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Wunsch-Projekt: Schätze aus der Schraubenfabrik geborgen Dr. Albert Wunsch sichert Bauer & Schaurte-Relikte

Wunsch-Projekt: Schätze aus der Schraubenfabrik geborgen Dr. Albert Wunsch sichert Bauer & Schaurte-Relikte
„Endprüfung“: Die Jungs vom Berufsförderungszentrum hatten unter anderem dieses Schild auf dem Bauer & Schaurte-Gelände gefunden, sehr zur Freude von Initiator Dr. Wunsch (3. von rechts), Andree de Leven (links) und Johannes Schmitz (3. von links). FOTO: Fotos (3): Rolf Retzlaff
Nordstadt. Er ist im Neusser Süden zuhause, doch wenn es um den Erhalt eines Stücks Neusser Stadtgeschichte geht, handelt er auch über die Grenzen „seines“ kleinen Schlicherum hinaus: Dank Dr. Albert Wunsch konnten jetzt aus einem Kellerraum der ehemaligen Schrauben- und Mutternfabrik Bauer & Schaurte Maschinenteile, Werkzeuge und mehr sichergestellt werden. Von Rolf Retzlaff

Dr. Wunsch hatte den Niedergang der weltbekannten Neusser Firma aufmerksam verfolgt, schließlich wurden hier die INBUS®- und VERBUS-Schrauben erfunden und hergestellt. 2016 erwarb die BEMA Property GmbH das am Hauptbahnhof gelegene Grundstück, der Abriss wurde beschlossen. Im Dezember des selben Jahres stellte Wunsch einen Antrag an den Landschaftsverband Rheinland, das Hauptverwaltungsgebäude an der Further unter Denkmalschutz zu stellen. Aufgrund dieses Antrags an die Denkmalschutzbehörde ist der LVR überhaupt auf den geplanten Abriss des B& S-Geländes aufmerksam geworden und hat daraufhin einige Bauteile als erhaltenswürdig herausgestellt (zum Beispiel die Fassade des Verwaltungsgebäudes und eine der alten Hallen). Denkmalschutz besteht jedoch nicht. „Es muss etwas von der Weltfirma erhalten bleiben“, fordert Wunsch. Bei einer Begehung entdeckte er dann einen Kellerraum, in dem zahlreiche Schätzchen schlummerten. Wunsch – Mann der Tat – fragte beim Berufsbildungszentrum Schlicherum nach, ob sie Lust auf ein ganz besonderes Projekt hätten. Und so rückten jetzt BFZ-Mitarbeiter aus den Fachbereichen Lager/Logistik und der Metallwerkstatt auf dem Gelände neben dem Bahnhof an. Sie schleppten Schrauben und Gerätschaften aus dem dunklen Kellerraum ans Tageslicht. Mit einem randvollen Anhänger ging es zurück nach Schlicherum. „Hier wird das Material gesichtet, gelagert und dokumentiert“, erklärt René Weck, Ausbilder für den Bereich Lager/Logistik, „für unsere Mitarbeiter ist das ein spannendes Projekt.“

Spannend fand auch Johannes Schmitz, CDU-Politiker im Stadtrat und im Kulturausschuss, diese Aktion. Er hatte auf Anfrage von Dr. Wunsch den Kontakt zur BEMA Propoerty GmbH hergestellt und ließ sich die Bergung alter Schätzchen nicht entgehen: „Ich freue mich über die Sicherung dieser historischen Güter.“ Und auch BEMA-Projektleiter Andree de Leve lobte die Aktion: „Vielleicht können wir das eine oder andere Stück bei unserer Planung berücksichtigen.“ So hatten die BFZ-Mitarbeiter unter anderem auch eine alte Werksuhr demontiert – die wäre ein schöner Blickfang im neuen INBUS®VIERTEL. Dr. Wunsch denkt über eine Versteigerungsaktion einiger Fundstücke nach: „Damit könnte man eine Vitrine finanzieren, in der Bauer & Schaurte-Relikte ausgestellt werden könnten.“ Jetzt hofft der Südstädter auf Unterstützung aus Politik und Verwaltung.

Übrigens: Der Kellerraum entpuppte sich als Archiv für geprüfte Schrauben, die in Unmengen gleichgroßer Kartons dort lagerten. „Ich habe einige Schachteln geöffnet und in jeder einen individuellen Prüfbericht gefunden“, so Wunsch. Ein schönes Stück Zeitgeschichte, das ohne den engagierten Bürger wohl unter Bauschutt begraben worden wäre.

Rolf Retzlaff

(Kurier-Verlag)