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Platz-Not: Commundo-Hotel soll Flüchtlinge aufnehmen

Platz-Not: Commundo-Hotel soll Flüchtlinge aufnehmen
Das Commundo-Tagungshotel (früher als Telekom-Hotel bekannt) in Gnadental. Bald könnten dort Kriegsvertriebene untergebracht werden. Die Stadt verhandelt. FOTO: Foto: Thomas Broich
Gnadental. Voll ausgestattete Räume mit Betten, Kleiderschränken und Co., Badezimmer und jede Menge Platz – Hotels könnten die ideale Lösung sein, wenn es um die Flüchtlingsfrage geht. Das Tagungshotel Commundo (ehemals Telekom-Tagungshotel) an der Humboldtstraße in Gnadental soll jetzt seine freien Räume für Flüchtlinge bereitstellen. Gespräche mit der Stadtverwaltung haben bereits stattgefunden. Von Violetta Buciak und Thomas Broich

Durch die in den vergangenen Wochen nochmals dramatisch angestiegene Zahl der Menschen, die Zuflucht in Deutschland suchen, und durch die zum Teil unkontrollierte Einreise von mehreren zehntausend Flüchtlingen in wenigen Tagen steht auch die Stadt Neuss vor schwer zu bewältigenden Aufgaben. Lösungen müssen binnen kürzester Zeit geliefert werden.

In Neuss sollen unter anderem die freien Zimmer im Tagungshotel Commundo zur Verfügung gestellt werden. "Wenn wir freie Kapazitäten haben, werden wir sie für diesen Zweck bereitstellen", bestätigt Commundo-Pressesprecher Ansgar Pott. Und die Kapazitäten seien da. "In jedem Hotel gibt es so gut wie immer freie Räume", so Pott. Bereits in den nächsten Tagen könnten die ersten Zimmer bezogen werden. Auf seiner Internetseite wirbt das Hotel mit seiner guten Lage und dem Komfort: "Mit 189 Einzel-, 14 Doppelzimmern, einem Appartement und zwei barrierefreien Zimmern ist es bestens auf seine Gäste vorbereitet", heißt es hier.

Ein Classic-Zweibettzimmer inklusive Frühstück ist derzeit im Angebot für 74 Euro buchbar.

Für die Stadt Neuss, die diese Zimmer bucht, um dort Flüchtlinge unterbringen zu können, müsste noch ein Vergütungsschlüssel gefunden werden.

Bürgermeister Herbert Napp bestätigt gegenüber dem Stadt-Kurier: "Nach ersten Gesprächen mit den Verantwortlichen des Commundo-Tagungshotels haben diese ihre grundsätzliche Bereitschaft signalisiert, die Stadt bei der Unterbringung von Flüchtlingen zu unterstützen. In welchem Umfang, ab wann und zu welchen Konditionen steht noch nicht fest."

 

Kommentar von Violetta Buciak:

Flüchtlinge im eigenen Hotel unterbringen: Das ist ein Schritt, der sicherlich viel Mut und lange Überlegungen erfordert. Schließlich gibt es nicht nur Befürworter der sogenannten "Gutmenschen", die ohne mit der Wimper zu zucken zur sofortigen Hilfe bereit sind.

Ja, für das Commundo-Hotel kann dieser Schritt zur Folge haben, dass die regulären Zimmerbuchungen zurückgehen, dass das Image in bestimmten Kreisen angekratzt werden könnte.

Ich zolle dem Unternehmen meinen vollsten Respekt.

Hilfe ist nicht das Aussortieren von ungeliebten Kleidungsstücken, die andernfalls ohnehin in der Tonne gelandet wären. Hilfe ist nicht die bloße Akzeptanz der Aufnahme von Flüchtlingen vor der Haustüre. Wenn Menschen sich aufopfern, einen großen Teil ihrer Zeit investieren und bereit sind, etwas von ihrem Wohlstand, von ihrem bequemen Leben abzugeben – erst dann ist es echte Hilfe. Diesen Menschen bin ich – als eine, die selbst fliehen musste – aus tiefstem Herzen dankbar.

(Kurier-Verlag)