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Furth: Beide Kinder und Frau getötet
Fallah Sänger hat keine ruhige Minute - es soll eine neue Spur geben: Die Türkei!

Furth: Beide Kinder und Frau getötet: Fallah Sänger hat keine ruhige Minute - es soll eine neue Spur geben: Die Türkei!
Fallah Sänger wurde im Irak offenbar bedroht. Laut Insidern soll er sich deshalb wieder in der Türkei befinden. FOTO: Polizei
Neusserfurth. Es ist über zwei Jahre her, dass auf der Furth für einen Moment der Atem stillstand. Das dreifache Tötungsdelikt an Saskia Sänger und ihren beiden kleinen und unschuldigen Kindern Samara (8) und Ismael (4) schockierte ganz Neuss. Der mutmaßliche Täter ist der Familienvater Fallah Sänger, der sich sofort nach der Tat in sein Heimatland Irak absetzte. Für die Staatsanwaltschaft Düsseldorf eine Katastrophe. Ihr waren seitdem die Hände gebunden, ein Fassen des mutmaßlichen Täters unmöglich. Jetzt gibt es eine interessante Wendung. Von Violetta Buciak und Frank Möll

Es gibt Morde, die lassen die Ermittler nie los. Gute Kriminalbeamte und Fahnder setzen beharrlich alles daran, dass die schlimmsten Gewaltverbrechen aufgeklärt, die brutalsten Täter gefasst werden. Echte Jäger lassen nie locker. Einer davon ist der ehemalige erste Kriminalhauptkommissar Jürgen Brockmeyer. Er hat einmal Angehörigen versprochen, die Akten niemals zu schließen. Auch nicht Jahre nach der Tat. Auch jetzt nicht, wo er in Rente ist. Die meisten bekannten Morde werden aufgedeckt. Viele Taten werden aber nie entdeckt.

Mörder dürfen sich nie sicher sein. Sie finden keine Ruhe. Müssen jeden Tag mit der Festnahme rechnen.

Dem Stadt-Kurier gegenüber gab ein anderer Insider den Hinweis, dass Fallah Sänger inzwischen wieder aus dem Irak in die Türkei geflüchtet sein soll. Zuvor soll der inzwischen 37-Jährige in einer Hotelküche in seiner Heimatstadt Kirkuk gearbeitet haben. Dort soll Sänger aber keine Ruhe gehabt haben. Seine Landsmänner waren ihm auf der Spur, waren drauf und dran, den mutmaßlichen Mörder zur Rechenschaft zu ziehen.

Ein kurdischer Geschäftsmann aus Neuss verfolgte die Jagd auf Sänger im Internet. "Die werden ihn sofort hinrichten, wenn er gefasst ist", sagt er. Für seine Tat wäre im Irak die Todesstrafe die einzige Konsequenz. Mittels Facebook und Plakaten fahndeten etliche Iraker nach dem Mann, der mutmaßlich seine Familie ausgemerzt hat. "Zu viel für ihn", wie ein Informant dem Stadt-Kurier gegenüber mitteilte. Sänger soll inzwischen in die Türkei geflüchtet sein. "Davon höre ich zum ersten Mal", so Staatsanwalt Christoph Kumpa. Ihm war durch Medien lediglich bekannt, dass der mutmaßliche Täter sich in seine Heimatstadt Kirkuk absetzte. "Daraufhin haben wir sofort die Deutsche Botschaft eingeschaltet, die prompt die irakischen Behörden informierte. Bis heute haben wir aber keine Rückmeldung", weiß Kumpa. "Sollte Sänger sich in die Türkei abgesetzt haben, dann auf keinen Fall über einen offiziellen Grenzübergang. Da ein internationaler Haftbefehl gegen ihn vorliegt, hätte man ihn längst gefasst", so der Staatsanwalt. Für die Hinterbliebenen ist die Nachricht dennoch ein Hoffnungsschimmer. "Es wäre für uns von Vorteil, wenn der Gesuchte in der Türkei wäre. Von dort aus würde man ihn uns sofort ausliefern – das ist im Irak anders", mutmaßt Kumpa. "Vermutlich hatte Sänger noch seine irakische Staatsangehörigkeit oder er muss sie auf irgendeinem Wege zurückerlangt haben. Nur so erkläre ich mir, warum die irakischen Behörden ihn nicht entlassen", weiß der Staatsanwalt.

Am Nachmittag des 20. August 2012, kurz vorm Schützenfest, hatte der damals 35-jährige Sänger offenbar in einer Wohnung an der Kaarster Straße Frau und Kinder mit einer Pistole erschossen und sich unmittelbar danach über die Türkei in Richtung seiner irakischen Heimatstadt Kirkuk abgesetzt. Zuvor hatte ein Verwandter ihn am Nachmittag in ein Reisebüro begleitet, wo er unter seinem Geburtsnamen Omar ein Ticket buchte. Die Behörden vermuten deshalb, dass er mit seinem irakischen Pass reiste.

Als die Tat entdeckt wurde, war Sänger (Omar) bereits im Flieger auf dem Weg nach Istanbul. Von dort aus reiste er weiter in sein Heimatland und wird bis heute gesucht. Er wird keine Ruhe finden.

(Kurier-Verlag)