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Neuer Hoffnungsschimmer: Fallah Sänger bewegt sich auf dünnem Eis

Neuss. Es ist jetzt zwei Jahre her, das auf der Furth für einen Moment der Atem stillstand. Der dreifache Mord an Saskia Sänger und ihren beiden Kindern Samara (8) und Ismael (4), schockierte ganz Neuss. Der mutmaßliche Täter ist der Familienvater Fallah Sänger, der sich sofort nach der Tat in sein Heimatland Irak absetzte. Für die Staatsanwaltschaft Düsseldorf eine Katastrophe. Ihr waren seitdem die Hände gebunden, ein Fassen des mutmaßlichen Täters unmöglich. Jetzt gibt es eine interessante Wendung. Von Frank Möll

Dem Stadt-Kurier gegenüber gab ein Insider den Hinweis, dass Sänger inzwischen wieder aus dem Irak in die Türkei geflüchtet sein soll. Zuvor soll der inzwischen 37-Jährige in einer Hotelküche in seiner Heimatstadt Kirkuk gearbeitet haben. Dort soll Sänger aber keine Ruhe gehabt haben. Seine Landsmänner waren ihm auf der Spur, waren drauf und dran, den mutmaßlichen Mörder zur Rechenschaft zu ziehen. Für seine Tat wäre im Irak die Todesstrafe die einzige Konsequenz. Mittels Facebook und Plakaten fahndeten etliche Iraker nach Sänger. „Zu viel für ihn“, wie ein Informant dem Stadt-Kurier gegenüber mitteilte. Sänger soll inzwischen in die Türkei geflüchtet sein. „Davon höre ich zum ersten Mal“, so Staatsanwalt Christoph Kumpa. Ihm war durch Medien lediglich bekannt, dass der mutmaßliche Täter sich in seine Heimatstadt Kirkuk absetzte. „Daraufhin haben wir sofort die Deutsche Botschaft eingeschaltet, die prompt die Irakischen Behörden informierte. Bis heute haben wir aber keine Rückmeldung“, weiß Kumpa. „Sollte Sänger sich in die Türkei abgesetzt haben, dann auf keinen Fall über einen offiziellen Grenzübergang. Da ein internationaler Haftbefehl gegen ihn vorliegt, hätte man ihn längst gefasst“, so der Staatsanwalt. Für die Hinterbliebenen ist die Nachricht dennoch ein Hoffnungsschimmer. „Es wäre für uns von Vorteil, wenn der Gesuchte in der Türkei wäre. Von dort aus würde man ihn uns sofort ausliefern – das ist im Irak anders“, mutmaßt Kumpa. „Vermutlich hatte Sänger noch seine irakische Staatsangehörigkeit oder er muss sie auf irgendeinem Wege zurückerlangt haben. Nur so erkläre ich mir, warum die irakischen Behörden ihn nicht entlassen“, weiß der Staatsanwalt. Am Nachmittag des 20. August 2012, kurz vorm Schützenfest, hatte der damals 35-jährige Sänger offenbar in einer Wohnung an der Kaarster Straße Frau und Kinder mit einer Pistole erschossen und sich unmittelbar danach über die Türkei in Richtung seiner irakischen Heimatstadt Kirkuk abgesetzt. Zuvor hatte ein Verwandter ihn am Nachmittag in ein Reisebüro begleitet, wo er unter seinem Geburtsnamen Omar ein Ticket buchte. Die Behörden vermuten deshalb, dass er mit seinem irakischen Pass reiste.

Als die Tat entdeckt wurde, war Sänger bereits im Flieger auf dem Weg nach Istanbul. Von dort aus reiste er weiter in sein Heimatland und wird bis heute gesucht.

(Kurier-Verlag)