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Gefährlich: Brücke modert vor sich hin

Gefährlich: Brücke modert vor sich hin
An dieser Sache ist wahrhaftig was faul: Der Stützpfeiler der Brücke wirkt alles andere als vertrauenserweckend. FOTO: Fotos (2): Rolf Retzlaff
Kaarst. Josef Karis ist stinksauer: „Wenn hier was passiert, lehnen wir jegliche Verantwortung ab!“ Der Vorsitzende des Bau- und Umweltausschusses ärgert sich, dass die stark frequentierte Fußgänger- und Radfahrerbrücke an der Erftstraße weiter vor sich hin modert - dabei sollte sie eigentlich schon Mitte des Jahres abgerissen und neu gebaut worden sein. Von Rolf Retzlaff

Eigentlich sind sich Politik und Verwaltung einig: Die Brücke über den Nordkanal fault an allen Ecken, eine Erneuerung ist unumgänglich. Doch in Sachen Dringlichkeit scheinen die Meinungen auseinander zu gehen. Bereits Anfang des Jahres hatte der Bau- und Umweltausschuss festgestellt, dass der Übergang nicht mehr sicher sei und Ersatz geschaffen werden müsse. „Bis zum Sommer sollte das auch erledigt sein“, so Karis. Die Verwaltung hatte die Kosten auf rund 165.000 Euro geschätzt. Nach einer genaueren Ermittlung durch ein Architekturbüro musste noch einmal um 50.000 Euro nach oben korrigiert werden. „Zu teuer“, befand der Haupt- und Finanzausschuss und beauftragte die Verwaltung, Angebote für eine günstigere Systembrücke einzuholen. Damit würde auch auf die besondere Optik der Brücke verzichtet werden: Der Bau- und Umweltausschuss wollte die Achse zwischen Holzbüttgen und Kaarst eigentlich möglichst ansprechend gestalten.

Die Verwaltung steht in den Startlöchern, muss aber auf den Auftrag durch die Politik warten. „Wahrscheinlich können wir erst nach der Frostperiode im Februar oder März etwas unternehmen“, sagt die Technische Beigeordnete Sigrid Burkhart. Auch sie weiß: „Die Brücke ist dringendst sanierungsbedürftig.“ Der Baubetriebshof habe die Brücke in ständiger Beobachtung, ein Brückenstatiker werde in den nächsten Tagen Untersuchungen vornehmen. Burkhart: „Gegebenenfalls müssen wir ergänzende Stützen provisorisch anbringen.“

Josef Karis schlägt eine schnellere Lösung vor: „Beim Technischen Hilfswerk eine Notbrücke ausleihen und dann die neue Brücke bauen!“ Er hält es für unverantwortlich, dass die marode Brücke aus Kostengründen noch immer steht. „Vielleicht hätte man die 150.000 Euro für die Aussichtsplattform an der Ohrenbrücke für eine neue Brücke an der Erftstraße ausgeben können. Von hier aus hat man auch einen schönen Ausblick auf den Nordkanal“, so Karis.

Wie es mit der Brücke weiter geht, wird am 18. November im Bau- und Umweltausschuss sowie am 26. November im Hauptausschuss beraten.

(Kurier-Verlag)