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Pogromnacht am 9. November
Neusser Juden in Auschwitz ermordet - Stolpersteine gereinigt

Pogromnacht am 9. November: Neusser Juden in Auschwitz ermordet - Stolpersteine gereinigt
Eine gemeinsame Aktion am 9. November. FOTO: Frank Möll u. Conny Kriete
Neuss. Die Übergriffe auf Juden fanden auch in Neuss ihren traurigen Höhepunkt mit der Verschleppung der Neusser Juden in verschiedene Konzentrationslager und ins Vernichtungslager Ausschwitz. Am 9. November 1938 brannten in ganz Deutschland die Synagogen. Der 9. November ist der Tag, an dem organisierte Schlägertrupps jüdische Geschäfte und Gotteshäuser in Brand setzten. Die offizielle Neusser Gedenkfeier ist am Montag, 10 November, da es am Sonntag keinen Bürgermeister gab, der verfügbar war. Die SPD-Ratsfrau Constanze Kriete gedachte am Sonntag den getöteten Juden in ganz besonderer Art. Sie reinigte die Stolpersteine in Neuss. Ein Stadt-Kurier-Reporter begleitete sie und half dabei. Von Frank Möll

Der 9. November 1938. Es ist der Tag, an dem tausende Juden misshandelt, verhaftet oder getötet wurden. Spätestens an diesem Tag konnte jeder in Deutschland sehen, dass Antisemitismus und Rassismus bis hin zum Mord staatsoffiziell geworden waren. Diese Nacht war das offizielle Signal zum größten Völkermord in der Geschichte der Menschheit.
Die verharmlosende Bezeichnung Reichskristallnacht, deren Herkunft nicht definitiv geklärt ist, bildete und erhielt sich für den reichsweiten Pogrom gegen die Juden im Deutschen Reich, der am 9./10. November 1938 ihren ersten traurigen Höhepunkt fand. ''Kristallnacht'' bezieht sich auf die überall verstreuten Glasscherben vor den zerstörten Wohnungen, Läden und Büros, Synagogen und öffentlichen jüdischen Einrichtungen. Der Begriff Reichspogromnacht hat sich erst in jüngster Zeit verbreitet und im allgemeinen Sprachgebrauch durchgesetzt, um das belastete Wort "Reichskristallnacht" zu ersetzen.
 

Gedächtnissteine für Opfer des Nationalsozialismus

Der Kölner Künstler Gunter Demnig erinnert an Opfer des Nationalsozialismus, indem er vor ihrem letzten selbstgewählten Wohnort Gedenktafeln aus Messing in den Gehweg einlässt. Die Gedenktafeln haben eine Kantenlänge von etwa 10 cm. Sie werden Stolpersteine genannt. Die Neusser Steine gammeln vor sich hin. SPD-Ratsfrau Constanze Kriete und Stadt-Kurier-Chefredakteur reinigten sie am Sonntag. Eine Gemeinschaftsaktion der linken Politikerin mit jenem Journalisten, mit dem sie ihre härtesten Auseinandersetzungen erlebte. Doch diese Aktion war beiden wichtig, so dass sie zusammen arbeiteten.

Neusser Juden und andere Opfer des Nationalsozialismus, die verschleppt und bis in den grausamen Tod gequält wurden:

Hermann Stein jr. (Pferdehandlung), *12.02.1881 in Neuss, deportiert nach Lodz am 27.10.1941, +07.05.1942
Sophie Stein, geb. Regensteiner, *25.12.1891 in Nördlingen, deportiert 1941, + in Lodz
Lore Stein, *31.05.1922 in Düsseldorf, deportiert 1941, + in Lodz
Milli Stein, *08.02.1927 in Düsseldorf, deportiert 1941, + in Lodz

Bernhard Stein (Viehändler), *06.03.1890 in Neuss, deportiert 27.10.1941, + in Lodz
Dora Stein, geb. Geisel *04.05.1891 in Rheinbach, deportiert 1941, + in Lodz

Theodor Regensberg (Kaufmann), *16.03.1881 in Hofgeismar, deportiert 11.12.1941 nach Riga,
umgekommen in Riga
Helena Regensberg, geb. Hertz *28.08.1882 in Worms, umgekommen in Riga
Herta Regensberg, *02.07.1926 in Heiligenhaus, umgekommen in Riga

Albert Joseph
geboren: 1862, deportiert: 22.07.1942 nach Theresienstadt, † 27.09.1942
Julie Joseph
geboren: 1866, deportiert: 22.07.1942 nach Theresienstadt, † 09.01.1943

Arthur Mansbach
*1898, deportiert 1941, † Riga
Johanna Mansbach geb. Hirtz
*1890, deportiert 1941, † Riga
Fritz Mansbach
*1826, deportiert 1941 nach Riga, † KZ Buchenwald
Ernst Mansbach
*1937, deportiert 1941, † Stutthof
Anna Mansbach, geb. Marx
*1865, deportiert 1942, † Izbica

Hermann Stein, *1877, deportiert 1941, ermordet in Lodz
Sara Stein, geb. Rosenberger *1885, deportiert 1941, ermordet in Lodz

Josef Cohnen, *1873, inhaftiert 15.07.1938 in Düsseldorf, † 18.07.1938
Ernst Cohnen, *1904, Flucht nach Holland 1934, deportiert 1943 nach Sobibor, ermordet 23.07.1943

Franz Sistemich, *1901, ermordet am 22.02.1945 im KZ Flossenbürg

Helene Steffens,
geboren: 1916, eingewiesen in die Klink Süchteln 1938,
ermordet: 25.07.1941 in der "Heilanstalt" Hademar

Hans Funger, Jg. 1891, im Widerstand, verhaftet 15.2.1937, Zuchthaus Celle, hingerichtet 11.4.1945

Max Salm, Jg. 1887, deportiert 1942, Theresienstadt, ermordet 6.6.1943
Julie Salm geb. Judenberg, Jg. 1888, deportiert 1942, Auschwitz, ermordet 1944

Hermann Milchtajch,
geboren: 1892, ermordet: 1944 in Auschwitz
Selma Milchtajch, geb. Cahn,
geboren: 1900, ermordet: 1944 in Auschwitz
Günther Milchtajch,
geboren: 1928, ermordet: 1944 in Auschwitz

Isaak Gottschalk,
geboren: 1868, ermordet: 29.09.1942 in Maly Trostinec
Hermine Gottschalk, geb. Löwenberg,
geboren: 1866, ermordet: 29.09.1942 in Maly Trostinec
Matha Gottschalk,
geboren: 1911, ermordet: in Riga

Sally Vasen,
Jg. 1881, Flucht 1939, Belgien, deportiert, Gurs, ermordet 16.1.1941
Paula Vasen,
Jg. 1887, deportiert 1941, ermordet in Lodz

Paula Stein, geb. Winter *1884, Flucht nach Holland 1938,deportiert 1943 nach Auschwitz,
ermordet 08.04.1944

Irma Stein, *1908, Flucht nach Holland 1938, deportiert 1943,
ermordet in Auschwitz
Fritz Stein, *1909, verhaftet 1935, KZ Esterwegen, Flucht nach Holland 1938, deportiert 1943,
ermordet in Auschwitz.

Aaron Albert Heumann (Darmhändler),
*27.03.1872 in Eschweiler, misshandelt, † 1940 in Neuss.
Erich Heumann (Angestellter),
*05.08.1905 in Köln, Flucht nach Holland 1935, deportiert 1943, ermordet 1945 in Auschwitz.