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Schnelles Netz: Uedesheim knackt Hürde – andere Stadtteile zittern

Schnelles Netz: Uedesheim knackt Hürde – andere Stadtteile zittern
Neuss. Noch Anfang März zitterten die Uedesheimer. Eine Woche vor Ablauf der Frist für den Ausbau von schnellem Internet hatte der südliche Stadtteil gerade mal 21 Prozent erreicht. Jetzt jubelt Stadtverordneter Stefan Crefeld. Rund drei Wochen vor Beendigung der verlängerten Anmeldephase haben genug Bürger (40 Prozent) einen Vertrag mit der Deutschen Glasfaser abgeschlossen. Dem Ausbau und damit dem schnellen Internet steht nichts mehr im Wege. In anderen Stadtteilen sieht es dagegen nicht so rosig aus. Was passiert, wenn die Marke nicht erreicht wird? Von Violetta Buciak

"Der Supergau wäre, dass die Verträge gar nicht erst zustande kommen und der lang ersehnte Ausbau nicht vollzogen werden kann", warnt Crefeld (CDU). Stadtteile wie Holzheim (7 Prozent), Allerheiligen (12 Prozent) oder Gref-rath (14 Prozent) sind noch weit von den geforderten 40 Prozent entfernt.

Dabei ist die Not groß – die Internetversorgung teilweise mangelhaft. Das Unternehmen wirbt auch hier mit Flyern und Plakaten für den Glasfaserausbau. Crefeld weiß, wie schwer es ist, die Bürger zu mobilisieren. Er gibt Tipps, wie es nun auch die anderen Ortsteile schaffen können. "Meist hilft da tatsächlich nur das direkte Gespräch. Nur so kann vielen die Unsicherheit genommen werden", so der CDU-Ratsherr. "Bei uns in Uedesheim hat das hervorragend funktioniert. Die Anwohner haben ihre Nachbarn angesprochen und betrieben Aufklärungsarbeit", so Crefeld. Schließlich ist der Wunsch nach guter Internetversorgung überall groß.

Warum läuft es in manchen Stadtteilen so schleppend?

"Das ist eine sehr individuelle Angelegenheit. In Uedesheim kenne ich einige ältere Menschen, die keinen Computer besitzen und auch kein Interesse daran haben. Die brauchen so einen Vertrag natürlich nicht. Auf der anderen Seite gibt es Senioren, die sehr wohl im Netz unterwegs sind und den vorläufigen Vertrag bereits in der Tasche haben", erklärt der Stadtverordnete. Vielmehr sorgen sich einige Anwohner um ihre Häuser. "Wir haben gerade renoviert und isoliert. Was, wenn der Keller nach dem Ausbau unter Wasser steht?" – solche Fragen bekam Crefeld in seinem Stadtteil tagtäglich zu hören. "Ich kann nur sagen, dass die Deutsche Glasfaser das professionell über die Bühne bringt und für dieses unwahrscheinliche Szenario die Haftung übernehmen würde", beschwichtigt der Stadtverordnete.

In Allerheiligen versuchen die Anwohner ebenfalls ihre Nachbarn zu mobilisieren. Karolina B. appelliert in einem Facebookpost an ihre Mitbürger: "Ich weiß, dass das Thema Glasfaser schnell im Alltagsstress in Vergessenheit gerät und dass man auch nicht immer die Zeit hat, sich damit in Ruhe zu beschäftigen. Die Masse der Flyer, die die letzten Wochen in unseren Briefkästen war, verschwindet oft in dem Wust an Werbung. Aber Glasfaser ist für alle Hausbesitzer ein sehr wichtiges Thema. Der Ausbau von Glasfaser und der damit verbundene Highspeedinternetanschluss ist nicht nur wichtig für eine schnelle Internetverbindung, sondern auch zur Sicherung des Immobilienwertes in der Zukunft!", so die junge Frau.

Der Erfolg in Uedesheim macht Hoffnung: "Ich glaube, dass wir in Allerheiligen das genauso schaffen können. Redet mit euren direkten Nachbarn in Allerheiligen! Nur so ist es zu schaffen", so die engagierte Bürgerin. Es bleibt weiter spannend im Neusser Süden.

(Kurier-Verlag)