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Brüllerei und Streit bei der Neusser FDP im Vogthaus
Riesen-Zustimmung für Dr. Verfürth

Brüllerei und Streit bei der Neusser FDP im Vogthaus: Riesen-Zustimmung für Dr. Verfürth
Dr. Hermann-Josef Verfürth will für das Amt des Neusser Bürgermeisters kandidieren. Die FDP entscheidet das am Freitag auf einem Parteitag im Vogthaus, zu dem die Presse nicht eingeladen ist. FOTO: Foto: Frank Möll
Neuss. Riesenkrach in der Neusser FDP. Gestern brüllten sich die Liberalen im Vogthaus an. Es geht um die Bürgermeister-Kandidatur von Dr. Hermann-Josef Verfürth. Ohne ihn hätte die FDP bei der Kommunalwahl nicht einen solchen Erfolg gefeiert. Von Frank Möll

Der ehemalige Schützenkönig und beliebte Neusser Hausarzt Dr. Hermann-Josef Verfürth soll nach Meinung von FDP-Chef Michael Fielenbach nicht für das Amt des Bürgermeisters kandidieren.

Doch dies entscheidet allein der Parteitag am kommenden Freitag, zu dem die Presse erst nach medialem Druck heute mündlich vom Parteichef eingeladen wurde. 

Dr. Hermann-Josef Verfürth bleibt dabei: "Ich möchte sehr gerne kandidieren!" Und: Den Wahlkampf will er aus eigener Tasche bezahlen.

Auf Facebook überschlagen sich die "likes" und Kommentare. Viele Bürger fordern den beliebten Neusser Hausarzt auf, zu kandidieren.

Doch nicht nur Bürger. Auch der ehemalige FDP-Chef Tim Köhn und Ex-Ratsmitglied Felix Hemmer beglückwünschen auf Facebook Hermann-Josef Verfürth für diesen Schritt. Eine stolze Neusser FDP könne auf diese Chance nicht verzichten, heißt es.

Wahlen sind für den Steuerzahler teuer, für die Demokratie aber sehr, sehr wichtig. Im September wählen die Neusser ihren neuen Bürgermeister. Aussichtsreiche Kandidaten sind Thomas Nickel (CDU) und Reiner Breuer (SPD). "Wenn nur beide Kandidaten sich zur Wahl gestellt hätten, dann hätte ich auf meine Kandidatur verzichtet - für die Stadtkasse wäre das gut. Dann hätte es nur einen Wahlgang gegeben", sagte Dr. Hermann-Josef Verfürth am Montagabend dem Stadt-Kurier bei einem Treffen vor dem Quirinusmünster. "Da aber die Grünen eine Kandidatin aufstellen, habe ich denen gesagt, dass ich als FDP-Kandidat mich auch zur Wahl stelle", so Verfürth. "Ich habe dies vor einer Woche dem FDP-Vorsitzenden Michael Fielenbach auch mitgeteilt", so Verfürth. Auf seine E-Mail habe er aber keine Antwort erhalten.

Eine Kandidatur würde vor allem dem CDU-Kandidaten Thomas Nickel im ersten Wahlgang schaden, da es der beliebte Arzt bereits zweimal geschafft hat, der Union ordentlich Stimmen wegzunehmen. Der Sieg Reiner Breuers (SPD) gegen Dr. Jörg Geerlings (CDU) bei der jüngsten Landtagswahl geht auf seine Kappe.

"Es ist für die Liberalen unklug, sich aus dem kommenden Wahlkampf herauszuhalten. Die FDP muss wie die Grünen mit einem eigenen Kandidaten bei Diskussionsrunden vertreten sein, so Verfürth, der "richtig Freude" hätte, für die Freien Demokraten erneut das Zugpferd zu sein.

Der langjährige CDU-Fraktionschef und Kenner der FDP, Karl-Heinz Baum wundert sich über eine Aussage von Michael Fielenbach im NGZ-Interview, dass der Parteivorsitzende dem Parteitag empfehlen werde, die FDP solle nicht mit einem eigenen Kandidaten antreten. "Da stecken Dr. Achim Rohde und Dr. Heinrich Köppen dahinter", so Baum. Bekannt ist, dass viele in der FDP ihrem prominenten Lokalmedienstar Verfürth die Erfolge neiden.

CDU-Ratsmitglied Sebastian Rosen glaubt hingegen, dass Fielenbachs Chef, Landrat Petrauschke (CDU) eine gewisse Rolle spielt. "Es zeigt doch die Kraft meiner Partei und zeichnet sie auch aus, dass sie einen so starken Konkurrenten verhindern kann. Rosen wundert sich allerdings: "Im wahren Leben weiß doch jeder, dass man einer Braut nicht hinterher laufen darf und sich bei einer anbiedern soll, die schon längst abgehauen ist. In diesem Fall zu den Grünen. Das macht unsexy. So bekommt man sie nie zurück."

SPD-Chef Benno Jakubassa vermutet, dass es von Thomas Nickel die Zusage gibt, mit der FDP wieder eine Koalition einzugehen. Doch das wird er nicht machen. Die Koalition mit den Grünen hält stärker als erwartet und die Grünen sind disziplinierter als der zerstrittene Haufen der FDP."

Jung-Liberalen-Chef Benjamin Beyer will am Freitag parteiintern für Verfürth kämpfen. "Als Vorsitzender der Julis kann ich sagen, dass wir voll hinter Hermann stehen. Ich persönlich kann nicht verstehen, warum Michael Fielenbach unseren besten Mann für die Neusser Bürgermeister-Kandidatur nicht unterstützt. (siehe Interview auf dieser Seite)

Von der Parteiführung ist derzeit wenig zu hören.

Elena Fielenbach, die Ehefrau des Parteivorsitzenden, meldete sich jetzt via Facebook zu Wort: "Eine Wahlkampagne zu veranstalten, nur um die puerilen Wünsche einer Person zu befriedigen, scheint mir zu wenig/armselig. Was haben die Neusser Bürger von einer versauten Nickel-Tour oder von Podiumsdiskussionen?"

Bite lesen Sie auf dieser Internet-Seite:

Kommentar unseres Chefredakteurs

Interview mit dem Chef der Jungen Liberalen

(Kurier-Verlag)