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Ratsherr Rosen spricht Klartext:
Neusser Union in erster Linie keine Partei der Muslime

Ratsherr Rosen spricht Klartext:: Neusser Union in erster Linie keine Partei der Muslime
Sebastian Rosen hat sich lange Zeit zurückgehalten und auch den Wahlkampf von Thomas Nickel nicht gestört. Jetzt meldet sich die Speerspitze der Konservativen im Stadt-Kurier-Interview zurück und spricht wie gewohnt Klartext. FOTO: Foto: Frank Möll
Exklusiv | Neuss. Übergriffe von Asylbewerbern gegen Frauen gab es nicht nur in Köln, sondern auch in Neuss. Die Polizei ermittelt Täter in Neusser Asylunterkünften. Die Diskussion über die Zuwanderung ist schärfer geworden. Der Stadt-Kurier spricht mit CDU-Ratsherr Sebastian Rosen über die Lage in Neuss und die Lage der CDU. Rosen kandidiert als Vizebürgermeister. Von Frank Möll

Herr Rosen, warum sind gerade konservative Bürger mit der Politik der Neusser CDU so unzufrieden und bescheren ihr eine Niederlage nach der anderen?

In unserer großen Volkspartei gibt es viele unterschiedliche Meinungen gerade auch zum Thema Einwanderung und Ausländerpolitik. Durch die vielen Debatten unserer Flügelvertreter ist nach Außen das Bild entstanden, dass die CDU uneinig, heillos zerstritten und somit handlungsunfähig ist. Wir sind Pöstchenjäger, heißt es – und machen uns seit Jahren Neuss zur Beute, was schlichtweg nicht stimmt. Dieses hat Reiner Breuer genutzt, der ja nicht von den in Neuss nur wenig vorhandenen SPD-Genossen gewählt worden ist, sondern von unseren eigenen langjährigen Anhängern. Wir haben es versäumt, dem Wähler gerade zum Thema Flüchtlingspolitik ein griffiges Handlungskonzept vorzulegen und sie vor Überfremdung zu schützen. Die CDU ist den Neussern zu links. Reiner Breuer ist, so glaubt man, bürgerlich und gut katholisch. Wir müssen endlich aufhören, unsere Stammwähler zu verärgern!

Wie sieht denn ihr Handlungskonzept aus?

Wir sind natürlich in einer moralischen und christlichen Verpflichtung, verfolgten Menschen zu helfen und Flüchtlinge aufzunehmen. Allerdings haben jetzt auch Verfassungsrechtler festgestellt, dass die Politik von Frau Merkel nicht mit dem Grundgesetz vereinbar ist. Wir können nicht jedes Jahr eine Million Nordafrikaner und Araber aufnehmen, die zudem ganz andere Werte vertreten als wir und unser Land auf Dauer unstabil machen. Wir können es nicht zulassen, dass Frauen wie Freiwild behandelt werden und Angst vor diesen düsteren Nordafrikanern haben müssen. Wohl gemerkt: Die meisten Muslime, die zu uns kommen, benehmen sich anständig! Doch fast alle, die unsere Frauen vergewaltigen und Menschen in Europa, Afrika und Asien in die Luft sprengen und enthaupten, sind Muslime aus Afrika und den arabischen Ländern. Das muss auch klar gesagt werden dürfen. Wir wollen hier keine Kriminellen haben! Es darf keine Tabus geben, über alles reden zu dürfen. Wir sind hier in Deutschland und ich bin stolz auf unsere Demokratie und Meinungsfreiheit. Ich bin für Toleranz und Gerechtigkeit und begrüße die Beschlüsse meiner Partei, die das Abschieben von diesen Männern, die das Gastrecht hier missbrauchen, vereinfachen werden. Zudem müssen wir die Polizei stärken und dürfen nicht an der Inneren Sicherheit sparen, so wie es unser Parteichef Dr. Jörg Geerlings jetzt unmissverständlich gesagt hat.

Herr Dr. Geerlings und Sie sind in der Vergangenheit keine Freunde gewesen. Plötzlich sprechen beide miteinander....

Es muss unter Demokraten in unserer Fraktion möglich sein, mal einen Kaffee zu trinken. Dr. Jörg Geerlings hat in den zehn Jahren seiner Zeit als Parteivorsitzender einiges falsch gemacht, auf die falschen Leute und falschen "Freunde" gesetzt und ist natürlich auch mitverantwortlich für die Wahldesaster der vergangenen Jahre. Allein schon, weil er den aussichtslosen Bürgermeisterkandidaten nicht verhindern konnte. Aber ich bin überzeugt, dass Herr Geerlings intellektuell in der Lage ist, aus Fehlern zu lernen. Ich glaube auch, dass sich trotz des Gegenwindes und der Kampagnen gegen ihn, kein anderer als Parteichef durchsetzen wird. Wir müssen nun in der Krise zusammen stehen und ich hoffe auch, dass unser Vertreter der Bundesregierung, Hermann Gröhe, nicht weiter abtaucht und am Aufbau der CDU Neuss wieder mithelfen wird.

