| 11.32 Uhr

Zeugin beschrieb Angeklagte im Polizeiverhör als „feuerwehrgeil“
Prozess gegen mutmaßliche Feuerteufel geht weiter

Prozess gegen mutmaßliche Feuerteufel geht weiter
Zwischen Oktober 2017 und Januar 2018 wurden auf der Furth in 13 Fällen Kraftfahrzeuge angezündet. FOTO: Fotos (2): Polizei Neuss
Neuss. Am zweiten Tag im Prozess gegen die mutmaßlichen Feuerteufel von der Furth wurden Zeugen gehört. Deutlich wurde, dass sich die Angeklagten in ihrem Umfeld verdächtig gemacht hatten und der Leiter der Ermittlungskommission (EK) gab Einblicke in die Arbeit an dem Fall. Von Hanna Loll

Zunächst sprach Kriminalhauptkommissar Dirk Gütte vor Gericht. Aufgrund der gleichen Vorgehensweise und der räumlichen Nähe sei den Ermittlern schnell klar gewesen, dass es sich in allen Fällen um den oder die selben Täter handeln könnte. Doch erst im achten Fall, als es zu einem Fahrzeugbrand auf einem Parkplatz an der Kaarster Straße kam, hätte seine EK einen richtigen Anpack an die Sache bekommen. "Eine Zeugin hat einen Verdächtigen weglaufen sehen und konnte ihn gut beschreiben", weiß Gütte. Daraufhin wurde ein Phantombild erstellt und öffentlich gemacht.

"Es kamen zahlreiche Hinweise, mehrere auch aus den Reihen der Feuerwehr", so der Ermittler. Einige hätten zu dem Angeklagten Mohammad F. geführt, der sich zwei Tage später selbst bei der Polizei gemeldet und seine Unschuld beteuert habe. Verdächtig: Bei der Auswertung seines Handys sei aufgefallen, dass der Chatverlauf zwischen F. und dem Angeklagten Rene M. unvollständig sei. Auch dieser habe sich auffällig verhalten. Die Polizei habe Hinweise bekommen, wonach M. "geil auf Brände" sei. So gerieten die Beiden in den Fokus der Ermittler, ihre Telefone wurden überwacht.

Erst an Weihnachten habe sich dadurch eine richtige Spur ergeben: In einem Telefonat soll der dritte Angeklagte Timo G. davor gewarnt haben, dass Zeugin Lena R. von den Bränden wisse und zur Polizei gehen wolle. Ende Januar gab es für die Ermittler, die längst Durchsuchungen bei den Verdächtigen geplant hatten, den entscheidenden Anruf, der erst bei Löschzugführer Wolfgang Thuir eingegangen sei. Dieser habe die drei Angeklagten zunächst nicht in Verdacht gehabt, auch wenn er F. auf dem Phantombild erkannt haben und ihm geraten haben will, zur Polizei zu gehen. M. habe sich ebenfalls auffällig verhalten, oft Fotos von Einsätzen gepostet und sei dafür mehrfach verwarnt worden. G. habe ihm ein Verfahren verschwiegen, das wegen Tankbetrugs gegen ihn gelaufen sei.

Dennoch: "Für mich galt die Unschuldsvermutung." Als dann Anfang Januar die Mutter der Zeugin R., die von ihrer Tochter erfahren haben soll, dass die drei Angeklagten für die Brandserie verantwortlich seien, anrief und den Verdachtsmoment schilderte, rief er sofort die Polizei. Lena R. und eine Freundin (ebenfalls Zeugin, Anmerkung der Redaktion) hätten sich mit dem gesondert angeklagten Lukas G. getroffen, der die Angeklagten beschuldigt hätte, erzählt die 20-Jährige, die selbst Teil des Löschzuges Furth ist, im Zeugenstand. Alle drei wurden von der Polizei verhört, wo Lena R. die Angeklagten als "total feuerwehrgeil" beschrieben haben soll. Die Jungs hätten sich ihr gegenüber im Tatzeitraum merkwürdig verhalten. "Timo G. hat mir mindestens einmal geschrieben, dass wir gleich einen Einsatz hätten. Und so war es dann auch", erzählte sie der Richterin. Die Verhandlung wird fortgeführt. Weitere Hintergründe finden Sie unter www.stadt-kurier.de.

 

(Kurier-Verlag)