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Nach einem Jahr Umbau: Obdachlose bekommen neue Nacht-Unterkunft

Nach einem Jahr Umbau: Obdachlose bekommen neue Nacht-Unterkunft
Ralf Hörsken, Einrichtungsleiter Wolfgang Gerhard und Bettina Kiniziak, Ernst Goertz und Reiner Breuer sprechen von einem Erfolg.
Neuss. "Gerade zur rechten Zeit können wir die neue Übernachtungsunterkunft für wohnungslose Männer eröffnen", so Bürgermeister Reiner Breuer bei der Vorstellung der Containermodule am Derendorfweg. Von Violetta Fehse

Es ist kalt und nass geworden – rund 40 Männer ohne Wohnung suchen Nacht für Nacht einen warmen und sicheren Schlafplatz in Neuss.

Nachdem die Obdachlosen rund ein Jahr lang in den Containern am Südpark in Reuschenberg untergebracht waren, freuen sie sich darauf, an gewohnter Stelle zu nächtigen. Denn viele verbringen den Tag ohnehin in der Innenstadt und haben jetzt kürzere Wege.

Die neue Unterkunft verfügt über deutlich höhere Standards als die abgerissenen Holzbaracken. Die sorgten immer wieder für Kritik. Besonders im Winter wurde es voll in der Schlafstätte. Die sanitären Anlagen waren abgenutzt, die Küche in einem schlechten Zustand. Nachdem der Stadt-Kurier gemeinsam mit der ehrenamtlichen Gruppe "Neuss packt an – warm durch die Nacht" auf die Missstände hingewiesen hat, ist viel passiert. In der Arbeitsgruppe "Wohnungs- und Obdachlosigkeit in Neuss" wurden erste Lösungsansätze erarbeitet, die in der kommenden Ratssitzung am 9. November vorgestellt werden.

Denn Ziel bleibt es, möglichst viele Menschen eine eigene Wohnung zu bieten. "Wir wollen am liebsten, dass diese Unterkunft so wenig wie möglich genutzt werden muss", so Sozialdezernent Ralf Hörsken im Hinblick auf die neuen Container am Derendorfweg. Die 110 Stahlmodule verfügen über hohe Standards und waren ursprünglich für die Unterbringung von Flüchtlingen in Allerheiligen und Uedesheim gedacht. Da sie aufgrund sinkender Zuweisungen ungenutzt blieben, stehen sie jetzt wohnungslosen Männern zur Verfügung. "Wir freuen uns, dass es für die Obdachlosen mehr Schlafplätze gibt", so Martina Engels von der Truppe von "Neuss packt an".

Insgesamt gibt es in der neuen Unterkunft 60 Betten aufgeteilt auf Zweier-Zimmer. Dazu kommt eine Notreserve von 22 Betten. Die einzelnen Räume sind aufgrund schlechter Erfahrungen in der Vergangenheit spartanisch eingerichtet. Tische gibt es keine, da diese häufig beschädigt wurden. Auch auf Strom müssen die Männer verzichten. "Das ist

aus Sicherheitsgründen so. Manche Männer haben ihre Wasserkocher, Lichterketten oder andere Elektrogeräte mitgebracht, die aber zum Teil veraltet waren und eine Brandgefahr darstellten", erklärt Ernst Goertz vom Sozialamt der Stadt Neuss. Ihre Handys können die Besucher dennoch über Schaltknöpfe aufladen. In der Küche stehen den Männern mehrere Kochstellen und Kühlschränke zur Verfügung. Auch die Öffnungszeiten wurden angepasst. Statt ab 20 Uhr öffnet die Unterkunft wochentags von 17 bis 7.30 Uhr. An den Wochenenden ist durchgehend geöffnet von Freitagnachmittag 17 Uhr bis Montagmorgen 7.30 Uhr. Tagsüber hat die Caritas auf der Breitestraße für die Männer geöffnet.

 

(Kurier-Verlag)