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Wie viele Tiere getötet wurden
Zum Abschuss freigegeben: Tierschützer planen Verein zum Schutz von Nutrias

Zum Abschuss freigegeben: Tierschützer planen Verein zum Schutz von Nutrias
Niedlich, aber schädlich. Vielen Bürgern ist die Jagd auf Nutrias ein Dorn im Auge. FOTO: Fotos: Sabine Westermann
Neuss. Sie sind niedlich, sozial und exotisch, richten aber auch immense Schäden in der Natur an. Kaum ein Tier sorgt für soviel Zündstoff wie die Nutria. Im Februar wurde zuletzt Jagd auf die "Schädlinge" gemacht. Tierschützer wollen jetzt einen Verein zum Schutz der Nutria gründen. Von Violetta Buciak

"Ich kann gar nicht nachvollziehen, dass die Sumpfbiber so einen schlechten Ruf haben. Sie sind doch total putzig und tun keinem was zu Leide", sagt Thomas Schwarz, Bundes- und Landesvorsitzender der Partei für Tierschutz, kurz Tierschutzliste. Bei einem Ortstermin filmte der Neusser eine einzelne Nutria und befürchtet, dass es die letzte verbliebene im Stadtgarten ist. Seine Partei ruft deshalb zur Gründung der "Neusser Nutria-Freunde e.V." auf.

Wie viele der aus Südamerika stammenden Nagetiere tatsächlich noch in Neuss weilen, lässt sich laut Pressesprecher Michael Kloppenburg nur schätzen. "Wir gehen von 50 bis 80 Tieren aus. Zehn Tiere wurden jetzt entnommen", erklärt Kloppenburg.

Aber warum müssen die friedlichen Nutrias überhaupt gejagt werden? Henrike Mölleken, Leiterin des Amtes für Umwelt und Stadtgrün begründet im jüngsten Umweltausschuss: "Die Maßnahme wurde aufgrund festgestellter Schäden sowohl am Gehölzbestand als auch an Böschungsprofilen der Gewässer notwendig. An vielen Stellen sind an Bäumen und Sträuchern deutliche Fraßschäden entdeckt worden, die sowohl durch Kaninchen als auch

Nutrias verursacht wurden. Diese sind zum Teil so gravierend, dass die dauerhafte Erhaltung der Bestände gefährdet ist", so die Expertin. Von Seiten der Stadt Neuss seien begleitend zur Bejagung bereits verschiedene Maßnahmen ergriffen worden, um das Problem in den Griff zu bekommen. Ohne nennenswerten Erfolg. Und eine sanftere Methode, wie zum Beispiel das Einfangen, Sterilisieren und Wiederaussetzen von Tieren, schließt die Verwaltung aus. "Das würde die falsch verstandene Tierliebe lediglich bestätigen und auch nicht dazu beitragen, die Schädigung des Pflanzenbestandes in den Grünanlagen wirkungsvoll einzudämmen", erklärt Mölleken. Für Tierschützer Schwarz kein Argument, weiterhin Jagd auf die Sumpfbiber zu machen. Er ruft Gleichgesinnte zum Protest auf.

Wer Gründungsmitglied der "Nutria-Freunde Neuss" werden möchte, nimmt Kontakt auf unter: thomas.schwarz@tierschutzliste.org.

 

(Kurier-Verlag)