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Freibier für Parteibeitritt: Nutzt Junge Union Partygäste aus?

Freibier für Parteibeitritt: Nutzt Junge Union Partygäste aus?
Lukas Zipper, Abiturient am Albert-Einstein-Gymnasium, soll Freibier für einen Parteibeitritt abgelehnt haben. FOTO: Hanna Loll
Kaarst. Party, Musik, gute Stimmung und Alkohol: Bei den Jugendlichen und jungen Erwachsenen kommt die "Karneval Total"-Party der Jungen Union (JU) Kaarst bestens an. Dass sich die ausgelassene Stimmung der Partygäste gut eignet, um auf Nachwuchssuche zu gehen, fanden angeblich die Mitglieder der politischen Jugendorganisation – und sollen Freibier für eine Unterschrift geboten haben... Von Hanna Loll

Am vergangenen Samstagabend hatte die JU Kaarst zu ihrer "Karneval Total"-Party ins Albert-Einstein-Forum eingeladen. Ein DJ legte Musik auf, für ausreichend Getränke war gesorgt und schnell war die Veranstaltung gut gefüllt. Für die JU scheinbar ideale Bedingungen, um neue Mitglieder zu gewinnen – so die Vorwürfe. Partygast Lukas Zipper (18) erzählt: "Schon bei der Einlasskontrolle wurde ich gebeten, kurz zu warten. Hinter der Theke holte ein JU-Mitglied einen Zettel mit einer Beitrittserklärung hervor und forderte mich auf, zu unterschreiben. Für meine Unterschrift bot er mir zwei Freibier an. Ich habe abgelehnt." Philipp Glinski (19), der die Party gemeinsam mit Zipper besuchte und die zweifelhafte Mitgliedswerbung beobachtet haben soll, ergänzt: "Die waren richtig aufdringlich und haben ihn sogar festgehalten. Darf man so etwas überhaupt?"

Fakt ist: Eine solche Form der Rekrutierung neuer Mitglieder ist zwar moralisch umstritten, rechtlich jedoch nicht angreifbar. In einer Pressemitteilung vom 30. Januar formulierte die JU Kaarst "das Hinzugewinnen neuer Mitglieder" als eines der Hauptziele für 2016. Dafür sollten unter anderem Präsenz an Kaarster Schulen und Events wie die Karnevalsparty, die die JU ausrichtet, in den Fokus der Mitglieder rücken.

Ratsherr Lars Christoph (CDU) äußert sich zu den Vorwürfen: "Mir ist davon nichts bekannt. So eine Mitgliederwerbung wäre natürlich nicht vorgesehen und gehört nicht zur allgemeinen Linie." Er gibt zu bedenken: "Manchmal wirkt es so oder politisch anders Orientierte verbreiten diese Vorwürfe. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das stimmt." Das bestätigt auch Sven Ladeck, Vorsitzender der JU Kaarst. "Solche Vorwürfe waren bei uns schon mehrfach Thema, denn diese Vorgehensweise wurde uns schon öfter aus anderen politischen Lagern unterstellt. Als Vorsitzender stehe ich dafür ein, dass die JU so nicht handelt", versichert Ladeck, dass er die JU-Mitglieder angewiesen habe, von solchen Mitteln Abstand zu nehmen. "Weder bei der Karnevalsparty am Samstag noch sonst in der Vergangenheit haben wir auf diese Art Mitglieder angeworben."

Als Ansprechpartner für Kaarst nimmt auch Kolja Fußbahn von den Jusos Kaarst-Korschenbroich, der Jugendorganisation der SPD, Stellung zu den Anschuldigungen: "Ich habe schon öfter von solchen Aktionen der Jungen Union gehört, so zum Beispiel Bierdeckel, auf deren Rückseite man seine Daten eintragen konnte und die als Mitgliedsantrag gelten sollten oder dass sie kurz vor den Abiturprüfungen an den Schulen gratis Pizza verteilen. In meinen Augen sind das billige Tricks und das finde ich schade. Interessant ist auch, dass die JU immer mit einer Vielzahl an Mitgliedern wirbt – diejenigen, die sich engagieren, sind aber immer die gleichen..."