Geerlings Widersacher, sein Zögling Sebastian Ley, ist eine Alternative und ein Hoffnungsträger für die Zukunft, oder? Zeitgleich wird Dieter Welsink als Alertnative gehandelt...

Im Vergleich zu Herrn Ley übernehmen Herr Geerlings und Herr Welsink seit Jahren ehrenamtlich Verantwortung in den Gremien von Stadt und Kreis, während Herr Ley sich immer geweigert hatte, ein ehrenamtliches Mandat im Stadtrat anzunehmen. Als Cherry-Picker will er sich nun die Rosinen aneignen und das gut bezahlte Landtagsmandat hauptberuflich abgreifen. So etwas ist durchschaubar und kommt beim Wähler nicht gut an. Wir brauchen Leute, die politische Themen mit Überzeugung vertreten und denen es nicht nur um Pöstchen geht. Herr Ley war es doch, der eine rein inhaltliche Diskussion forderte. Er, der sich stets verweigerte als einfaches Ratsmitglied zu arbeiten, will nun hauptamtlich Politik gegen Geld machen? Das passt nicht.

Aber auch Sie wollen ja Vizebürgermeister werden und greifen nach einem Posten, oder?

Ich gehöre zu den dienstältesten Ratsmitgliedern und arbeite nun in der vierten Legislaturperiode ehrenamtlich mit, gehöre aber gleichzeitig zu den jüngsten Mitgliedern unserer Fraktion. Erst jetzt stelle ich mich als Bürgermeister zur Verfügung. Da tickt der Kollege Ley anders, dem wir eine unsägliche Halbmond-Diskussion zu verdanken haben. Herr Ley war es, der fleißig das CDU-Muslimen-Logo unter die Bürger gebracht hat und die Partei für diese Gruppe extrem öffnen wollte. Diese angeblich weltoffene Multikulti-Spinnerei unserer Träumer ist überholt und viele Bürger können dieses Anbidern unserer menschlichen, christlichen und weltoffenen Kultur, für die die CDU ja steht, an den mittelalterlichen Islam nicht verstehen. Diese CDU´ler haben den konservativen, werteorientierten Bürgern hier die politische Heimat genommen. Mehr denn je wird die CDU Neuss als wertkonservative Kraft gebraucht. Wir lassen uns unsere Freiheit, unseren Wohlstand, unsere Sicherheit und die Stabiltät nicht von einigen Verbrechern kaputt machen, denen ja übrigens auch die vielen Frauen in unseren Asylunterkünften hilflos ausgeliefert sind. Und wir wollen auch nicht, dass Rechtsaußen-Parteien stärker werden.

In Ihrer Fraktion gibt es Bestrebungen, eine ältere Frau als Vizebürgermeisterin aufzustellen. Haben sie denn überhaupt eine Chance, von dieser schwierigen, überalterten Fraktion gewählt zu werden?

Wir brauchen in den führenden Positionen auch programmatische Kräfte und nicht nur Repräsentanten. Thomas Nickel ist wegen seines hohen Alters und seiner präsidialen Art abgestraft worden. Ich glaube schon, dass viele Fraktionskollegen Führungskräfte haben wollen, die auch mal Klartext reden und sich etwas zutrauen. Und auch welche, die noch eine Zukunft vor sich haben.

Derzeit sind Sie der einzige offizielle Kandidat der CDU für die Position des Vizebürgermeisters. Bleibt das so?

Ich werde mich dem fraktionsinternen Wettbewerb stellen und für meine Überzeugung kämpfen. Der bessere gewinnt zwar nicht immer – wie wir in der CDU schmerzlich erfahren durften – dennoch haben mir viele bereits ihre Stimme zugesagt, so dass ich zuversichtlich sein kann.

Ich freue mich auch, dass Dr. Michael Werhahn im Vorstand mitarbeiten will und ein erstes konstruktives Gespräch mit unserem Parteichef geführt hat. Ich werde mich für den Vorstand einsetzen und CDU-Politik in Neuss programmatisch und mit Herz und Verstand durchsetzen. In der Fraktion arbeite ich seit Jahren erfolgreich mit meiner Fraktionsvorsitzenden Helga Koenemann zusammen. Unsere Fraktion wird übrigens immer besser und gewinnt auch im Rat wichtige Abstimmungen zum Leidwesen des SPD-Bürgermeisters Reiner Breuer. Darauf können wir aufbauen. Die Lage für die CDU Neuss sehe ich also nicht so schwarz, wie in Ihrer Eingangsfrage beschrieben. Wir sind die gestaltende Kraft in Neuss und werden es bleiben. Dafür werde ich mich einsetzen.

Interview: Frank Möll

(Kurier-Verlag)