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Kahlschlag in Neuss: Seit 2016 wurden 2.847 Baume gefällt – nur 848 gepflanzt

Kahlschlag in Neuss: Seit 2016 wurden 2.847 Baume gefällt – nur 848 gepflanzt
Etliche Bäume sind Sturm Ela zum Opfer gefallen. Doch auch in den vergangenen zwei Jahren verschwanden rund 2.000 Bäume aus dem Neusser Stadtgebiet. FOTO: Foto: Rolf Retzlaff
Neuss. Es ist eine schockierende Zahl, die im Umweltausschuss ans Licht kam. Seit 2016 sind 2.847 Bäume aus dem Stadtbild verschwunden. Gerade einmal 848 Nachpflanzungen stehen dem gegenüber. "2.000 Bäume fehlen", ärgert sich Ingeborg Arndt (Grüne), die die Anfrage gestellt hat. Aus ihrer Sicht muss dringend nachgearbeitet werden. Von Violetta Fehse

"Doch zunächst einmal müssen auch die Zahlen von 2014 und 2015 auf den Tisch, die ich ursprünglich angefragt hatte", so die Grünen-Politikerin. Denn in diesem Zeitraum litt der Neusser Baumbestand durch die Folgen des Pfingststurms Ela ganz besonders. "Ich erwarte dann noch viel schlimmere Zahlen", berichtet Arndt. Sie forderte in einem Antrag prompt, dass ab sofort 200 Nachpflanzungen im Jahr erfolgen. Mit 700 Euro pro Baum rechne die Stadtverordnete – das ergibt 140.000 Euro im Jahr. Nachdem der Umweltausschuss dieses Anliegen einstimmig beschlossen hat, muss der Finanzausschuss in seiner nächsten Sitzung vom 5. Dezember darüber entscheiden.

"Ich hoffe sehr, dass den Mitgliedern bewusst ist, wie wichtig dieses Thema ist", so Arndt. In der Vergangenheit haben fehlende Bäume immer wieder für einen Aufschrei in der Bürgerschaft gesorgt. Der Stadt-Kurier berichtete von mehreren Fällen. Beispielhaft sind die Platanen vor dem Quirinus Münster, die nach dem Sturm unter Kritik der SPD gefällt wurden. Michael Klinkicht (Grüne) berichtete von einem Vorfall in Gnadental: "Eine 100 Jahre alte Buche, ortsbildprägend, als erhaltenswert im Bebauungsplan gekennzeichnet – von einem auf den anderen Tag war sie weg, einfach gefällt, weil sie doch nicht mehr in das Konzept des angrenzenden Wohnungsbaus passte." Umweltdezernent Dr. Matthias Welpmann machte zu Beginn seiner Amtszeit deutlich, dass so etwas vermieden werden solle.

Auf Anfrage des Stadt-Kuriers erklärt das Presseamt der Stadt Neuss, wie es dennoch zu einer so hohen Zahl von Fällungen kommen konnte. "Hauptgrund waren Schäden und Spätfolgen durch ,Ela'. So gab es Wurzelbrüche, die sich erst später in nachlassender Vitalität oder Hebungen des Wurzeltellers äußern. Darüber hinaus gab es Befall durch Parasiten, die über die entstandenen Wunden eingedrungen sind. Auch bei den aktuellen Kontrollen fallen immer noch Schäden auf, die im direkten Zusammenhang mit ,Ela' zu sehen sind", so der Pressesprecher. Grundsätzlich wolle die Verwaltung überall dort, wo Bäume ausfallen, auch wieder nachpflanzen. Dies sei jedoch aufgrund der örtlichen Gegebenheiten nicht überall möglich. "Wenn ein Baum in einem älteren, dichten Bestand ausfällt, so kann aufgrund von Lichtmangel und durchwurzeltem Untergrund keine standortgetreue Nachpflanzung erfolgen", so Fischer.

Nichtsdestotrotz seien die nächsten Maßnahmen im Winter 2018/2019 geplant. So sollen fehlende Bäume an der Fontanestraße, Aggerstraße, Neusser Weyhe, Uedesheimer Straße, An der Obererft und anderen Straßen ersetzt werden. Im nächsten Schritt soll die Nachpflanzung der Parkbäume erfolgen, hier vor allem im Neuen Stadtgarten (25 Esskastanien), Stadtwalddamm (40 Linden) und an der Promenade (5 Linden). Außerdem soll der Bereich Am Jostensbusch in Angriff genommen werden.

 

(Kurier-Verlag)