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Seit vier Jahren eine Baustelle: Bürger im Neubaugebiet Allerheiligen sauer

Seit vier Jahren eine Baustelle: Bürger im Neubaugebiet Allerheiligen sauer
Den Nachbarn Dieter Langhoff und Katrin Beilfuß reicht es: Seit vier Jahren leben sie auf einer Baustelle und werden von der Stadt Neuss immer wieder vertröstet. FOTO: Fotos: Violetta Buciak
Allerheiligen. Wer dieser Tage im Neubaugebiet Allerheiligen unterwegs ist, muss Nerven wie Stahlseile haben. An fast allen Straßen wird gearbeitet, Umleitungen gibt es keine, Straßensperrungen passieren scheinbar spontan und ohne Vorwarnung. Jetzt reicht es den Bürgern: „Wir leben seit vier Jahren auf dieser Großbaustelle. Uns wurde versprochen, dass die Straßen bis Ende 2014 gemacht sind. Jetzt haben wir fast Mai 2015 und hier herrscht ein einziges, unorganisiertes Chaos. Das hätte man besser planen können“, klagt Dieter Langhoff. Von Violetta Buciak

Beim Spaziergang durch das Neubaugebiet Allerheiligen ist Vorsicht geboten. Da ragt schon mal ein Rohr 30 Zentimeter weit aus der Straße – der Horror für Autofahrer. Gullis mit fünf Zentimeter hohen Kanten werden zur Stolperfalle, Bauschutt liegt offen herum und Löcher in den Straßen sind echte Gefahrenzonen. Dabei wohnen hier viele junge Familien mit Kindern. Mütter mit Kinderwagen haben keine Chance hier durchzukommen.

Für Langhoff ist die Situation schon lange unzumutbar. Deswegen wandte er sich vor einem Jahr an Bürgermeiste Napp, dieser bat um Geduld und verwies an Beigeordneten Hölters, Dezernent für Planung, Bau, Umwelt und Verkehr. „Eine Antwort gab es rund einen Monat später von Urs Bräutigam, stand jedenfalls im Briefkopf. Unterschrieben hat ein Herr Eckers“, ist Langhoff verwirrt. Darin wurde dem entnervten Anwohner versichert, dass der Endausbau der Rankestraße Ende 2014 abgeschlossen sei. Die Arbeiten zum vierten Abschnitt hätten laut Tiefbauamt bis Februar 2015 abgeschlossen sein müssen. Davon ist bis heute nichts zu erkennen. Stattdessen müssen die Anwohner wie in einem Labyrinth umherirren, um nach Hause zu kommen. „Als meine Frau am Freitag um 16 Uhr auf dem Heimweg war, fuhr ein Lkw vor ihr. Der blieb allerdings plötzlich stehen und sperrte somit zwei Straßen. Nach einer Minute kam der Baggerfahrer und sagte meiner Frau: ,Das ist jetzt aber ganz schlecht.’ In der Zwischenzeit waren circa acht Fahrzeuge bereits hinter ihr. Zurück ging es also nicht mehr! Sie wartete schließlich 15 Minuten bis der Lkw inklusive Anhänger mit Erdreich beladen war. Die komplette Straße war damit dicht!“, beschwert sich Langhoff. Nachbarin Katrin Beilfuß pflichtet ihm bei: „Nicht auszumalen, was hier im Notfall los wäre.“ Einen Vorgeschmack gab es bereits vor einem Jahr als es in einem Haus gebrannt hatte. Die Feuerwehr hat lange gebraucht, um einen Wasseranschluss zu finden, da entsprechende Schilder fehlten und bis heute nicht angebracht wurden.

Wann das Chaos ein Ende haben soll, konnte Bürgermeister Herbert Napp dem Stadt-Kurier bis zum Redaktionsschluss nicht mitteilen.

(Kurier-Verlag)