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Pierburg-Werksleiter Jochen Luft ist jetzt Kapitän im Neusser Hafen

Neuss. Normal ist das nicht, dass deutsche Spitzen-Unternehmen, die weltweit tätig sind, heutzutage Fabriken in einem Hochlohnland bauen – und diese nur einen Steinwurf weit weg von der Innenstadt genehmigt bekommen. Umso freudiger ließen es die Pierburger am Freitag bei der Eröffnung des umweltfreundlichen, blitzblanken und leisen „Wekes Niederrhein“ im Neusser Hafen „krachen“. Das Feuerwerk war das beste, das Neuss je gesehen hat. Von Frank Möll

Kein Wunder, denn das Zusammenbasteln von Feuerwerkskörpern ist eine Kernkompetenz der Rheinmetall AG, die Mutter von Pierburg. Der deutsche Top-Manager des Rüstungsgiganten, Armin Papperger, war sichtlich erfreut, an der Rinderbraten-Ausgabe den Bundesminister Hermann Gröhe zu treffen, der wohl bald ins Präsidium der CDU wechseln wird und ganz nah an der Kanzlerin dran ist, die ja bekanntlich Rüstungsexporte genehmigen muss.

Neulich hat die Bundesregierung Rheinmetall defence ein Geschäft mit Putins Russland kaputt machen wollen. Papperger wich nicht von Gröhes Seite, plauderte mit ihm munter über dies und das. „Pflege der Landschaft“ nennen das die Spitzenkräfte der Industrie.

Doch nicht nur Panzer und Kanonen, nein, auch wichtige Ventile und Motorteile für moderne Autos sind ein wichtiges Standbein der Rheinmetall AG. Genau dieses Standbein steht nun mitten in Neuss. Über 30 Tonnen Aluminium werden hier pro Tag verarbeitet, 125.000 Ventile hergestellt, 90 schwere Lastwagen rollen pro Tag an, „um die Waren schnell zu den Kunden zu bringen“, erklärt Werksleiter Jochen Luft dem Stadt-Kurier. „Mit dem Schiff wäre das viel zu langsam. Daher haben wir auch keinen Anleger“, so die Strategie der Pierburger, die in vielen Produkten den Weltmarkt beherrschen.

Hauptziel ist es, den Treibstoffverbrauch mit modernster Technik immer mehr zu optimieren. Das kommt der Umwelt und damit allen Menschen zugute.

Jochen Luft hat es geschafft, zwei unterschiedliche Werke (Neuss und Nettetal) zu einer Einheit zusammenzuschweißen. Die Leiterin der Sanitätsstation, Stefanie Mählen, kennt alle Arbeiter und sie stellt fest: „Er motiviert uns ungemein. Alle mögen ihn.“ Anstatt 35 Stunden die Woche, arbeiten sie nun 36 Stunden bei bestem IG-Metall-Lohn. Auch die Mitarbeiter wollen, dass die Investitionen ihre Arbeitsplätze auf Jahre sicher machen. 230 Millionen Jahresumsatz sollen in Neuss erwirtschaftet werden.

(Kurier-Verlag)