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Glasfaser-Chaos in Neuss: Vier Stunden Stromausfall legte Tankstelle lahm

Glasfaser-Chaos in Neuss: Vier Stunden Stromausfall legte Tankstelle lahm
Mustafa Biyikli musste vier Stunden lang seine Arbeit niederlegen. Nicht die erste Panne, die durch Bauarbeiten der Deutschen Glasfaser verursacht wurde. FOTO: Fotos: V. Buciak/M. Biyikli
Neuss. Die Pannenserie der Deutschen Glasfaser in Neuss reißt nicht ab. In Hoisten gab es jetzt einen vierstündigen Stromausfall, weil die Bauarbeiter ein Niederspannungskabel beschädigt hatten. Und weil sich für diesen Unfall zunächst niemand verantwortlich fühlte, tappten die Bürger in den Bereichen Kreuzstraße und Welderstraße im Dunkeln. Von Violetta Buciak

Geschlagene viereinhalb Stunden warteten auch Tankstelleninhaber Mustafa Biyikli und seine drei Mitarbeiter darauf, dass endlich etwas passieren würde. Ab 10 Uhr ging dort gar nichts mehr. Weder Zapfsäulen noch das Kassensystem konnten bedient werden. Das Auto, das in der Werkstatt nebenan auf den Reifenwechsel wartete, wurde gerade mit der Hebebühne hochgefahren, als auch dort die Lichter ausgingen. "Wir konnten nur noch den Hof kehren", klagt Biyikli.

Weil sich lange nichts getan hatte, machte sich der Hoistener selbst auf Ursachensuche und fand an der Welderstraße ein klaffendes Loch mit beschädigtem Stromkabel. Dort waren die Mitarbeiter der Deutschen Glasfaser zugange. "Leider verstanden sie überhaupt kein Wort Deutsch und konnten uns auch nicht helfen", so Biyikli. Denn die dortigen Maßnahmen wurden laut Deutsche Glasfaser vom niederländischen Bauunternehmen Van Gelder durchgeführt. Dafür war der Anruf bei den Stadtwerken erfolgreich. Pressesprecher Jürgen Scheer bestätigt: "Die Kollegen der Westnetz waren schnell vor Ort und haben das beschädigte Kabel repariert. Die Kunden waren um 14.30 Uhr wieder versorgt. Zur Erklärung: Die Stadtwerke haben die Konzession für das Stromnetz. Die Betriebsführung liegt bei der Westnetz." Bleibt die Frage offen, wer für den Betriebsausfall der Tankstelle aufkommt.

Denn die Deutsche Glasfaser schiebt den schwarzen Peter weiter. "Die Arbeiten fanden auf nur circa 35 Zentimeter Tiefe statt. Stromleitungen sind üblicherweise tiefer verbaut, zwischen 60 und 80 Zentimeter", merkt Gerda Johanna Meppelink, Unternehmenssprecherin der Deutschen Glasfaser, an und weiter: "Bevor wir Erdarbeiten ausführen, hat eine Leitungsauskunft zu erfolgen. Dies ist auch in diesem Bereich durch uns vor Beginn der Arbeiten erfolgt. Die Stromleitung war durch unsere korrekte Sichtung der Trasse beziehungsweise Leitungsauskunft leider nicht erkennbar hinterlegt."

Dennoch: Der Stromausfall war nicht die erste Panne durch die Deutsche Glasfaser. In Speck kam es zum Beispiel zu deutlichen Verzögerungen – auch weil der Zustand von Straßen nach den Tiefbauarbeiten deutlich zu wünschen übrig ließ. Auch aus Schlicherum und anderen Orten gibt es Bürgerbeschwerden. Laut Stadtwerke-Sprecher Scheer bestätigt Westnetz, dass es zudem nicht der erste Fall war, wo im Zusammenhang mit Tiefbauarbeiten der Deutschen Glasfaser Stromkabel beschädigt wurden.

Und auch die Stadt Neuss beobachtet das Geschehen kritisch. Pressesprecher Peter Fischer bestätigt, dass am Mittwoch ein Spitzengespräch bei Bürgermeister Reiner Breuer mit dem Geschäftsführer der Deutschen Glasfaser, Dr. Stephan Zimmermann, im Neusser Rathaus stattfand. "Die Deutsche Glasfaser hat hierbei Fehler eingeräumt und zugleich einen verbindlichen Maßnahmen- und Zeitplan für die weitere Verlegung von Glasfaserkabeln und dem Anschluss an die Kunden angekündigt", so Fischer. Ähnlich optimistisch klingt die Deutsche Glasfaser auch auf Anfrage des Stadt-Kurier. "Die Bauarbeiten in Neuss gehen nach Komplikationen nun deutlich besser voran. Wir haben etliche Strukturen auf die Situation hin anpassen können", verspricht Meppelink.

 

(Kurier-Verlag)