| 10.00 Uhr

Kaarster helfen den Brandopfern Nach Feuer an der Martinusstraße wird Welle der Hilfsbereitschaft ausgelöst

Kaarster helfen den Brandopfern Nach Feuer an der Martinusstraße wird Welle der Hilfsbereitschaft ausgelöst
Ruth Lennartz, Sebastian Schneider und Hund Bilbo vor dem Brandhaus: Zurzeit wohnen sie bei den Eltern des jungen Mannes. Von der Spendenbereitschaft der Kaarster sind sie überwältigt. FOTO: Fotos (2): Rolf Retzlaff
Kaarst. ie stehen mitten in der Nacht auf der Straße, sehen zu, wie die Flammen aus den Wohnungsfenstern schlagen und haben das Gefühl, alles verloren zu haben: So erging es Ruth Lennartz (26) und Sebastian Schneider (24), als in der Nacht von Samstag auf Sonntag in dem Mehrfamilienhaus an der Martinusstraße ein Feuer ausgebrochen war. Ein traumatisches Erlebnis, doch die Hilfsbereitschaft zahlreicher Kaarster macht den Blick in die Zukunft für das junge Paar etwas leichter. Von Rolf Retzlaff

Ausgelöst wurde die Welle der Hilfsbereitschaft von Andrea Schröder. Sie kannte die beiden von dem Brand betroffenen Parteien bis dahin nur flüchtig – helfen wollte sie trotzdem: „Ich habe mitbekommen, dass die Kaarster sehr viel für Flüchtlinge spenden – warum nicht auch für Kaarster?“ Ein Facebook-Aufruf war erfolgreich: jede Menge Sachspenden – von Kleidung bis Möbel –, aber auch Geldspenden gingen bei der engagierten Kaarsterin ein. „Wildfremde Menschen haben gespendet“, freut sich Schröder, „ein junges Mädchen ist sogar dreimal mit dem Rad gekommen, weil sie nicht alle Spenden auf einmal transportieren konnte.“ Die Kleiderkammer St. Martinus hat beide Familien eingeladen, sich bei ihnen kostenlos einzukleiden und selbst die Kleiderkammer in Jüchen hat sich bei den Brandopfern gemeldet. Ein besonders rührender Augenblick voller Mitgefühl: Als Ruth Lennartz in der Bandnacht verzweifelt und ohne Schuhe vor dem brennenden Haus stand, brachte ihr eine Anwohnerin ein Paar Strümpfe.

Ruth Lennartz und Sebastian Schneider sind sichtlich gerührt angesichts der tollen Hilfsbereitschaft. Ihre Wohnung im Obergeschoss ist nicht bewohnbar, alles stinkt nach Qualm, Ruß liegt auf Decken und Wänden. Der Brandherd befand sich in der Wohnung unter ihnen; die dort lebende Dame ist noch nicht in der Lage, an die Öffentlichkeit zu treten. Zu sehr belastet sie das grauenhafte Erlebnis, beinahe Opfer der Flammen geworden zu sein. Ihre beiden Hunde blieben in der Wohnung zurück, starben dort in Rauch und Feuer. Für die beiden Nachbarn im Obergeschoss ist sie „unsere Lebensretterin. Wenn sie nicht so geistesgegenwärtig gewesen wäre, uns durch Klingeln zu wecken, wäre unsere Wohnung fünf Minuten später voller Rauch gewesen und wir hätten es vielleicht nicht mehr raus geschafft“, so Ruth Lennartz. Was jetzt aus ihrer verqualmten Wohnung noch zu retten ist, bleibt abzuwarten, die Wohnung im zweiten Obergeschoss ist allerdings komplett ausgebrannt.

Andrea Schröder hat nach der tollen Resonanz die Sammelaktion vorerst gestoppt, es mangelt einfach an Lagermöglichkeiten. Im Büro von Erdmann Gartenbau an der Martinusstraße 55 hält sie allerdings einen Spendentopf bereit – der kann auch weiterhin gefüllt werden. „Und bestimmt wird demnächst wieder Hilfe benötigt, wenn feststeht, welche Dinge neu angeschafft werden müssen oder die Entrümpelung ansteht“, weiß Schröder. Der Kaarster Extra-Tipp wird am Ball bleiben.

Rolf Retzlaff

(Kurier-Verlag)