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Falscher Bernstein geht in Flammen auf
Ordnungsamt warnt vor weiteren hochgefährlichen Bombenresten am Rhein

Ordnungsamt warnt vor weiteren hochgefährlichen Bombenresten am Rhein
Von einer solchen Fliegerbombe könnte das Phosphor stammen. FOTO: Thomas Broich
Neuss. Großeinsatz in Uedesheim: Ein 77-jähriger Rentner musste mit einem Hubschrauber in eine Spezialklinik nach Köln-Merheim gebracht werden, nachdem er sich an Bombenresten hochgradige Verbrennungen zugezogen hatte.  Von Thomas Broich und Violetta Buciak

Der Fall ereignete sich am gestrigen Dienstag, gegen 17 Uhr: Beim Joggen am Rhein wurde von einem Mann ein etwa Tischtennisball großer, feuchter Gegenstand gefunden, der nach eigener Aussage viel Ähnlichkeit mit einem Bernstein hatte. Er nahm ihn auf und steckte ihn in die Hosentasche. Im Auto, bereits auf dem Weg nach Hause, kam es zu einer spontanen Entzündung des Gegenstandes. Hierbei erlitt der Mann schwere Verbrennungen an Armen und Beinen.

Als die Feuerwehr eintraf, ist der Phosphorklumpen, der in trockenem Zustand selbstständig mit einer über 1.300 Grad heißen Flamme verbrannte, bereits nicht mehr auffindbar gewesen.

"Bisher kam es in Neuss noch nie zu so einem Unfall", erklärt Florian Korthauer, Pressesprecher der Neusser Feuerwehr. "Solche Funde sind eher an der Ostsee üblich, da dort viele Fliegerbomben im zweiten Weltkrieg abgeworfen wurden. Diese rosten im Wasser und so können sich Teile lösen und am Strand angespült werden", erklärt der Pressesprecher. 

Jetzt warnt das Ordnungsamt vor weiteren hochgefährlichen Überresten.

 "Bürger sollten beim Auffinden von unbekannten Gegenständen am Rhein äußerste Vorsicht walten lassen. Keinesfalls sollte man versuchen, Fundstücke dieser Art selbst zu bergen oder zu transportieren. Vielmehr empfiehlt sich ein Anruf beim städtischen Ordnungsamt oder der Feuerwehr, um über den Fund und den Fundort zu informieren", heißt es in einer offiziellen Pressemitteilung der Stadt Neuss. Besonders bei Material, das wie Bernstein aussieht, warne das Ordnungsamt zur Vorsicht. In der Regel könne es sich bei einem Fundort am Rhein nur um das gefährliche Phosphor handeln, das aus alten Kampfmitteln freigesetzt wurde. Auch von alten Kampfmittel selbst, die bei Niedrigwasser des Rheines zu Tage treten (wie zum Beispiel alte Stabbrandbomben), sollten Spaziergänger unbedingt die Finger lassen. Auch hier sei ein Anruf bei Polizei oder Ordnungsamt dringend angeraten.

Stadtverordneter Stefan Crefeld zeigt sich schockiert über den aktuellen Fall: "Am Rhein sind auch viele Kinder unterwegs. Es sollte dringend vor dieser Gefahr gewarnt werden."