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Flexible Kita-Öffnungszeiten: Trotz Beschluss kaum Fortschritte

Flexible Kita-Öffnungszeiten: Trotz Beschluss kaum Fortschritte
Viele Eltern beklagen die unflexiblen Öffnungszeiten in Neusser Kitas. Dennoch tut sich kaum etwas. FOTO: Foto: Jürgen Frey / pixelio.de
Neuss. Bereits vor einem Jahr hat die schwarz-grüne Koalition einen ersten Antrag auf den Weg gebracht. Beschlossen wurde er im November, passiert ist aber so gut wie gar nichts. Und derweil verzweifeln Eltern weiter an den unflexiblen Öffnungszeiten in Neusser Kitas. Von Violetta Buciak

Immer wieder erreichen Thomas Kaumanns Beschwerden von jungen Eltern. Der Spagat zwischen Berufstätigkeit und Familie sei in Neuss kaum zu stemmen. Und trotz beschlossenem Antrag hat sich nicht so viel getan, wie erhofft. Laut Mitteilung der Verwaltung wird eine Umfrage an Eltern extern in Auftrag gegeben und erst im Juni durchgeführt, Ergebnisse lägen dann beim Jugendhilfeausschuss im September vor. Für Thomas Kaumanns nicht schnell genug. "Den Antrag haben wir auch deswegen auf den Weg gebracht, weil wir uns Zuschüsse vom Bundesprogramm ,KitaPLUS' erhofft hatten. Davon haben jetzt natürlich andere Städte profitiert", ärgert sich der CDU-Stadtverordnete.

Aus diesem Grund wurde er selbst tätig und initiierte eine digitale Umfrage. "Rund 50 Eltern haben anonym teilgenommen. Davon benötigen nach eigener Auskunft 83 Prozent flexiblere Betreuungszeiten, als bisher in den Kitas angeboten werden", erklärt Kaumanns. Die Umfrage sei nicht repräsentativ, erhebe aber auch nicht den Anspruch einer quantitativen Bedarfsermittlung. "Sie zeigt allerdings sehr gut auf, was Eltern sich wünschen und welche Situationen es gibt, in denen Familien auf eine flexiblere Betreuung angewiesen sind", weiß der Ratsherr.

Die meisten Eltern haben demnach Probleme mit den starren Öffnungszeiten ihrer Kita und wünschen sich mehr Flexibilität hinsichtlich der Lage der Betreuungszeiten am Tag. Einige Eltern wünschen sich, dass Kitas morgens früher öffnen, damit sie rechtzeitig am Arbeitsplatz sein können. Andere Eltern möchten längere Öffnungszeiten am Nachmittag beziehungsweise Abend, weil sie die Arbeit nicht rechtzeitig beenden können.

Ein Teilnehmer der Umfrage klagt: "Ich fahre bereits um 5.30 Uhr zu Hause los, um pünktlich ohne großen Berufsverkehr nach Köln zu kommen. Meine Frau muss um kurz vor 7 Uhr aus dem Haus, um pünktlich vor Unterrichtsbeginn in Düsseldorf zu sein. Es öffnen sehr wenige Kitas überhaupt vor 7.15 Uhr oder 7.30 Uhr. Diese Öffnungszeiten sind mit unserem Berufsleben nur schwer vereinbar, schließlich kann der Unterricht in der Schule nicht später anfangen, nur weil das Kind in die Kita muss."

Bleibt die Frage offen, weshalb die Stadtverwaltung sich für die Bearbeitung dieses Themas so viel Zeit lässt. Bürgermeister Reiner Breuer erklärt: "Der umfangreiche Auftrag aus dem Jugendhilfeausschuss umfasst mehrere Befragungen. Die Verwaltung bereitet derzeit eine qualitativ gute und verwertbare Elternbefragung vor. Dies muss mit den vorhandenen personellen Ressourcen erledigt werden." Erste Auswertungen aus Befragungen der Kita-Träger dürften viele Eltern überraschen. "Bisher haben sie gegenüber der Verwaltung keinen nachhaltigen strukturellen Bedarf geltend gemacht", so Breuer. Heißt im Klartext: Flexiblere Kita-Öffnungszeiten für Neuss seien demnach nicht nötig.

Für Thomas Kaumanns nicht nachvollziehbar: "In vielen Gesprächen höre ich raus, dass der Bedarf immens ist. Ich bekomme das Gefühl, dass das Thema mit dieser Hinhaltepraktik künstlich in die Länge gezogen werden soll", so der Ratsherr. Eines dürfte Eltern dennoch Hoffnung machen. Laut Bürgermeister Breuer sei es grundsätzlich möglich, flexiblere Betreuungszeiten einzurichten. Einige Kita-Träger hätten erweiterte Modelle angeboten, die aber zwischenzeitlich überwiegend wieder eingestellt worden seien.

 

(Kurier-Verlag)