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Eltern geben Hoffnung auf sechsten Zug am Norfer Gymnasium nicht auf

Eltern geben Hoffnung auf sechsten Zug am Norfer Gymnasium nicht auf
Keine andere weiterführende Schule in Neuss ist derzeit so begehrt, wie das Norfer Gymnasium. Das Problem: Nicht alle Schüler werden dort angenommen. FOTO: Foto: Violetta Fehse
Norf. Es ist eine Situation, für die viele Eltern kein Verständnis aufbringen. Mit 186 Anmeldungen ist keine weiterführende Schule in Neuss so begehrt wie das Gymnasium Norf. Dennoch wird nicht dort ein weiterer Zug eingerichtet, sondern am Quirinus-Gymnasium, das deutlich schwächere Zahlen verzeichnet (75 Anmeldungen im ersten Durchgang). Von Violetta Fehse

42 Schüler haben eine Absage für das Norfer Gymnasium erteilt bekommen. "In einem Fall wohnt ein Kind nur 300 Meter von der Schule entfernt, muss aber jetzt 60 Minuten mit dem Bus zum Quirinus-Gymnasium zurücklegen", ärgert sich Schulpflegschaftsvorsitzender Hans-Peter Becker.

Er und Mike Heeb, Vorsitzender des Fördervereins Gymnasium Norf, geben die Hoffnung auf einen sechsten Zug am Gymnasium Norf nicht auf. Denn die Kapazitäten seien da und der Bedarf sowieso. "Ein Aspekt, der in der öffentlichen Diskussion bisher nicht zur Sprache kam, ist die hohe Anzahl der Schüler mit Förderbedarf", so Heeb.

Allein für das kommende Schuljahr seien sieben Inklusionskinder aufgenommen worden. 20 weitere werden bereits am Gymnasium Norf unterrichtet. "Ziel ist es, diese Schüler in möglichst kleinen Klassen zu unterrichten. Das wäre unter den aktuellen Bedingungen überhaupt nicht machbar", weiß der Schulpflegschaftsvorsitzende. Und die hohen Anmeldezahlen werden sich laut Becker und Heeb weiter fortsetzen. "Die Ortsteile im Neusser Süden wachsen. Schon jetzt machen sich Eltern von Drittklässlern Sorgen, ob ihre Kinder in zwei Jahren einen Platz am Gymnasium Norf bekommen werden", sagt Heeb.

Ein Thema, das auch in der Politik rege diskutiert wird. "In dieser Sache haben wir aber keinen Einfluss", merkt Stephanie Wellens, schulpolitische Sprecherin der CDU, an und erklärt gleichzeitig, weshalb der Verwaltung gar nichts anderes übrig blieb, als dem Quirinus-Gymnasium den weiteren Zug zu gewähren. "Da nach dem ersten Anmeldeverfahren nur noch vier Auswahlmöglichkeiten für die Eltern zur Verfügung standen – das Quirinus-Gymnasium, die Comenius-Gesamtschule, die Sekundarschule und die Realschule Holzheim –, wählte die größte Zahl der abgewiesenen Eltern natürlich das Gymnasium, um zumindest die gewünschte Schulform zu bekommen. Und so wurde dann dort dem weiteren Zug stattgegeben. Dieses Verfahren klingt kompliziert, aber das schreibt uns das Schulrecht vor", so Wellens.

Klingt so, als gäbe es keine Chancen für einen weiteren Zug in Norf. Das bestätigt auch Peter Fischer, Pressesprecher der Stadt Neuss: "Der Schulträger muss stets die gesamtstädtische Situation beachten und kann nicht ohne weiteres die Schulen in Abhängigkeit von der jährlichen Schulwahl zum Beispiel baulich anpassen, wenn an anderen Schulen noch Kapazitäten frei sind. Auch bei einer Einrichtung eines sechsten Zuges am Gymnasium Norf hätten im Übrigen nicht alle dort angemeldeten Schüler aufgenommen werden können." Keine guten Nachrichten für die betroffenen Eltern. "Das ist alles andere bürgernah", sagt Becker.

 

(Kurier-Verlag)