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Wie bei Erdogan und Trump
Bürgermeister will Chefredakteur sein

Bürgermeister will Chefredakteur sein
Seine Ehefrau und unser Bürgermeister müssen manchmal erbrechen, wenn sie die heimische Zeitungen lesen. Deren Journalisten dürfen nicht, wie anderswo üblich, im Stadtrat die Politiker bei ihren Reden fotografieren. FOTO: Frank Möll
Neuss. Ich war neulich mit unserem Bürgermeister Reiner Breuer einen Döner essen. Habe ihm gesagt, dass ich auch gerne Bürgermeister wäre. Ein schöner Job, die Leute jubeln dir zu, schleimen sich ein. Die Amtskette schmückt. Er lachte und bestätigte, dass er sehr gerne zur Arbeit geht. Jetzt habe ich herausgefunden, dass er zusätzlich auch meinen Job haben möchte. Ich gönne es ihm. Doch eigentlich geht Demokratie anders... Von Frank Möll

Erdogan, Trump und Putin finden die freien Medien doof. Und weil ja heute jeder jeden Nazi nennen darf: Hitler hat die Presse gleichgeschaltet. Mit Hilfe von Joseph Goebbels, der oft die Neusser Marienkirche besucht hat. Nebenan wohnt Bürgermeister Reiner Breuer mit seiner Frau Ute. Beide finden den Stadt-Kurier mitunter zum Erbrechen, kritisieren aber auch die NGZ gelegentlich, wenn von denen keiner zuhört, während die Breuers aus der privaten Tasche Facebook ein paar Euronen bezahlen, damit eine WDR-Abfeierung besser im Netz verbreitet wird.

Nochmal zu Hitler: Niemand darf mit diesem Unmenschen verglichen werden. Berlusconi darf Kanzlerkandidat Schulz nicht SS-Mann nennen, Erdogan darf der CDU- und SPD-geführte Bundesregierung nicht Nazi-Methoden unterstellen. Was sind Nazi-Methoden? Autobahnbauen? Badenweiler Marsch (Hitlers Lieblingsstück) aufm Markt bei der Parade hören? Türkischen Ministern das Reden und Versammlungsrecht in Deutschland verbieten? Medien runterputzen und eine eigene Zeitung auf Kosten der Steuerzahler herausbringen? Die Opposition hatte Reiner Breuer mit Erdogan verglichen, der fälschlicherweise Türken-Hitler genannt wird.

Nein, es sind alles keine Nazi-Methoden. Nur weil Hitler und Goebbels es auch so machten, ist Reiner Breuer kein Nazi, kein Goebbels. Und das sage ich auch so klar, weil auch Reiner Breuer sagt, dass die heimischen Medienvertreter keine Faschisten, keine Rassisten sind, obwohl dies einige seiner Fraktionsmitglieder immer wieder dreckig behaupten.

So, wie die meisten Machthaber der Welt, hat jetzt also auch Reiner Breuer eine staatlich finanzierte Zeitung. Juristen finden dass "hochbedenklich". Einige Ratsmitglieder schalten die Aufsicht ein, lassen das, was der Bürgermeister tut, rechtlich prüfen.

Das DDR-Unrechtsregime war mit dem "Neuen Deutschland" sehr zufrieden, berichtete das Organ ja ähnlich wie die Prawda in Moskau nur positiv über das Politbüro und deren Errungenschaften. Was war der Effekt? Erich Honecker hat selbst daran geglaubt, dass die DDR zu den wirtschaftlich stärksten zehn Ländern der Welt gehörte und sein Staat blüht. In seiner Waldsiedlung Wandlitz hatte er es ja auch gut, und die Häuserfassaden, die seine tägliche Fahrtstrecke zum Palast der Republik umsäumten, waren immer frisch getüncht. Dass Presseämter und Büroreferentinnen ihren Chefs gerne Potemkinsche Fake-Dörfer bauen, ist für den Chef selbst nicht gut. Dann kann es sein, dass er aufrichtig glaubt, dass sein Rathaus nicht mehr korrupt ist. Im Stadt-Kurier hatte Breuer mit Wahlwerbung die Korruption seiner Verwaltung deutlich angeprangert. Auch das war boulevardesk.

Ein Produkt der SPD-gesteuerten Lügengenpresse (Fake) ist der Artikel, vom Herausgeber und de-facto-Chefredakteur Reiner Breuer in "Neusspublic" abgesegnet, der frech behauptet, dass es in Neuss genügend Kindergartenplätze gibt. Das Gegenteil ist der Fall. Bei den echten, vom Polit-Rathaus ungesteuerten Medien ist zu lesen, dass täglich junge Menschen für ihre Kinder verzweifelt nach Kindergärten (und Kinderärzten und Hebammen) suchen und im ach so kinderfreundlichen Neuss mit den höchsten Freibad-Eintritspreisen der Region keinen Platz finden. Wie müssen sich die Bürger fühlen, wenn Reiner Breuers Blatt behauptet, dass sie lügen?

Die Neuss-Grevenbroicher Zeitung berichtet wahrheitsgemäß, dass Ausländer ihre Krankenhausrechnungen nicht bezahlen und die Kliniken damit ein großes finanzielles Problem haben. Der Stadt-Kurier berichtet, dass im Schwimmbad eine Hühnchen-Wurst die Schweine-Currywurst ablöst und auch in der städtischen Schulmensa fast kein Schweinefleisch mehr angeboten wird - auch weil die Zahl der Muslime, die darauf verzichten, steigt. Breuer gefällt´s nicht. Aber sind die Journalisten, die auch darüber berichten, unredlich? Die SPD soll jetzt den Staatsanwalt eingeschaltet haben.

 

(Kurier-Verlag)