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+++erste Halle am Derendorfweg steht+++Einzug im April+++
Viele kritische Stimmen zu Traglufthallen für Flüchtlinge

Viele kritische Stimmen zu Traglufthallen für Flüchtlinge
Die Traglufthalle auf dem ehemaligen VfR-Gelände sorgt für Diskussionsstoff. FOTO: Foto: Stadt Neuss
Neuss. Die erste Traglufthalle zur Unterbringung von Flüchtlingen steht. In der Unterkunft auf dem ehemaligen VfR-Gelände sollen in naher Zukunft bis zu 300 Menschen leben. Noch bevor die ersten hier Einzug halten, überschlagen sich die kritischen Stimmen im Netz. "Diese Unterbringung ist menschenunwürdig – eine Schande", bringt es Stephan Thönnessen auf den Punkt. Von Violetta Buciak

Imposant wirkt das meterhohe weiße Zelt auf dem Areal am Derendorfweg. In den nächsten Tagen soll eine zweite Halle an gleicher Stelle platziert werden. Die erste Unterkunft ist voraussichtlich in der Woche vor Ostern bezugsfertig, die zweite Anfang April. Hier werden die Flüchtlinge für die nächste Zeit zuhause sein, auf engem Raum schlafen – Privatsphäre gleich Null. Das sehen viele Bürger kritisch. "Wir haben doch die 27 Standorte für Container geplant. Warum werden diese nicht ins Leben gerufen?", fragt sich ein Anwohner bei der Infoveranstaltung in Reuschenberg. "Es sollte eine besserer Verteilung auf alle Stadtteile geben", fordert eine andere Bürgerin.

Auch die hohen Mietkosten sorgen für Unmut. Mit 100.000 Euro schlägt die Unterkunft monatlich zu Buche – pro Traglufthalle. Warum also diese umstrittene Lösung? Bürgermeister Breuer erklärt: "Ich weise ausdrücklich darauf hin, dass Traglufthallen die ansonsten zwingende Bereitstellung von Notunterkünften in Turnhallen, die bisher in Allerheiligen, Holzheim und an anderen Standorten vorgesehen waren, ersetzen. Sie dienen damit der Aufrechterhaltung des Vereins- und Schulsports und stellen letztendlich eine Investition in und für den Sport dar."

Die beiden Hallen sind vorerst jeweils für ein Jahr angemietet. "Sie wurden nicht gekauft, weil sie nur vorübergehend genutzt werden sollen und eine Anmietung für diesen Zeitrahmen finanziell günstiger ist als ein Erwerb", erklärt Breuer. Der Bürgermeister weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass die Kosten für die Traglufthallen in Gänze über die Finanzmittel finanziert werden können, die Neuss vom Land NRW  im Rahmen des Flüchtlingsaufnahmegesetzes (FlüAG NRW) zugewiesen bekommt. Das heißt, daß Neuss keine eigenen kommunalen Finanzmittel für die Traglufthallen aufbringen muss. 

Eine bessere Alternative hätte es laut Bürgermeister mit dem Whitesell-Gebäude gegeben. "Leider ist der Rat seinerzeit dem Vorschlag der Verwaltung nicht gefolgt, das Gebäude zu erwerben, um dort Flüchtlinge unterzubringen. Auch diese Tatsache hat die Anmietung der Traglufthallen notwendig gemacht", so der 46-Jährige. Dennoch: Laut Breuer haben Traglufthallen im Vergleich zu Turnhallen einen relativ hohen Standard. "Sie sind aber weder dazu geeignet noch dazu bestimmt, Menschen darin dauerhaft unterzubringen. Deshalb werden die Flüchtlinge von dieser zentralen Einrichtung zeitnah in die dezentral vorgehalten Unterbringungsplätze weitergeleitet", verspricht der Stadtchef. Auch, wenn die Vorarbeiten für die Errichtung dieser Unterkünfte "erheblich" seien.

(Kurier-Verlag)