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Die Region ist stark aufgestellt
Neue Hilfe bei psychosomatischen Krankheiten

Neue Hilfe bei psychosomatischen Krankheiten
Die Experten für psychosomatische Medizin Dr. Günter Clausen (links), Dr. Hendrik Vogt und Betina Torkler bieten die neue Spezialsprechstunde an. FOTO: Hanna Loll
Neuss/Kaarst. Bulimie, Tinnitus, chronische Rückenschmerzen – häufig gehen Krankheiten auch auf die Psyche zurück. Diese psychosomatischen Erkrankungen sollen jetzt in einer neuen Spezialsprechstunde des St. Alexius- / St. Josef-Krankenhauses unter die Lupe genommen werden. Von Hanna Loll

Es ist die erste Sprechstunde dieser Art im Rhein-Kreis Neuss: Die drei Fachärzte Dr. Günter Clausen, Dr. Hendrik Vogt und Betina Torkler kümmern sich ab Mittwoch, 7. Februar, im Haus B am Johanna-Etienne-Krankenhaus im Neusser Norden um die Beratung, Diagnostik, Behandlungsempfehlungen und die therapeutische Begleitung psychosomatisch erkrankter Menschen. Clausen erklärt: "Bei vielen Erkrankungen gibt es eine Wechselwirkung zwischen Körper, Psyche und sozialen Faktoren. So kann beispielsweise die psychische Belastung nach dem Verlust des Arbeitsplatzes chronische Rückenschmerzen hervorrufen – eine Verbindung, die viele Menschen nicht verstehen. Diese Schmerzen sind schwer zu behandeln, da der Rücken eigentlich gesund ist."

Läuft eine Erkrankung so ab, ist die psychosomatische Medizin gefragt, die eine Diagnose stellt, den Patienten psychotherapeutisch behandelt, präventiv arbeitet und die Rehabilitation der Erkrankung vorantreibt.

Einen besonderen Schwerpunkt möchten die Experten in der neuen Sprechstunde auf Essstörungen legen. "Essgestörte Menschen haben einen veränderten Zugang zu ihrem Körper. Sie sehen die Ursache für Symptome wie ein Schwächegefühl oder Muskelschwund häufig nicht im Zusammenhang mit der starken Gewichtsabnahme und ihre Krankheit nicht einmal unbedingt als Leid an", weiß Clausen. Im Rhein-Kreis Neuss würden ein bis drei Prozent der Menschen an einer Essstörung leiden– das seien jedenfalls die bekannten Zahlen, meint der Experte. Frauen seien dabei zehn Mal häufiger betroffen, als Männer. Eine Anorexie (Magersucht) beginne oft in der Pubertät, starte gern damit, dass der Patient Vegetarier und dann Veganer werde, die Portionen immer kleiner würden.

"50 Prozent der Patienten können behandelt werden, 35 Prozent leben mit der Krankheit und 15 Prozent sterben", verrät Clausen die schockierenden Zahlen. Die Spezialsprechstunde scheint also längst überfällig zu sein. "Viele der Erkrankten sind bisher bei Fachärzten in Behandlung", meint Torkler und versichert, niemandem Konkurrenz machen zu wollen. "Wir möchten da eine Schnittstelle bilden. Wir haben eine gute Vernetzung zu den niedergelassenen Ärzten und vermitteln die Patienten gern an die richtige Stelle."

In den Räumlichkeiten der drei Experten werden Gruppentherapien mit verschiedenem Fokus angeboten: Getrennt wird über psychosomatische Herzprobleme, Darmerkrankungen und chronische Schmerzen gesprochen. Außerdem gibt es eine hypnotische Entspannungsgruppe, in der unter anderem die Essstörungen behandelt werden. Auch eine Lichttherapie und Einzelsitzungen wird es geben. "

Genau so komplex, wie die Krankheitsbilder sind, soll auch die Therapie sein", erklärt Vogt die verschiedenen Ansätze. "Wir stellen zu Beginn erst einmal fest, welche Behandlungsangebote benötigt werden. Was wir dann leisten können, leisten wir und vermitteln den Patienten zur psychotherapeutischen Behandlung in ambulante und stationäre Bereiche."

Wer Interesse an der Spezialsprechstunde hat, kann sich am kommenden Mittwoch gleich mit den Experten selbst unterhalten, denn sobald die letzten Kartons ausgepackt sind, laden sie zum Tag der offenen Tür in die vierte Etage des Hauses B am Johanna-Etienne-Krankenhaus, Am Hasenberg 46, Neuss, ein. Von 14 bis 17 Uhr dürfen Interessierte vorbeischauen.