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Zahl der Wohnungslosen steigt+++Neuss in Kritik
Obdachlose in Neuss: Jetzt reagieren die Linken

Obdachlose in Neuss: Jetzt reagieren die Linken
Linkenchef Roland Sperling und Sprecher FOTO: Foto: Violetta Buciak
Neuss. Die Unterbringung und Versorgung von Obdachlosen in Neuss ist in den vergangenen Wochen immer wieder in die Kritik geraten. Jetzt reagiert die Linke, die eine Arbeitsgruppe Wohnungslosigkeit fordert. Von Violetta Buciak

Zu wenige Schlafplätze in kalten Winternächten, kein warmes Wasser – was mehrere Obdachlose gegenüber Stadt-Kurier bemängeln, streitet die Stadt Neuss ab. Zumindest in einem Punkt sind sich beide Seiten einig: Dass es immer mehr Wohnungslose auch in Neuss gibt, ist nicht von der Hand zu weisen. Die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe schätzt, dass die Zahl der Obdachlosen zwischen 2015 und 2018 bundesweit um 60 Prozent steigen wird. Für die Quirinusstadt dürfte diese Zahl eher zu niedrig gegriffen sein. Zu Jahresbeginn 2015 war es noch eine Ausnahme, wenn mehr als 20 Personen in einer Nacht Zuflucht in der Notschlafstelle "Hin und Herberge" suchten. Im November 2016 lag die durchschnittliche Belegung bereits zwischen 34 und 37 Personen pro Nacht, Tendenz: steigend.

"Wir müssen davon ausgehen, dass die gerade erst erweiterte ,Hin und Herberge' spätestens im Frühjahr 2017 wieder an der Kapazitätsgrenze sein wird", so Vincent Cziesla, sozialpolitischer Sprecher der Fraktion Die Linke.

Mitglieder des Vereins "Neuss packt an – warm durch die Nacht" beobachteten, dass schon jetzt wiederholt Obdachlose abgewiesen wurden.

"Wir haben uns im Sozialausschuss nun zwei Jahre lang immer wieder mit diesem Thema beschäftigt und auch fraktionsübergreifend wichtige Beschlüsse auf den Weg gebracht. Doch das reicht nicht! Wir wissen immer noch nicht, wie viele wohnungslose Menschen es in Neuss gibt und wie viele jeden Monat hinzukommen. Wir wissen fast gar nichts über die Situation wohnungsloser Frauen, obwohl dieses Thema mehrfach diskutiert und hinterfragt wurde. Dabei ist das Armutsrisiko gerade bei Alleinerziehenden besonders hoch. Wir haben in dieser Stadt kein realistisches Bild vom Problem Wohnungslosigkeit", erläutert Cziesla. Deshalb fordert Die Linke nun die Einrichtung einer Arbeitsgruppe. Diese Gruppe soll alle verfügbaren Informationen zusammenführen und auswerten, um gemeinsam mit der Verwaltung eine Strategie gegen die Entstehung und Verfestigung von Wohnungslosigkeit zu entwickeln.

Update: Die Linke hat mitgeteilt, dass der Antrag erst im Hauptausschuss im Januar behandelt werden soll. Grund dafür sei eine interfraktionelle Vereinbarung, in dieser Ratssitzung keine Anträge der Fraktionen zu stellen.

(Kurier-Verlag)