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Die „KlangKönner“ bringen das Laserschwert zum Surren Nordstädter ist Experte für Geräusche und Filmmusik

Die „KlangKönner“ bringen das Laserschwert zum Surren Nordstädter ist Experte für Geräusche und Filmmusik
Patrick Arnold und Philipp Reimann (v.l.) im Tonstudio: Hier drücken sie dem Film mit Sound und Geräuschen ihren Stempel auf. FOTO: Fotos (2): Rolf Retzlaff
Nordstadt/Düsseldorf. Sie wirken im Hintergrund, ihre Namen treten gerade mal im Abspann eines Films in Erscheinung – und dennoch prägen sie den Streifen: Der Nordstädter Patrick Arnold (26) und sein Partner Philipp Reimann (25) wollen mit ihrem Unternehmen für Komposition und Sounddesign durchstarten. Unterstützt werden sie mit einem Gründerstipendium des Mediengründerzentrums NRW. Von Rolf Retzlaff

Ihr Konzept ist außergewöhnlich: Unter dem Label "KlangKönner" bieten die beiden "Bachelors of Music" eine Rundumvertonung für Filme, Computerspiele, Apps, Animationsfilme und Hörspiele. Ihre Arbeit beginnt dann, wenn die Schauspieler und Spieleentwickler sich bereits entspannt zurücklehnen können: Sie sind die "Geräusche-Gestalter", sorgen für die profanen Klänge wie das Ästeknacken beim Spaziergang oder das Niesen eines Darstellers. Aber auch die Hintergrundmusik liegt in ihren Händen. Das Kreativ-Duo hat gemeinsam "Musik und Medien" an der Robert-Schumann-Hochschule in Düsseldorf studiert. Ihre Bachelor-Arbeit haben die Studienkollegen gemeinsam geschrieben. Thema war die Nutzung des 3D-Sounds zum Beispiel bei Virtual-Reality-Spielen. Im Düsseldorfer Institut sowie in der Neusser Nordstadt entstehen zurzeit die Vertonungen, in einigen Wochen werden die "KlangKönner" ein eigenes Studio in der Landeshauptstadt beziehen.

"Unsere Aufgabe ist es, durch Musik und Hintergrundgeräusche die Geschichte bestmöglich zu unterstützen", sagt Patrick Arnold. Er weiß – ein stilles Zimmer ist nicht wirklich still: "Selbst die absolute Stille hat ein Eigenrauschen." Auch muss das Kreativ-Kollektiv entscheiden, welche Sounds platziert werden: "Oft hört man im Film auch das, was man nicht sieht", erklärt Arnold. Ganz wichtig ist die Hintergrundmusik, mit der die Soundmacher die Atmosphäre prägen. "Ein gutes Beispiel ist ,Der weiße Hai'", sagt Reimann; dieser Streifen sei in der Vorabaufführung ohne Musik gezeigt und von der Kritik verrissen worden. Als dann die legendäre Musik hinterlegt wurde, entwickelte sich der Film zum absoluten Renner.

Ob die "KlangKönner" demnächst auch solch einen "Hit" landen werden? Sie komponieren die Filmmusik, spielen die meisten Instrumente selbst ein. Ein wenig Starappeal erlebten sie auf der Berlinale. Ihr Film "Kielholen" schaffte es zwar nicht bis in die Endrunde, aber immerhin wurden sie zum Empfang des "Filmzirkus" in die Bundeshauptstadt eingeladen.

Dafür hat es in Paris geklappt: Hier holten sie sich beim Audio Engineering Society Award Gold für die Vertonung des Animationsfilms "Journey" und setzten sich damit gegen die Konkurrenz aus Asien und Südamerika durch. Ob die beiden dort auch ein paar Geräusch-Anregungen mitgenommen haben? "Man ertappt sich oft dabei, wie man in die Umgebung reinhört", ist Arnold ein Soundsammler, der selten so richtig abschalten kann. Konkrete Lieblingsgeräusche haben die "KlangKönner" nicht, aber Filme wie "Star Wars" einmal vertonen zu dürfen – das wäre ein großes Ziel. Ob's irgendwann mal mit dem wirklich großen Kino klappt? Wie auch immer – Arnold ist bereits jetzt zufrieden, "tagtäglich mit dem kreativ sein zu dürfen, was einem wirklich Spaß macht und damit auch noch sein Geld verdienen zu können." Das wird Peter Groß ganz besonders freuen; der ehemalige Leiter der Bigband des Marie-Curie-Gymnasiums hatte Patrick Arnold in seiner Schulzeit unter seine musikalischen Fittiche genommen. Seit einigen Jahren sitzt Arnold bei der Formation "Pat Jazz" am Klavier.

Aber wer weiß: Vielleicht lauschen Peter Groß und Millionen begeisterte Kinogänger ja irgendwann mal in einem Blockbuster dem Sound und der Musik der "KlangKönner". Das typische "Wooaoao" des Laserschwerts haben sie bereits unterbringen können – allerdings "nur" in einem Animationsfilm, aber sie sind ja gerade erst aufgebrochen zur Reise "in unbekannte Sternensysteme"...

Rolf Retzlaff

(Kurier-Verlag)