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Neue Zahlen: Immer mehr Gewaltopfer suchen das Neusser Frauenhaus auf

Neue Zahlen: Immer mehr Gewaltopfer suchen das Neusser Frauenhaus auf
Im vergangenen Jahr suchten mehr Opfer das Neusser Frauenhaus auf als im Vorjahr. FOTO: Foto: Harry Hautumm/pixelio.de
Neuss. Wenn die Gewalt in der Beziehung Überhand nimmt, gibt es oft nur einen Ausweg. 141 Frauen und 178 Kinder suchten im vergangenen Jahr Zuflucht im Neusser Frauenhaus – insgesamt 43 Personen mehr als im Vorjahr. Das Frauenhaus am Limit? Von Violetta Buciak

"Nein", sagt Elke Kroner, Fachbereichsleiterin beim Sozialdienst katholischer Frauen (SkF). Dass so viele Gäste kämen, sei ein gutes Zeichen. Es zeige nicht, dass es mehr Opfer gebe, vielmehr sei es ein Beleg, dass mehr und mehr Frauen aus einer gewalttätigen Beziehung ausbrechen. "Das ist ein mutiger Schritt, den sich die Opfer gut überlegen müssen. Denn eine Trennung stellt die gefährlichste Zeit der Beziehung dar", erklärt Kroner.

CDU-Ratsfrau Waltraud Beyen zweifelt an, dass die Kapazitäten ausreichen: "Ich erlebe immer wieder, das Frauen abgewiesen werden und an andere Häuser verwiesen werden. Dass sie dann nach Dinslaken reisen müssen, ist nicht zumutbar", kritisiert die Stadtverordnete.

Verteilt auf die Landesebene sei das Angebot jedoch ausreichend. "Wir in Neuss können bis zu 20 Personen aufnehmen. Insgesamt hatten wir im vergangenen Jahr nur sehr wenige Frauen abgewiesen, und die haben wir dann auch sofort weitervermitteln können", betont Kroner. Ein Problem sei dagegen, dass die Einrichtung  als Partner auf Augenhöhe der Träger immer noch nicht anerkannt werde. "Nach 30 Jahren sollte uns das Land endlich aus dem Projektstatus entlassen", fordert Kroner.

Damit könne die Planungssicherung gewährleistet werden – besonders im Hinblick auf das Personal. Trotz des Engpasses sei es dennoch bisher gelungen, dass die Einrichtung 24 Stunden zur Verfügung stand, mithilfe der Frauen, die dort schon untergebracht waren und den Telefondienst übernehmen konnten.

 

(Kurier-Verlag)