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+++Stammkunden erreichen Salon nicht mehr+++„Meine Existenz ist bedroht“+++
Von zwei Großbaustellen eingekesselt - Friseurmeisterin bangt um ihren Salon

Von zwei Großbaustellen eingekesselt
Normalerweise von drei Seiten zu erreichen: das Haarstudio Susanne. „Für meine Kunden ist kein Durchkommen mehr – schon 10 Prozent habe ich verloren“, klagt Inhaberin Susanne Laeven. FOTO: Hanna Loll
Neuss. Susanne Laeven ist verzweifelt: Ihr Friseursalon liegt in einem Eckhaus, beide angrenzenden Straßen sind gesperrt und zehn Prozent ihrer Kunden hat sie schon verloren... Von Hanna Loll

Seit Januar haben die Anwohner auf der Preußenstraße wenig zu lachen: In insgesamt fünf Bauabschnitten werden innerhalb von zwei Jahren die teilweise rund 100 Jahre alten Schmutz- und Regenwasserkanäle auf der Preußenstraße durch größer dimensionierte Rohre ersetzt. Auch die angrenzende Olympiastraße ist inzwischen gesperrt. Arbeiten, die erledigt werden müssen – das weiß auch Friseurmeisterin Susanne Laeven, die das Haarstudio Susanne an der Ecke Preußenstraße/Olympiastraße bereits seit 27 Jahren betreibt. "Allerdings wurde mir versprochen, dass die Arbeiten an diesem Teilabschnitt deutlich schneller vorangehen sollten", klagt die 52-Jährige. "Weil meine Kunden nicht an meine Parkplätze herankommen und auch Taxen nicht hindurchkommen, haben schon viele meiner Kunden den Friseur gewechselt." Laeven klagt über den Verlust von 10 Prozent ihrer Kundschaft. Für sie eine Katastrophe: "Das ist meine Miete! Außerdem muss ich die Miete für den Salon, die Parkplätze und auch meine Mitarbeiter bezahlen. Ich weiß nicht, wie ich mir das leisten soll!" Wenn es so weiter geht, sieht Laeven keinen anderen Weg, als Entlassungen aussprechen zu müssen – was ihr selbst das Herz bricht. "Normalerweise haben wir etwa 100 Kunden am Tag, im Moment sind es nur etwa 30", bangt die Friseurin um die eigene Existenz und die ihrer Angestellten. 

Großbaustelle auf der Preußenstraße. FOTO: Hanna Loll

Auch Jürgen Scheer, Sprecher der InfraStruktur Neuss, weiß um Laevens Probleme. Er bedauert: "Das Haarstudio liegt an einer derzeit sehr ungünstigen Stelle – jetzt ist es an zwei Stellen eingekesselt. Allerdings sollen bis Ende nächster Woche die Parkplätze des Salons wieder befahrbar sein." Bis dahin soll die Sperrung der Olympiastraße aufgehoben werden. Das hilft Laeven nicht unbedingt weiter. Sie erklärt: "Solange der Tunnel zwischen Preußenstraße und Deutsche Straße gesperrt ist, bringt die Olympiastraße meinen Kunden herzlich wenig." Laut Bauleiter soll der Tunnel etwa bis Freitag, 15. Juli, wieder geöffnet werden. "Auch in diesen Wochen bin ich auf die Kundschaft angewiesen", macht die Friseurmeisterin ihre missliche Lage deutlich. Für den Übergang denkt sie über einen Fahrdienst nach, erhofft sich einen Deal mit der Taxizentrale.

Auf Anfrage des Stadt-Kuriers äußert sich Bürgermeister Reiner Breuer zu städtischen Hilfsangeboten: "Grundsätzlich kann die Wirtschaftsförderung, sofern gewünscht, Unterstützungsmöglichkeiten anbieten. Dieses Hilfsangebot greift immer da, wo Unternehmen bereit sind, selbstständig über ihre Situation zu informieren und sich an die Fachstelle zu wenden. Leider hat die Inhaberin das Amt für Wirtschaftsförderung bislang nicht über eine wirtschaftliche Situation ihres Betriebes und die Störungen durch die Baustelle informiert." Jetzt verspricht er, von sich aus Kontakt zu Laeven aufzunehmen.

Ob es besonders förderlich für die Neusser Wirtschaft ist, nur dann zu helfen, wenn Unternehmen darum bitten, dürfte Susanne Laeven anzweifeln...