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Währenddessen schiebt der Rat das Thema auf die lange Bank...
Neuss packt an: Bewegende Weihnachtsfeier für Obdachlose

Neuss packt an: Bewegende Weihnachtsfeier für Obdachlose
Strahlend nahmen die Obdachlosen bei der Weihnachtsfeier von „Neuss packt an – warm durch die Nacht“ die Gaben entgegen.
Neuss. Gänsehautmomente in der Obdachlosenunterkunft "Lebensbrücke". Das Team von "Neuss packt an – warm durch die Nacht" servierte den wohnungslosen Frauen und Männern ein festliches Drei-Gänge-Menü. Zeitgleich wurde das Thema im Rathaus auf die lange Bank geschoben. Von Violetta Buciak

Es wurde ordentlich aufgetischt. Nach einer klaren Gemüsesuppe gab es Rindergulasch mit Rotkohl und Klößen. Zum Dessert servierten die Ehrenamtler selbstgebackenen Nuss- oder Bratapfelpudding, Tiramisu und Pudding vom Caterer. Sich so richtig satt essen und verwöhnen lassen – ungewohnte Momente für die Wohnungslosen.

Höhepunkt des Abends war der Besuch des Nikolaus', der mit prall gefüllten Geschenktüten gekommen war. Auch hier hatte die Truppe von "Neuss packt an" seine Finger im Spiel. Und plötzlich wurde es andächtig still im Raum – die Obdachlosen lauschten gebannt der Geschichte, sangen anschließend gemeinsam Weihnachtslieder. Bei der Geschenkübergabe hatten selbst gestandene Männer Freudentränen in den Augen. Im nur wenige Kilometer entfernten Rathaus wurde unterdessen über den Haushalt diskutiert. Der Linken-Antrag zur "Arbeitsgruppe Obdachlose" wurde bereits im Vorfeld der Ratssitzung durch den Ältestenrat in den Sozialausschuss geschoben – der tagt erst im Februar.

Im November war die Kritik aufgekommen, dass nicht alle Wohnungslosen einen Schlafplatz in Neuss bekämen. Inzwischen soll sich die Situation laut Obdachlosen gebessert haben. Ein zusätzlicher Flügel mit weiteren Schlafplätzen in der Unterkunft am Derendorfweg soll nach der Berichterstattung des Stadt-Kurier geöffnet worden sein, Abweisungen habe es keine mehr gegeben. "Dennoch muss reagiert werden. Wenn die Zahl der Obdachlosen weiterhin so stark ansteigt wie bisher, sind wir dringend auf mehr Personal angewiesen", sagte eine Mitarbeiterin der Stadt am Rande der Veranstaltung.

 

(Kurier-Verlag)