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Welche Kirche soll erhalten bleiben?

Welche Kirche soll erhalten bleiben?
Die Reformations- und die Versöhnungskirche: Welches Gemeindezentrum soll erhalten bleiben? FOTO: Fotos (2): Rolf Retzlaff
Nordstadt. Die Gemeindeversammlung der Evangelischen Kirchengemeinde Neuss am kommenden Sonntag nach dem 9.30-Uhr-Gottesdienst in der Versöhnungskirche könnte zukunftsweisend sein: Das Presbyterium will die Meinungen der Gemeindemitglieder abfragen, um dann zu entscheiden, wie in Zukunft die Gemeindearbeit in der Nordstadt auf ein Gemeindezentrum konzentriert werden kann. Von Rolf Retzlaff

Seit 2012 diskutiert die Gemeinde über drei mögliche Szenarien: die Schließung der Versöhnungskirche an der Furtherhofstraße, der Reformationskirche am Berliner Platz oder den Bau eines neuen Zentrums. „Auf der Gemeindeversammlung stellen wir die inzwischen gewonnenen Erkenntnisse zu den drei Szenarien der Gemeinde und Überlegungen zu einer zukünftigen Gemeindearbeit vor”, erklärt Presbyter Jörg Nehr, Leiter der Steuerungsgruppe. Ein Beschluss werde noch nicht getroffen: „Wir werden die Rückmeldungen aus der Gemeinde aufnehmen und danach über die weitere Vorgehensweise entscheiden.”

In den vergangenen zwei Jahren wurden Gespräche mit Investoren geführt, Ideen für die Zentren gesammelt; die reichten vom betreuten Wohnen bis hin zur Nutzung als Kolumbarium (Bestattungshaus mit Kammern für Urnen). Die eigens eingerichtete Steuerungsgruppe war fleißig – aber sie kam bisher zu keinem eindeutigen Ergebnis. Jedes Szenario hat Vor- und Nachteile. Ein Beispiel: Die Versöhnungskirche bietet der Gemeinde mit einem größeren Gelände mehr Platz für eine bauliche Gestaltung, ist aber genau deshalb auch für Investoren interessanter als das Grundstück am Berliner Platz. Ein weiterer Aspekt: Die Versöhnungskirche punktet mit ruhiger Lage, am Berliner Platz ist die Gemeinde allerdings präsenter. „Rechenspiele“, die kein klares Ergebnis bringen. Deshalb sollen jetzt die Gemeindemitglieder zu Wort kommen. Die Gemeindeversammlung hat eine beratende Funktion, entscheiden wird das Presbyterium – und das in naher Zukunft. Zwar sind die Einnahmen durch Kirchensteuer im vergangenen Jahr unerwartet stabil geblieben, doch der demografische Wandel wird mittelfristig für Einbußen sorgen. Voraussichtlich verliert die Kirche alljährlich knapp zwei Prozent an Finanzkraft. Dafür ist nicht nur der Schwund der Kirchenmitglieder verantwortlich. Mit ausschlaggebend ist die stetig steigende Anzahl der Rentner in der Gemeinde, die von der Kirchensteuer befreit sind. Dieser Blick in die Zukunft macht dem Presbyterium zu schaffen. Immerhin kostet der Betrieb eines Gemeindezentrums stolze 100.000 Euro pro Jahr.

Am Sonntag können die Gemeindemitglieder erörtern, warum gerade „ihr“ Gemeindezentrum erhalten bleiben oder ein neues Zentrum entstehen soll. Dafür gebe es laut Steuerungsgruppe im Bereich des Nordbad-Parkplatzes ausreichend Platz, Gespräche mit der Stadt wurden bereits geführt. Wie auch immer: Die Aufgabe eines Zentrums muss nicht gleichbedeutend mit einem kompletten Rückzug der Gemeinde sein. So könnten durchaus Räumlichkeiten zum Beispiel für Jugend- und Seniorenarbeit erhalten bleiben.

Die Präsentation bei der Gemeindeversammlung wird der Berater und Moderator Jörg Beste vom Büro synergon aus Köln übernehmen. Beste, der neben Architektur und Stadtplanung auch Theologie studiert hat, verfügt über Erfahrung bei Neuorientierungsprozessen von Kirchen und unterstützt das Presbyterium bei der Arbeit an dem Projekt.

(Kurier-Verlag)