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Eine Premiere hoch zu Ross
Sascha Karbowiak reitet der Gilde als Adjutant voran

Sascha Karbowiak reitet der Gilde als Adjutant voran
Sascha Karbowiak schreibt als Gastautor über die Vorzüge der Schützengilde. FOTO: Fotos: privat
Neuss. Sascha Karbowiak ist Schütze durch und durch, gehört mit Leib und Seele der Gilde an. Als Gastautor schreibt der 27-Jährige über seine ersten Schritte als Schütze, was die Gilde so besonders macht und wie er überraschend zum Adjutanten wurde. Von Sascha Karbowiak

Mit dem Schützenwesen bin ich – wie kann es in Neuss auch anders sein – zum ersten Mal über meine Eltern in Berührung gekommen. Mein Vater war bereits seit einigen Jahren Mitglied im Gildezug "Die vom Schievedamm" und hat den Schützenvirus relativ schnell auf mich übertragen. Im Alter von zwölf Jahren habe ich mit drei guten Freunden erstmalig als Gildeknappe am Schützenfest teilgenommen. Drei Jahre lang durfte ich als Gildeknappe mitmarschieren, dann folgte das erste Problem meiner noch jungen Schützenlaufbahn: Mit mittlerweile 15 Jahren wollte die Knappenuniform einfach nicht mehr passen – man darf allerdings erst mit 18 Jahren als Schütze mitmarschieren. Glücklicherweise musste ich keine dreijährige Zwangspause einlegen, ich durfte als Jungschütze im Fahnenzug "Carl Eichhoff" mitmarschieren. Von meinem Vater habe ich in diesem Jahr sogar meine erste eigene Gildeuniform erhalten. 2005 wurde das Thema Schützenfest immer häufiger in meinem Freundeskreis diskutiert, die Gründung eines eigenen Schützenzuges wurde immer öfter thematisiert. Nach dem Schützenfest wurde dann endlich der Entschluss gefasst: Wir gründen einen eigenen Schützenzug!

Doch nun ging die eigentliche Arbeit erst so richtig los: Wie sollen wir den Zug denn nennen? Bei welchem Korps sollen wir mitmarschieren? Was wird alles benötigt? Als mit Dr. Paul Oldenkott und Axel Spix die damalige Korpsführung der Schützengilde von unseren Überlegungen erfuhr, verabredete man sich spontan zu einem Treffen im "Drusuhof". Bei diesem Treffen konnten wir auch diejenigen unter uns von der Schützengilde überzeugen, die bereits bei einem anderen Korps mitmarschierten – der Schützengildezug "Jöckstitze" war gegründet. Als ich auf der Gründungsversammlung auch noch zum Oberleutnant gewählt wurde, kannte die Schützenfest-Vorfreude keine Grenzen mehr. 2008/2009 durfte ich die Schützengilde ein Jahr lang als bislang jüngster Gildekönig repräsentieren. Eine tolle Erfahrung mit vielen unvergesslichen Erinnerungen. Nach meinem Königsjahr wurde ich von dem damaligen Major Dr. Paul Oldenkott als Vertreter der jungen Züge in den Vorstand der Schützengilde berufen. Nach acht Jahren als Oberleutnant war es Zeit das Amt in neue Hände zu geben, als Dank für die geleistete Arbeit wurde ich von meinem Zug zum Ehrenoberleutnant ernannt. Im vergangenen Jahr freute ich mich auf mein erstes Jahr als "einfacher Jöckstitz" – bis ein Kreuzbandriss beim Fußball leider zu einer unfreiwilligen Schützenfest-Auszeit führte. Umso größer war die Vorfreude auf das diesjährige Schützenfest. Doch auch dieses Jahr kam wieder etwas dazwischen.

Am Schützenfest-Dienstag informierte uns Dr. Paul Oldenkott, dass er aus beruflichen Gründen im Januar nicht mehr für das Amt des Majors und 1. Vorsitzenden der Schützengilde kandidieren würde. Auf der Generalversammlung wurde mein Vorstandskollege Stefan Schomburg zum neuen Major gewählt – und ernannte mich in seiner ersten Amtshandlung zu seinem Adjutanten. Seitdem haben wir uns intensiv mit Reitstunden auf unsere diesjährige Premiere "hoch zu Ross" vorbereitet. Das "Einparken" neben dem Oberst während der Parade wird mit Sicherheit unsere größte Herausforderung werden.

Was unterscheidet die Schützengilde von den anderen Korps im Neusser Regiment? Als eines der "kleineren Korps" hat man immer noch das Gefühl, dass die einzelnen Gildisten sich untereinander kennen. Man fühlt sich ein bisschen wie ein "Zug im Zug". Diese zugübergreifende Gemeinschaft wird über das Jahr verteilt mit mehreren Veranstaltungen aufrecht erhalten. Der Maiball, das Frühjahrs- und das Herbstkorpsschießen, die Kegelwettbewerbe oder unsere "Gildefieber-Party" am Schützenfest-Montag sind nur einige Beispiele für über das Jahr verteilte Veranstaltungen. Und auch die einzelnen Züge bereichern das Jahr mit gelungenen Veranstaltungen. Mein Schützenzug veranstaltet beispielsweise seit mehreren Jahren eine Karnevalsparty, zu der natürlich ebenfalls alle Gildisten eingeladen werden.

Kurz und knapp: Die Entscheidung für die Schützengilde haben mein Zug und ich bis heute nicht bereut. Mein Schützenzug feiert in diesem Jahr übrigens sein zehnjähriges Bestehen. An dieser Stelle viele Grüße an alle "Jöckstitze"!

Zum Abschluss wünsche ich allen Leserinnen und Lesern ein fröhliches und friedliches Schützenfest.

(Kurier-Verlag)