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Nordstadt-Morde: Wer hat die Kaution von Fallah Sänger?

Nordstadt-Morde: Wer hat die Kaution von Fallah Sänger?
Fallah Sänger mit seinen Opfern
Neuss. Drei Jahre nach dem schrecklichen Familiendrama auf der Furth ist der mutmaßliche Täter noch immer auf der Flucht. Eine heiße Spur gibt es nicht. Jetzt rütteln Ungereimtheiten um die Mord-Wohnung die Angehörigen von Saskia und den Kindern wieder auf. Am Donnerstag ist Jahrestag. Von Frank Möll

20. August 2012, 18.25 Uhr, Flughafen Düsseldorf: Turkish Airlines Flug 1528 hebt ab nach Istanbul. Im Economy-Sitz erholt sich Fallah Sänger, der mutmaßlich wenige Stunden zuvor seine Frau Saskia (26) und die beiden Kinder Ismael (4) und Samara (8) erschossen haben soll. Der gebürtige Iraker wird drei Jahre nach den Todesschüssen noch immer von der Justiz mit internationalem Haftbefehl gejagt. Die Passagierliste, das elektronische Ticket mit der Nummer 23423, ist jedoch die letzte heiße Spur der Ermittler. Fallah wird im Irak oder in der Türkei vermutet. Wo genau, das ist nach wie vor unklar.

Familie Sänger

Saskias Hinterbliebene finden keine Ruhe. Kurt Lange, Vater der getöteten Saskia habe anfangs noch geglaubt, seine Tochter und die Enkelkinder würden vielleicht irgendwann wiederkommen, "aber es wird schlimmer. Sie fehlen mir immer mehr", sagt er im Gespräch mit dem Stadt-Kurier. Die Familie ermittelt nach der Tat selbst in alle Richtungen und will kämpfen, bis der heute 38-Jährige gefasst wird. Hinweise, der Flüchtige habe sich kurz nach der Tat in einem irakischen Hotel aufgehalten, konnten nicht verifiziert werden.

Kurt Lange wird den 20. August 2012 jedenfalls nie vergessen: "Ich denke immer daran." Immer wird dieser Tag mit dem schrecklichen Vorfall in der Wohnung an der Kaarster Straße 49 verbunden sein.

Ungereimtheiten um diese Dreizimmerwohnung rütteln die Angehörigen jetzt wieder auf. Nach Informationen des Stadt-Kuriers wurde die Kaution der ehemaligen Wohnung von Saskia und Fallah Sänger mittlerweile ausbezahlt – allerdings nicht an die Hinterbliebenen der Ermordeten. "Wir haben nichts bekommen", sagt Kurt Lange.

Die Räume hätten schrecklich ausgesehen, überall Blutspuren und Patronenhülsen. Lange habe deshalb nur persönliche Gegenstände aus der Wohnung im ersten Obergeschoss geholt, um alles andere hätte sich Fallahs Bruder gekümmert. Das wirft die Frage auf, ob der vierstellige Kautionsbetrag auf die Konten der Fallah-Familie überwiesen wurde.

Peter Krupinski, Prokurist des Neusser Bauvereins, könne das große Interesse der Öffentlichkeit nachvollziehen, bitte aber um Verständnis, dass "wir aus Gründen des Datenschutzes keine Auskünfte zum Mietverhältnis an die Presse weitergeben dürfen".

Mitglieder der Familie O. waren schon frühzeitig in das Visier der Ermittler geraten. Kurz nach der Tat wurde bekannt, dass der Bruder, der sich auch um die Wohnungsauflösung gekümmert hatte, Fallah bei der Flucht unterstützte. Zusammen mit seiner Frau Karin begleitete er den mutmaßlichen Todesschützen im Taxi zum Düsseldorfer Flughafen. Der Bruder hatte zudem einen Monat nach der Tat den gemeinsamen BMW von Saskia und Fallah im Internet angeboten, ohne sich mit Kurt Lange abzustimmen, der den Wagen einst finanziert hatte.

Die Angehörigen von Saskia und den Kindern geben die Hoffnung nicht auf, dass der Flüchtige gefasst wird – auch drei Jahre nach der Tat. "Meine Tochter und die Enkelkinder bekomme ich nicht wieder. Trotzdem habe ich den Wunsch, dass Fallah geschnappt wird. Wir wollen Gerechtigkeit, egal wie lange die Suche nach Fallah dauert", sagt Kurt Lange.

(Kurier-Verlag)