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Au backe, jetzt kommt auch noch dieser AfD-Lucke...
Neuss erwartet große Flüchtlingswelle

Neuss. Politiker sind nervös. Jetzt kommt auch noch AfD-Bundeschef Bernd Lucke, den viele als "Rechtspopulisten" sehen nach Neuss (Dienstag, 5. Mai, 20 Uhr Rheinisches LAndestheater). Über 800 Flüchtlinge pro Monat im neu zu errichtenden Asylantenheim an der Rennbahn. Jeden Tag kommen neue Asylbewerber aus Afrika und dem Kosovo und werden in Dauerunterkünfte in NRW verteilt. Zusätzlich zu dieser zentralen Anlaufstelle muss Neuss bis Ende nächsten Jahres pro Monat etwa 50 Flüchtlinge dauerhaft unterbringen. Sie sollen unter anderem in ehemaligen Kindergarten-Bauten (Christkönig Furth, Reuschenberg) und Schulen (zum Beispiel Heinrich Böll-Schule) ein neues Zuhause finden. Und das in fast allen Ortsteilen von Neuss. Insgesamt werden bis Ende nächsten Jahres 2000 neue Dauer- Wohnungen für Asylanten errichtet. Von Frank Möll

Die Katholischen Kirche baut seit Jahren Kindergartenplätze ab. Überall werden Immobilien frei. Die sollen nun für die Flüchtlinge bereit gestellt werden.

Viele Kommunalpolitiker fürchten den Unmut der Neusser Bevölkerung. Offiziell reden sie von einer "Willkommenskultur", doch auch führende Kommunalpolitiker sehen, dass die Kommunikation stark verbessert werden muss, da viele Bürger den massiven Zustrom mit Unbehagen sehen. Zum Hintergrund: Neuss leidet bereits seit vielen Jahren unter Wohnungsknappheit. Viele Menschen finden bereits heute keine Wohnung, sind obdachlos. Auch Kinder.

Für die neuen ausländischen Mitbürger stellt die Stadt Neuss in einem Strategie-Konzept 2000 Wohneinheiten bereit. Dies sei wichtig und gut, heißt es. Wichtig sei aber darüber hinaus auch die Kraftanstrengung, dass den bisherigen Wohnungssuchenden geholfen werden solle, damit es nicht zu einer Neid-Debatte komme.

Das Land Nordrhein-Westfalen muss im laufenden Jahr 2015 rund 60.000 Flüchtlinge aus Afrika und dem Kosovo aufnehmen. In der neuen Neusser zentralen Unterbringungsanlage an der Rennbahn sollen 800 Asylbewerber pro Monat untergebracht werden – nach vier bis sechs Wochen werden sie in andere Städte gebracht.

Zusätzlich muss Neuss aber auch Dauer-Wohnungen einrichten für Asylanten, die hier lange bleiben. Allerdings weniger als andere Städte, da die Personen im Zentralheimkomplex an der Rennbahn "verrechnet" werden.

Der Bundes-Chef der Partei Alternative für Deutschland (AfD), Bernd Lucke, hat Neuss für sich entdeckt. Der Professor, den viele als Rechtspopulisten sehen, wird am Dienstag, 5. Mai ab 20 Uhr im Rheinischen Landestheater vor interessierten Neusser Bürgern sprechen. "Wir sind nicht herzlos. Wir müssen uns um die Flüchtlinge kümmern", so Lucke. Der AfD-Chef sieht aber den Zustrom kritisch. Besser sei es, den benachbarten Ländern in den Krisengebieten finanzielle Unterstützung zukommen zu lassen, so dass die Flüchtlinge dort und nicht in Deutschland oder Neuss untergebracht werden können. "Die Mentalität der Nachbarländer ist mit denen in den Krisengebieten ähnlich", so Lucke.

"Neuss steht für eine Willkommenskultur", meint hingegen Bürgermeister Herbert Napp (CDU) auf der ersten Info-Veranstaltung zum Bau der zentralen Flüchtlingsunterkunft an der Rennbahn. Hatte er sich monatelang mit Regierungspräsidentin Lüttges gestritten, ob er als "Vesuv von Neuss" in seinem Büro rauchen darf, so ist er jetzt mit der Chefin seiner Aufsichtsbehörde einer Meinung: Neuss kann das, Neuss hat Herz und ist menschlich!

Insbesondere Erzbischof Kardinal Woelki hatte seinen Kirchenmitgliedern (in der Quirinusstadt gib es viele Katholiken) ins Gewissen geredet und Barmherzigkeit für die von Tod und Hunger bedrohten Menschenkinder gefordert.

So soll es auch nun sein. Der Bauverein wird insgesamt neun Gebäude auf einem Areal an der Stresemannstraße bauen und die Wohnungen an das Land NRW vermieten. Eigentümer bleibt der Bauverein. Kein schlechtes Geschäft, denn die Einnahmen sind gesichert. Das Projekt ist auf 25 Jahre angelegt.

Viele Neusser befürchten eine erhöhte Beschaffungskriminalität. Beigeordneter Stefan Hahn zum Stadt-Kurier: "Jeder Flüchtling bekommt genug zu essen und Kleidung. Darüber hinaus 150 Euro Tatschengeld pro Monat": Davon können sie sich Zigaretten und Süßigkeiten in der nahegelegenen City kaufen. Ob der erhöhte Anstieg von Wohnungseinbrüchen oder Fahrraddiebstählen und Kriminalität zu Lasten des Einzelhandels auf die Kappe der Flüchtlinge geht, sei zu beobachten, aber zur Zeit zu bestreiten, heißt es am Rande der Veranstaltung im Zeughaus. Die Hilfsbereitschaft der Neusser ist groß.

 

Kolumne

Liebe Flüchtlinge!

Ihr flieht vor Krieg, Folter und Hunger. Wir helfen euch hier in Neuss. Das ist unsere Christenpflicht.

Besser noch wäre, wenn hiesige Unternehmen weniger Waffen liefern würden, die Kriege und Gewalt anfeuern. Besser wäre es, wenn wir euch in eurer Heimat helfen könnten und ihr nicht die gefährliche Flucht antreten müsstet.

Zusätzlich müssen wir den deutschen Kindern hier bei uns helfen, denen es schlecht geht und kein Obdach haben. Wenn Bauverein und Stadtverwaltung nichts mehr für Neuss tun, weil sie mit Asylanten beschäftigt sind, kann das böse enden.

Frank Möll

(Kurier-Verlag)