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Neusser Handballer sind heiß auf das Lokalduell gegen TV Korschenbroich

Neusser Handballer sind heiß auf das Lokalduell gegen TV Korschenbroich
FOTO: NHV1
Neuss. Am Freitag kommt es zu einem Lokalknaller in der Dritten Handballliga: Der Neusser HV empfängt den TV Korschenbroich. Von Redaktion

Am vergangenen Montag ging alles ganz schnell: Erst stellte René Witte nach zwei Auswärtsniederlagen in Folge und dem missglückten 4:8-Punkte-Saisonstart sein Amt als Trainer des Neusser HV zur Verfügung. Dann stand mit Jens Sieberger, seit Frühjahr Coach der Neusser A-Jugend, beinahe ebenso schnell auch schon ein Ersatzmann parat. Der ehemalige Bundesligaspieler des TV Niederwürzbach und der HSG Düsseldorf leitete bereits am Montagabend die erste Trainingseinheit des Handball-Drittligisten.

Besonders brisant dabei: Für den neuen Trainer der 1. Herren-Mannschaft des NHV geht es in seinem ersten Auftritt an der Seitenlinie direkt ganz brisant zur Sache. Immerhin gastiert der TV Korschenbroich am Freitag, 9. Oktober, um 20 Uhr zum mit Spannung erwarteten Rhein-Kreis-Derby in der Neusser Hammfeldhalle an der Anton-Kux-Straße. Grund genug, mit dem 39 Jahre alten Pädagogen, der an einem Düsseldorfer Gymnasium tätig ist und unter anderem im Herren-Bereich schon bei Oberligist ART Düsseldorf als Trainer tätig war, über seine erste Woche als NHV1-Trainer, aber auch über den anstehenden Derby-Kracher zu sprechen.

Jens, kurz gefragt: Wie hast du die Entwicklungen zu Beginn dieser Woche erlebt?
Jens Sieberger: Das ging in der Tat alles recht schnell. Ich habe erst im Laufe des Montags von den Entwicklungen gehört und dann am Abend kurzfristig das Training übernommen. Schließlich haben Mannschaft und Verein in der Situation Unterstützung gebraucht, und da helfe ich gern. Außerdem steckt sowohl im Team als auch in dem Verein unglaublich viel Potenzial – hier kann man als Trainer etwas bewegen. Und das ist natürlich insgesamt eine reizvolle Aufgabe.

Hast du lange überlegen müssen, ob du dieses Traineramt übernimmst?
Sieberger: Nein, aus den zuvor genannten Gründen eigentlich nicht. Das Einzige, was mich kurzzeitig etwas hat zögern lassen, war meine A-Jugend. Ich trainiere die Jungs jetzt seit einigen Monaten und seit wenigen Wochen habe ich das Gefühl, dass sie wirklich verstehen und umsetzen, was ich von ihnen will.

Jens Sieberger leitete bereits am Montagabend das Training des Neusser Handball-Drittligisten. Und gleich in der ersten Begegnung geht's gegen den Lokalrivalen TV Korschenbroich. FOTO: NHV1

Wie geht es denn mit dir und der A-Jugend weiter?
Ich werde die Jungs gemeinsam mit Ceven Klatt erst einmal kommissarisch weiter betreuen, bis wir eine Alternative gefunden haben. Aber auch anschließend will ich weiter einen engen Kontakt zur A-Jugend halten und diese enger mit der ersten Mannschaft verzahnen – das wäre sicher für alle Beteiligten eine gute und sinnvolle Sache.

Jetzt aber zur 1. Mannschaft: Welche Eindrücke hast du bei den ersten Trainingseinheiten sowie den Spielanalysen gewonnen?
Grundsätzlich steckt in der Mannschaft ein unheimlich großes Potenzial – das ist kein Geheimnis und das ist auch in der bisherigen Saison immer mal wieder aufgeblitzt. Dennoch ist das Team – warum auch immer – verunsichert und wirkt verkrampft. Dass sich die Spieler in den meisten der bisherigen Spiele zu viele technische Fehler und Fehlwürfe geleistet haben, ist mir natürlich ebenfalls aufgefallen.

Woran, glaubst du, liegt das?
Ich glaube, dass diese hohe Fehlerquote ganz eng mit Verunsicherung und fehlendem Selbstvertrauen zusammenhängt – das ist eine Art Negativspirale. Deshalb bin ich mir auch absolut sicher: Sobald bei den Jungs wieder richtig Selbstvertrauen da und die Unsicherheit weg ist, werden auch im Spiel die Fehler weniger und die Würfe gehen wieder öfter ins gegnerische Tor.

Wo hast du in den ersten Trainingseinheiten den Hebel angesetzt?
Wirklich effektiv trainieren kann man Torabschluss auf diesem Niveau nur bedingt, da die Abschlusssituationen im Spiel unter richtigem Druck nur schwierig zu simulieren sind. Ich habe versucht, an ein paar Stellschrauben zu drehen, ein paar neue Impulse zu setzen, die Köpfe der Spieler etwas freizubekommen und bei aller Intensität und Konzentration auch Spaß in die Einheiten zu bringen. Rein sportlich lag der Fokus hauptsächlich auf der Abwehrarbeit. Aber natürlich haben wir uns auch mit der Offensive beschäftigt. Grundsätzlich bin ich natürlich kein Heilsbringer, der kommt und in ein paar Trainingseinheiten alles umwirft. Das ist auch gar nicht nötig. Ich hoffe, dass ein positiver Ruck durch die Mannschaft geht.
Denn klar ist auch: Das Team steht nun in der Verantwortung, jetzt muss eine Reaktion kommen. Am besten natürlich schon am Freitag.

Da geht es im Heimspiel gleich gegen den TV Korschenbroich. Wie ist es für dich, als Neu-Trainer gleich mit einem Derby zu starten? Und das auch noch gegen den TVK, bei dem du ja auch einige alte Bekannte triffst…
Ich finde es super, gleich mit so einer brisanten Partie einzusteigen. Ein Derby ist doch eine tolle Sache. Die Halle wird voll und die Stimmung gut sein – das macht Spaß. Außerdem bin ich beim TVK nicht nur aus alten Zeiten mit Trainer Ronny Rogawska sehr gut bekannt, sondern kenne auch ein paar Spieler. Am Freitagabend werden aber natürlich alle Freundschaften für 60 Minuten ruhen.

Was erwartet euch mit dem TV Korschenbroich für ein Gegner und worauf hast du deine Spieler eingestellt?
Der TVK hat eine individuell starke und sehr, sehr schnelle Mannschaft. Der Ausfall von Schiffmann (Knieverletzung, Anm. d. Red.) tut ihnen zwar weh. Aber sie haben dennoch einen starken Saisonstart hingelegt und strotzen vor Selbstvertrauen – während es bei uns bislang ja noch nicht so rund gelaufen ist. Für uns wird wichtig sein, in der Offensive die Fehler so gering wie möglich zu halten. Und wenn doch mal Fehler passieren, müssen wir unbedingt ein gutes Rückzugsverhalten an den Tag legen. Denn sonst bestraft das Korschenbroich konsequent – über Gegenstöße, zweite Welle oder schnelle Mitte.

Letzte Frage: Wie sieht es personell für das Derby aus?
Der Kader wird wahrscheinlich im Vergleich zu den vergangenen Spielen unverändert bleiben. Womöglich kann ich Niklas Weis nach seiner langen Ausfallzeit (nach Hand-OP, Anm. d. Red.) auch wieder mit in den Kader nehmen. Das werden wir kurzfristig entscheiden.