeiten mussten öfter wegen ungünstiger Witterung unterbrochen werden. (...) Der Leiter der Kreisforststelle, Herr Lufen, attestierte der Forstfirma fachlich einwandfreie Arbeit. Herr Lufen konnte die von Herrn Hernicke reklamierten Schäden nicht nachvollziehen und sah deshalb keinen Ansatzpunkt für Inregressnahme. Die Wege wurden während der Räumarbeiten mehrfach abgezogen, um diese passierbar zu halten. An einer Stelle der Brücke über den Weg wurde grobes Wegebaumaterial eingebracht, welches noch mit feinem Material überdeckt wird. An zwei weiteren Stellen soll die passierbare Wegbreite von einem Meter auf drei Meter erweitert werden. (...) Das noch vorhandene und auf Haufen geschobene Restholz verbleibt aus ökologischen Gründen im Wald. Blößen werden aufgeforstet. Der Verbindungsweg wird zur Gewährleistung der Verkehrssicherheit regelmäßig kontrolliert. (...)“

Doch mit dieser Antwort will sich Christian Hernicke nicht zufrieden geben: „Das ist genau die erwartete Antwort. Viel reden, nichts sagen. Es geht hier nicht darum, ob Herr Lufen die Wege toll findet. Die Wege waren vor dem Wüten der Forstfirma in einem sehr viel besseren Zustand. Wenn das in Ordnung ist, dann kann ein Maler, der das Haus streichen soll ja auch den Boden und die Möbel vernichten. Was hätte diese Firma noch schlechter machen können, das einzige was erreicht worden ist, ist das die verwertbaren Stämme abgefahren worden sind. Berechtigte Kritik wird einfach abgetan.“

Thomas Broich

(Kurier-Verlag)