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"Taschengeld" soll auch für Alex-Asylbewerber weiter gezahlt werden
Kardinal Woelki ist für Abschiebung von Balkan-Flüchtlingen

Woelki
Der Kölner Erzbischof ist für eine schnellere Abschiebung von Balkan-Flüchtlingen. FOTO: Frank Möll
Neuss. Das betrifft vor allem die Flüchtlinge im Neusser Alex: Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki spricht sich für eine schnelle und konsequente Abschiebung von Flüchtlingen aus sicheren Herkunftsländern aus. "In aller Regel können Albaner, die zu uns kommen, sich nicht auf das Asylrecht des Grundgesetzes berufen", sagte Woelki heute dem "Kölner Stadt-Anzeiger". Er besucht derzeit den Balkan und macht sich ein eigenes Bild im Kosovo. Von Frank Möll

Kardinal Woelki halte es daher für berechtigt, sie wieder zurückzuschicken, "und zwar auch konsequent, um nicht bei jedem Einzelnen die Hoffnung zu schüren, er sei vielleicht der eine von hundert oder tausend Neuankömmlingen, der dann eben doch bleiben darf", so der Kölner Erzbischof. Woelki folgt damit auch einem Rat des Neusser Vatikan-Experten Michael Hesemann, der dies immer schon forderte. Hesemann: "Wir brauchen Platz und Kraft für die vielen vom IS verfolgten Mitchristen aus Nordafrika." Die Menschen im Kosovo müssten jetzt ihre Korrupte Regierung zum Teufel jagen und aus eigener Kraft in ihrem Land einen Neuanfang schaffen.

Angesichts einer großen Zahl von Armutsflüchtlingen müsse das Asylrecht vor Missbrauch geschützt werden, forderte Woelki. "Wir werden der Armutsproblematik nicht Herr werden, indem wir die Asylproblematik zu lösen versuchen." Nötig sei ein Einwanderungsgesetz, "das Menschen aus Ländern wie Albanien eine legale Einreise und eine Lebensperspektive in Deutschland ermöglicht", so der Kardinal. Albanien und den Kosovo sollen nach dem Willen der Bundesregierung künftig als "sichere Herkunftsländer" deklariert werden. Dies würde es Einreisewilligen von dort erschweren, ihr Grundrecht auf Asyl in Deutschland geltend zu machen.

Woelki: Debatte nicht auf dem Rücken der Flüchtlinge austragen

Vorschläge, das Taschengeld für Flüchtlinge zu kürzen, nannte Woelki abwegig und sprach von Versuchen der Politik, die Flüchtlingsdebatte "auf dem Rücken der Betroffenen zu führen". Die Vorgaben des Bundesverfassungsgerichts seien eindeutig. "Sie gelten für jeden, der zu uns kommt", unterstrich der Erzbischof. Man könne auch nicht Gehälter und Lebenshaltungskosten in einem Land wie Albanien mit dem deutschen Niveau vergleichen. "Deshalb ist der Gedanke abwegig, 'Armutsflüchtlinge' - ein schreckliches Wort übrigens! - schlechter stellen zu wollen als Asylbewerber oder Hartz-IV-Empfänger."

Offen zeigte sich der Kardinal für einen "nationalen Flüchtlingspakt" als Teil einer echten Willkommenskultur. "Wir müssen gesellschaftlich weiter zusammenrücken und uns dabei auch den wirtschaftlichen Herausforderungen stellen. Da sind alle gesellschaftlichen Kräfte gefragt. Warum nicht in einem nationalen Pakt?", so Woelki. Die Kirchen würden hierzu ihren Beitrag leisten.

Besonders betroffen sind die Flüchtlinge, die derzeit im ehemaligen Neusser Alexius-Krankenhaus untergebracht sind. Ein Großteil der Flüchtlinge in Neuss stammt aus dem Balkan.