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Angeklagter: „Ich wollte kein Loser sein“+++ „Ich liebe die Feuerwehr immer noch“
Über zwei Millionen Euro Schaden: Prozess gegen Feuerwehrmänner gestartet

Prozess gegen Feuerwehrmänner gestartet
Die Angeklagten Mohammad F., Rene M. und Timo G. verhielten sich während der Anklageverlesung ruhig, wirkten nervös. Alle drei sind geständig. FOTO: Hanna Loll
Neuss. Von Oktober 2017 bis Januar 2018 sogten drei junge freiwillige Feuerwehrmänner von der Furth für Panik unter Autobesitzern: In 13 Fällen sollen Timo G., Rene M. und Mohammad F. Fahrzeuge in Brand gesetzt und einen Sachschaden in Höhe von über zwei Millionen Euro verursacht haben (hier nachlesen). Gestern startete der Prozess gegen die Männer vor dem Düsseldorfer Landgericht.  Von Hanna Loll

Das mutmaßliche Motiv der Täter: Lust an Löscheinsätzen. Das soll sie dazu veranlasst haben, in wechselnder Tatbeteiligung Fahrzeuge mit brennbaren Flüssigkeiten übergossen und angezündet zu haben – um anschließend in ihrer Funktion als freiwillige Feuerwehrmänner des Löschzuges Furth an den Löscharbeiten beteiligt zu sein. Allerdings haben alle drei nicht mitgelöscht, sondern waren lediglich an den Aufbauten der Feuerwehr-Gerätschaften beteiligt gewesen.

Vor Gericht zeigten sich die Männer nervös, aber gefasst. Ruhig hörten sie Staatsanwältin Britta Zur bei der Anklageverlesung zu. Der Vorwurf: In insgesamt 13 Fällen sollen sie Kraftfahrzeuge angezündet haben, dabei seien zwei Gebäude, eine Hecke und benachbarte Fahrzeuge ebenfalls zu Schaden gekommen. Gesamtschaden: über zwei Millionen Euro. Alle drei Angeklagten sind geständig und ließen über ihre Anwälte Verlautbarungen vorlesen, sprachen aber auch selbst. 

Timo G., der nach eigenen Angaben erst nach der dritten Brandstiftung davon erfahren habe, dass seine Freunde Rene M. und Mohammad F. für die Brände verantwortlich gewesen sein sollen, habe sich das erste Mal am 2. November an den Brandlegungen beteiligt. Er habe vor den anderen kein "Loser" sein wollen, erzählt er der Vorsitzenden Richterin am Landgericht Karin Michalek.

In insgesamt 13 Fällen sollen die Angeklagten Kraftfahrzeuge mit brennbaren Flüssigkeiten übergossen und angezündet haben. FOTO: Polizei

Der 23-Jährige beteuert wie leid es ihm täte, dass er sich gern bei allen Geschädigten für sein Verhalten entschuldigen würde und bezeichnet seine mutmaßliche Tatbeteiligung als "große Dummheit". In seinen Schilderungen schafft es G. auch auf Nachfrage von Richterin und Staatsanwältin nur, seine Gefühlswelt während der Einsätze als "aufgeregt" zu beschreiben. "Ich wollte zur Gruppe gehören. Es ging in erster Linie um die Einsätze", so G..

Die Brandserie habe eine Eigendynamik entwickelt. Er selbst habe nicht aktiv an den Brandlegungen teilgenommen, habe nur Wache gestanden, damit niemand erwischt würde. Gerade bei dem Einsatz, bei dem ein Lkw-Brand auf der Dyckhofstraße einen Großbrand mit Gesamtschaden von über 400.000 Euro ausgelöst habe, und später in der Justizvollzugsanstalt sei ihm dann der Schaden, den ihre Taten angerichtet hätten, richtig bewusst geworden.

Der Angeklagte Rene M. entschuldigt sich gleich zu Beginn seiner Aussage bei der gesamten Feuerwehr und seinem Löschzug, den er nie habe in den Dreck ziehen wollen. "Ich liebe die Feuerwehr immer noch und es tut mir sehr leid", so M. Er sei mit den Feuerwehrleuten des Löschzuges gern zusammen gewesen.

Auf die Idee zu den Brandlegungen habe ihn der gesondert angeklagte Lukas G. gebracht, der selbst bereits Feuer unter anderem in Büttgen und Dormagen gelegt haben soll, um der Feuerwehr bei Löscharbeiten zuzusehen. 

Bis Redaktionsschluss war der Verhandlungstag noch nicht beendet. Die Verhandlung wird fortgesetzt.

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