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Märkte in Gefahr+++Bürgermeisterin schreibt Brandbrief
Das Aus für verkaufsoffene Sonntage in der Kaarster City?

Märkte in Gefahr+++Bürgermeisterin schreibt Brandbrief: Das Aus für verkaufsoffene Sonntage in der Kaarster City?
Sollte die ISG aufgelöst werden, könnten Veranstaltungen wie der Weihnachtsmarkt kaum noch finanziert werden. FOTO: Foto: Retz
Kaarst. Tausende Menschen besuchen alljährlich den Ostermarkt, Maimarkt, Nachtbummel und Weihnachtsmarkt "Sternstunden" – Veranstaltungen, die für eine lebendige Innenstadt sorgen und nur im Zusammenspiel von Stadt, Werbegemeinschaft Rathaus-Arkaden und Immobilien- und Standortgemeinschaft (ISG) Kaarst-Mitte möglich gemacht werden. Doch jetzt steht die ISG vor dem Aus – und damit auch die beliebten Events in der City. Bürgermeisterin Dr. Ulrike Nienhaus will mit einem Brandbrief das Ruder rumreißen. Von Rolf Retzlaff

Seit einem Jahr leitet Astrid Panitz die ISG, den Zusammenschluss von Geschäftsinhabern, Gewerbetreibenden, Selbstständigen und Immobilieneigentümern in der Kaarster Innenstadt. Doch bei der Jahreshauptversammlung am 5. März wird sie nicht mehr antreten, auch stehen die Beisitzerinnen Claudia Op't Eynde und Beate Hömberg nicht mehr zur Wahl. "Ich bin unglücklich über diese Situation, aber wenn sie nicht eskaliert, wird wahrscheinlich gar nichts passieren", so Panitz, "zu wenig Einzelhändler wollen die ISG unterstützen." Rund 38 Mitglieder zähle der Verein – und das bei mehr als 150 Gewerbetreibenden in der Innenstadt. Zudem sieht Panitz die Konstellation zweier Werbegemeinschaften in der City als unglücklich an: "Da muss ein neues Konzept her!" Und weiter: "Den Einzelhändlern muss klar sein, dass ohne die Werbegemeinschaften mittelfristig in der City nichts los sein wird."

Das sieht auch Heinz Wirnsberger, Vorsitzender der Werbegemeinschaft Rathaus-Arkaden, so: "Die Veranstaltungen wie Oster-, Mai- und Weihnachtsmarkt mit den dazugehörigen verkaufsoffenen Sonntagen können nicht allein von uns und der Stadt finanziert werden." Einige der rund 30 Geschäftsleute in der Mall seien Mitglied in der Werbegemeinschaft Rathaus-Arkaden und zusätzlich in der ISG. Zudem veranstalten die Händler im Einkaufscenter zahlreiche eigene Aktionen "und die bringen Leben in die gesamte Stadtmitte", so Wirnsberger.

Astrid Panitz legt den ISG-Vorsitz nieder. FOTO: laff

Auch Bürgermeisterin Dr. Ulrike Nienhaus weiß um die Tragweite, sollte sich die ISG auflösen: "Das Leben in der Kaarster Mitte würde sich rückentwickeln, die Umsätze der Einzelhändler könnten sich dadurch verringern mit Auswirkungen auf den Fortbestand. Ein so genannter Trading-Down-Effekt könnte die Folge sein", formuliert sie in einem Schreiben an alle Einzelhändler und Immobilieneigentümer in der Kaarster Innenstadt, "bei einer etwaigen Auflösung der ISG würde die Innenstadt einen der wichtigsten Akteure und ein Sprachrohr des Einzelhandels verlieren."

Neben Marketingaktionen und Märkten führt die Stadtchefin ISG-Erfolge wie Weihnachtsbeleuchtung, Parkraumkonzepte und die Mitarbeit beim Integrierten Entwicklungs- und Handlungskonzept (IEHK) an. Im Rahmen dessen könnte die ISG in den nächsten fünf Jahren öffentliche Gelder aus einem Verfügungsfonds schöpfen. "Doch vorher müssen die Einzelhändler erst mal 10.000 Euro pro Jahr an Mitteln aufbringen, um vom Bund nochmals die gleiche Summe als Förderbetrag zu erhalten", kritisiert Panitz.

Bürgermeisterin Nienhaus versucht noch einmal, alle Einzelhändler und Grundstückseigentümer in der Kaarster Innenstadt zu motivieren: "Nehmen Sie am Montag, 5. März, um 19.15 Uhr an der Jahreshauptversammlung der ISG Kaarst-Mitte im VHS-Gebäude teil. Arbeiten Sie gemeinsam mit der Stadt Kaarst an einer erfolgreichen und belebten Innenstadt."

(Kurier-Verlag)