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+++Besserung nicht in Sicht+++Bürger kritisieren weitere Hindernisse+++
Rollstuhlfahrer klagen an: Hafenbrücke in Neuss noch immer nicht barrierefrei

Rollstuhlfahrer klagen an: Hafenbrücke in Neuss noch immer nicht barrierefrei
Rainer Heilinger konnte sich die Hafenbrücke noch immer nicht aus nächster Nähe ansehen – der Zugang ist auch nach einem Jahr nicht barrierefrei und wird es vorerst auch nicht werden. FOTO: Fotos: Violetta Buciak
Neuss. Seit rund einem Jahr ist die Hafenbrücke in Neuss eröffnet und bis heute ist der Zugang nicht barrierefrei. Rainer Heilinger konnte sich das architektonische Schmuckstück noch immer nicht aus nächster Nähe ansehen. "Immer wenn ich mit dem Auto an der Stelle vorbei fahre, schließe ich die Augen, damit ich mir dieses Elend nicht ansehen muss", so der Neusser. Von Violetta Buciak

Mit seinem elektrischen Rollstuhl schafft er es nicht über den rund zehn Zentimeter hohen Bordstein. Bereits vor rund neun Monaten berichtete der Stadt-Kurier über den Missstand – getan hat sich dennoch nichts. Derweil decken Neusser Bürger weitere Mängel in der Quirinusstadt auf, die Rollstuhlfahrern das Leben schwer machen.

"Wer aufmerksam durch die Stadt geht, weiß, dass noch viel Verbesserungsbedarf vorherrscht", so Arthur Rupprecht. Der Neusser war selbst betroffen, als seine enge Angehörige plötzlich auf einen Rollstuhl angewiesen war. "Meine Verwandte wurde an der Hüfte operiert und konnte vorübergehend nicht laufen", erklärt Rupprecht. Behandelt wurde die Betroffene im Ärztehaus, Am Zollhafen – der Nachhauseweg nach der OP gestaltete sich als Tortur. "Es gibt keinen ebenmäßigen Weg von der Praxis bis zum Parkplatz – nur Kopfsteinpflaster. Abgesehen davon, dass es für Rollstuhlfahrer kaum möglich ist, diese Straße unbeschadet zu passieren, verstärkt das Ruckeln über das unebenmäßige Pflaster das Schmerzempfinden bei gerade operierten Patienten", so Rupprecht. "Hier muss etwas passieren."

Im Fall der Hafenbrücke hat sich seit rund einem Jahr nichts getan und Hoffnung auf eine baldige Verbesserung gibt es laut Bürgermeister Breuer nicht: "Die wesentliche Barriere ,Notgleis' kann ohne umfangreiche Umbauarbeiten bis auf Weiteres nicht beseitigt werden. Wann der vollständige Umbau der Kreuzung Rheintorstraße/ Colligstraße einschließlich der barrierefreien Umgestaltung erfolgt, kann von der Verwaltung nicht beantwortet werden. Voraussetzung für den Beginn der Straßenbaumaßnahme ist die Vermarktung der Grundstücksflächen zwischen Rheintorstraße und Hafenbecken durch den Eigentümer. Nach unserem Kenntnisstand befindet sich der Eigentümer diesbezüglich in Gesprächen."

Und so muss sich Heilinger weiter gedulden, ehe er sich das neue Wahrzeichen von Neuss aus nächster Nähe ansehen kann. Markus Titschnegg, der erst in dieser Woche zum zweiten Vorsitzenden des Sozialverbandes (SoVD ) Neuss gewählt wurde, will diese Themen zukünftig im Auge behalten und sich weiter für Barrierefreiheit einsetzen.

 

(Kurier-Verlag)