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Stadtwerke-Windräder produzieren Strom

Stadtwerke-Windräder produzieren Strom
Bürgermeister Reiner Breuer, Stadtwerke-Geschäftsführer Stephan Lommetz, Aufsichtsratsvorsitzender Dr. Jörg Geerlings und Stadtwerke-Projektleiter Johannes Steinhauer. FOTO: Foto: Thomas Broich
Hoisten. Nach mehrjähriger Planung und einem umfangreichen Genehmigungsverfahren sind die beiden in den vergangenen Monaten errichteten Windenergieanlagen der Stadtwerke Neuss auf einem Feld südlich von Neuss-Hoisten in Betrieb gegangen.

Die beiden Windräder sollen nach erfolgreicher Beendigung des Probebetriebs C02-freien Strom zur Versorgung von rund 3.100 Haushalten erzeugen. Gleichzeitig mit der Inbetriebnahme machen die Stadtwerke Neuss ihr viereinhalb Jahre altes Versprechen wahr und ermöglichen interessierten Neusser Bürgerinnen und Bürgern, sich über einen Sparbrief an einem der beiden Windräder zu beteiligen.

"Die Fragen rund um die Machbarkeit hinsichtlich der von den Gesellschaftern gewünschten Errichtung von Windrä-dern in der insgesamt dicht besiedelten Stadt Neuss sind von den Stadtwerken Neuss sehr verantwortungsvoll und gründlich geprüft worden. Für die Sorgen und Nöten der Menschen habe ich größtes Verständnis. Die Windräder sind der Beitrag der Stadtwerke Neuss zur Umsetzung der Energiewende vor Ort. Nach Expertenmeinung sind damit keine weiteren Standorte für Windkraft in Neuss realisierbar. Hätten die Stadtwerke nicht gebaut, dann hätten es andere Investoren machen können. Die Neusser Bürger erhalten die Möglichkeit, sich über einen Sparbrief an dem Projekt zu beteiligen", erklärt Dr. Jörg Geerlings, Aufsichtsratsvorsitzender der Stadtwerke Neuss Energie und Wasser GmbH.

Die konkrete Planung für den Bau der beiden Windräder südlich von Hoisten wurde nach dem Bescheid des Oberverwaltungsgerichts Münster (OVG) im Eilverfahren vom 6. Mai 2016 forciert. Die Richter am OVG hatten die bereits An-fang 2015 erteilte Genehmigung des Rhein-Kreises Neuss vollumfänglich bestätigt und den zwischenzeitlich vom Verwaltungsgericht Düsseldorf aufgehobenen sofortigen Vollzug wieder hergestellt. "In der Aufsichtsratssitzung im Juni vergangenen Jahres haben wir dann eine aktuelle Wirtschaftlichkeitsrechnung vorgelegt. Die Wirtschaftlichkeit ist auch angesichts der veränderten Bedingungen durch die Anpassung der Vergütungen nach dem Erneuerbare Energien-Gesetz (EEG) weiterhin gegeben", fasst Stephan Lommetz, Vorsitzender der Geschäftsführung der Stadtwerke Neuss, die damaligen Beratungen zusammen.

Bau und Inbetriebnahme innerhalb weniger Monate Die Geschäftsführung hatte nach der Aufsichtsratssitzung im Juni 2016 alle erforderlichen Schritte zum Bau der 7,2 Millionen Euro teuren Windräder eingeleitet. "Wir konnten nach der endgültigen Entscheidung recht schnell in die Umsetzung gehen, weil alle erforderlichen Schritte vorbereitet beziehungsweise bereits vertraglich geregelt waren. Aufstell- und Kranflächen waren durch Vorverträge gesichert. Das galt auch für die Abstandsflächen sowie die nötigen Kabeltrassen, die Baustraße und den Netzanschluss. Dieser erfolgt über die Einspeiseanlage Am Steinacker", erläutert Stadtwerke-Projektleiter Johannes Steinhauer. Die Windräder haben Nabenhöhen von 108 beziehungsweise 138 Meter Höhe. Hersteller ist der deutsche Marktführer für Windenergieanlagen, die Firma Enercon aus Aurich. Nach der erfolgreichen Abnahme in der Vorwoche ist die Übertragung der Windräder auf die Stadt-werke Neuss Energie und Wasser GmbH erfolgt. "In unmit-telbarer Nähe der Windräder wird in Kürze eine Streuobst-wiese von 3,5 Hektar Größe als Ausgleichsfläche neu ange-legt", so Steinhauer weiter. Rund 2.100 Volllaststunden mit etwa 6.500 Betriebsstunden pro Jahr und Anlage sollen ei-nen Bruttoertrag von rund 10 Gigawattstunden jährlich er-bringen.

Bei der öffentlichen Präsentation des Projektes "Windräder Neuss" im August 2012 im Neusser Zeughaus hatte die Ge-schäftsführung der Stadtwerke Neuss im Falle einer Realisierung versprochen, interessierten Bürgerinnen und Bürgern ein Beteiligungsmodell anzubieten. Dieses Versprechen wird jetzt in die Tat umgesetzt. "Mit der Volksbank Düsseldorf Neuss eG haben wir einen kompetenten regionalen Partner gefunden, über den wir den Sparbrief "Windenergie" anbieten. Unseren interessierten Strom- und Gaskunden ist so eine attraktive jährliche Zinsausschüttung von 2,0 Prozent garantiert. Neusser, die nicht Kunden der Stadtwerke sind, haben auch die Möglichkeit sich zu beteiligen. Sie erhalten 1,5 Prozent Zinsen jährlich. Es lohnt sich also, unser Kunde zu sein beziehungsweise zu werden", stellt Stadtwerke-Geschäftsführer Stephan Lommetz das Beteiligungsprodukt vor. Der Sparbrief hat eine Laufzeit von fünf Jahren. Die Mindestbeitragshöhe pro Sparer beträgt 500 Euro. Ab 1.000 Euro ist eine Beteiligung in 1.000 Euro-Schritten bis hin zu maximal 20.000 Euro pro Person, Firma, Institution und Mit-arbeiter der Stadtwerke Neuss möglich.

Interessenten können sich ab dem 2. April um 15 Uhr über ein Kontaktformular auf der Homepage der Stadtwerke Neuss unter www.stadtwerke-neuss.de bewerben. "Wer zu-erst kommt, mahlt zuerst. Oder konkret: Je schneller man ab dem Starttermin am 2. April sein Interesse uns gegenüber bekundet, desto größer sind Chancen, bei der Anlage auch zum Zug zu kommen", beschreibt Stephan Lommetz die gewählte Vorgehensweise. Die Gesamtbeteiligungshöhe von zwei Millionen Euro wird auf zwei gleiche Töpfe für Anla-gewünsche bis 5.000 Euro und ab 6.000 Euro aufgeteilt.

Nach der Online-Interessensbekundung gegenüber den Stadtwerken Neuss werden die Interessenten in den folgen-den Wochen durch die Stadtwerke Neuss unaufgefordert schriftlich über das weitere Vorgehen informiert. Die weitere Abwicklung der Anlage erfolgt dann direkt über die Volksbank Düsseldorf Neuss eG.

(Kurier-Verlag)