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Polizei: Das ist der harte Job als Überbringer von Todesnachrichten

Polizei: Das ist der harte Job als Überbringer von Todesnachrichten
Die Geschwindigkeit ist immer noch der Killer Nummer Eins bei Verkehrsunfällen. Deshalb gibt es am 21. April auch wieder den europaweiten Blitzmarathon. FOTO: dietermann / pixelio.de
Rhein-Kreis Neuss. Nachdem Eltern oder Eheleute lange auf ein Lebenszeichen ihrer Angehörigen gewartet haben, schlagen endlich die Autotüren des Sohnes, Ehepartners oder der Tochter vor dem Haus zu. In diesem Augenblick fühlen sie sich erleichtert, denn der Schlüssel müsste jeden Moment im Schloss umgedreht werden. Was, wenn es aber nicht die Autotüren der Verwandten sind, sondern die der Polizei und Notfallseelsorger? Von Alina Gries

"Wenn uns die Hinterbliebenen sehen, werden ihre Gesichter bleich und ohne dass ein Ton gesprochen wurde fangen sie an zu schreien, zu weinen oder brechen gar zusammen", berichtet Angelika Ludwig. Sie ist als Notfallseelsorgerin tätig und erzählt gemeinsam mit Opferschutz-Kollege Gereon Hogenkamp von ihrer Arbeit.

"Etwa drei Verkehrstote gab es bereits in diesem Jahr im Rhein-Kreis und die Fahrradsaison hat noch nicht einmal begonnen", sagt Polizeioberrat Gerhard Kropp, "im vergangenen Jahr lag die Anzahl bei elf."

Opfer eines Verkehrsunfalls sind sowohl die Betroffenen selber, als auch die Angehörigen, Beifahrer, Unfallverursacher, Zeugen oder auch Helfer. "Es ist eine Vielzahl von Menschen drum herum von dem Unfall betroffen. Auf eine Person kommen im Schnitt 100 Menschen, die um die verunglückte Person trauern", so Kropp weiter.

Damit die Trauer besser verarbeitet werden kann, wird ein Team aus fünf Opferschützern der Polizei und 40 ehrenamtlichen Seelsorgern im Rhein-Kreis zu jeder Zeit bereitgestellt. "Bei einem Verkehrsunfall, der sich zuletzt ereignete, war ein junger Mann von der Fahrbahn abgekommen und in den Gegenverkehr geraten. Unsere Aufgabe ist es dann, zu den betroffenen Familien zu fahren und die Todesnachricht zu überbringen", sagt Polizeihauptkommissar Gereon Hogenkamp von Verkehrsunfallprävention und Opferschutz, "die Notfallseelsorger nehmen sich dann der Trauernden an."

Polizeihauptkommissar Gereon Hogenkamp mit Notfallseelsorgerin Angelika Ludwig und Polizeioberrat Gerhard Kropp, (v.l.). FOTO: Foto: Hans Kalinowski

Angelika Ludwig, ehrenamtliche Notfallseelsorgerin, ergänzt: "Wir sind die Erste Hilfe für die Seele. Wenn die polizeilichen Fragen und Formalitäten erledigt sind, sind wir für die Hinterbliebenen da. Aber auch für die Unfallverursacher." Auch Tage, Wochen oder Monate nach dem Unfall besuchen die Opferschützer noch einmal die Angehörigen, um zu sehen wie diese den Verlust verarbeiten. "Falls uns ein Krankheitsbild auffällt, vermitteln wir die Verwandten oder Freunde auch an Fachärzte, Kliniken oder der Traumataambulanz in Neuss", so Hogenkamp. Es ist jedoch keiner der Opferschützer dazu verpflichtet, die Aufgabe zu übernehmen. Fühlen diese sich emotional nicht in der Lage, wird sogar davon abgeraten.

Die häufigste Ursache von Verkehrsunfällen ist dabei die Geschwindigkeit. "Die Geschwindigkeit ist Killer Nummer Eins, aber auch der Blick aufs Handy macht uns große Sorgen", erzählt Kropp. Daher bietet die Polizei gemeinsam mit den Seelsorgern regelmäßig Informationsveranstaltungen oder auch Verkehrserziehung an Schulen an.

Mit dem Blitzmarathon appelliert die Polizei an die Raser. "Wenn der Tod auf Grund der Geschwindigkeit vermeidbar gewesen wäre, beginnen die Schuldzuweisungen in der Familie und aus Trauer wird plötzlich Wut. Das kann die Familie in der schlimmsten Stunde zerstören und reißt sie auseinander", macht Kropp deutlich.

Am 21. April startet der zweite europaweite Blitzmarathon von 6 bis 22 Uhr. Auch im Rhein-Kreis Neuss werden wieder zahlreiche Geschwindigkeitskontrollen stattfinden. Eine Gesamtübersicht der Messstellen veröffentlicht die Polizei am 20. April auf der Internetseite www.polizei.nrw.de/rhein-kreis-neuss/.

(Kurier-Verlag)