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So hart trifft die Kälte die Obdachlosen in Neuss wirklich

So hart trifft die Kälte die Obdachlosen in Neuss wirklich
Bei Eiseskälte harrten viele Obdachlose in der City aus, um Spenden von Passanten zu bekommen. FOTO: Foto: Violetta Fehse
Neuss. Es war die kälteste Woche des Jahres. Nachts wurden teils Minustemperaturen im zweistelligen Bereich gemessen. Für die meisten Neusser, die sich in ein warmes Zuhause zurückziehen konnten, kein Problem. Für Obdachlose war es dagegen ein harter Kampf ums Überleben. Von Violetta Fehse

Donnerstagabend, 18 Uhr: Am Neusser Hauptbahnhof herrscht reger Betrieb, Pendler machen sich auf den Weg in ihre Häuser und Wohnungen. Mittendrin stehen Ehrenamtler der Gruppe "Neuss packt an – warm durch die Nacht". Sie verteilen heiße Suppe und warme Decken an Obdachlose.

"In dieser Woche trifft es sie eben besonders hart", weiß Lothar Bertrams. Im Bestreben den Bedürftigen zu helfen, hat auch die Stadt Neuss diverse Maßnahmen auf den Weg gebracht. In Wohncontainern am Südpark finden aktuell von 17 bis 7.30 Uhr 60 Männer Platz. Dann müssen sie wieder nach draußen. "Das Konzept ist nicht als Dauerunterkunft gedacht", erklärt Peter Fischer, Öffentlichkeitssprecher der Stadt Neuss. Tagsüber könnten sich die Bedürftigen beispielsweise im "Café Ausblick" aufhalten.

Das Problem: Viele Obdachlose können die Schlafunterkunft nicht nutzen, sie sind zu gebrechlich, um die rund vier Kilometer weite Strecke von der Innenstadt nach Reuschenberg zu gehen. Stattdessen halten sie sich in der kalten, aber windgeschützten Halle des Bahnhofs auf. "Aber dort dürfen sie nicht einnicken, sonst werden sie vom Securitypersonal ermahnt", weiß Ehrenamtlerin Martina Engels. Hierzu sagt ein Bahnsprecher auf Anfrage des Stadt-Kuriers: "Grundsätzlich werden Obdachlose bei den vorherrschenden Temperaturen im Bahnhof geduldet, solange sie sich an die Ordnung halten." Zu dem Thema, dass Schlafende geweckt werden, will sich der Sprecher nicht äußern.

Ein weiterer Missstand macht Bedürftigen in der Unterkunft "Haus Lebensbrücke" an der Normannenstraße zu schaffen. Dort macht die Heizungsanlage seit einigen Tagen Schwierigkeiten. Stadtsprecher Peter Fischer hierzu: "Das Gebäudemanagement ist darüber informiert und hat bereits eine Fachfirma beauftragt, die Anlage zu überprüfen und falls erforderlich, zu reparieren."

Immerhin: Die Extremtemperaturen gehen in diesen Tagen zurück, wenn es auch ungemütlich kalt bleibt.

 

(Kurier-Verlag)