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Seit Jahren: Ratten und wilde Müllkippen im Jesuitenhof

Seit Jahren: Ratten und wilde Müllkippen im Jesuitenhof
Anna Cramer, Detlef Weiler und Angelika Kleinsorge wollen den schlechten Zustand des Jesuitenhofes nicht mehr hinnehmen. FOTO: Foto: Violetta Fehse
Neuss. Anwohner des Jesuitenhofs gehen auf die Barrikaden. Denn dort wird immer wieder säckeweise Müll abgestellt – das lockt Ratten und anderes Ungeziefer an. "All unsere Beschwerden an die Stadt liefen ins Leere", schildert Angelika Kleinsorge. Von Violetta Fehse

Dabei ist der Jesuitenhof immer wieder Anlaufstelle bei historischen Stadtführungen. Schmuckstück ist das Studenten-Türmchen, das 1616 erbaut wurde. "Dieser Ort ist ein Aushängeschild für Neuss und doch lässt die Stadt ihn so verkommen", klagt Kleinsorge.

Die Anwohner berichten von Nagern, die größer sein sollen als Katzen. "Ein Nachbar berichtete wie eine Ratte von einer Fensterbank im Hausflur in einen Kinderwagen gesprungen ist – der war glücklicherweise leer", so die Neusserin.

Schlimmer aber seien die wilden Müllkippen, die immer schlimmere Ausmaße annehmen sollen. "Zuletzt lagen dort menschliche Exkremente – wir konnten es kaum glauben", berichtet Anna Cramer. "In einem Fall warteten wir geschlagene drei Wochen, bis die Müllsäcke abgeholt wurden", sagt Detlef Weiler. Der Grund: In dem Fall wurde Sondermüll abgestellt. "Niemand fühlte sich für den Müll vor unserer Haustüre verantwortlich", so Weiler.

In ihrer Verzweiflung haben die Anwohner eine Unterschriftenaktion gestartet und haben innerhalb von wenigen Stunden rund 20 Fürsprecher aus der Nachbarschaft und den umliegenden Ladenlokalen gefunden.

Denn alle Beschwerden in Richtung Stadt sollen ins Leere gelaufen sein. Auf Nachfrage des Stadt-Kuriers sagt Stadtsprecherin Nicole Bungert: "Hier sind im Juli 2018 und im Juli 2016 schriftliche Meldungen über Müllablagerungen eingegangen, die beide zuständigkeitshalber an die AWL weitergeleitet wurden. Rattensichtungen waren in keiner der Meldungen Gegenstand. Der Kommunale Service- und Ordnungsdienst (KSOD) hat zudem aufgrund einer telefonischen Beschwerde im Jahr 2015 über ein Vierteljahr einen Streifenauftrag für die Örtlichkeit erhalten und konnte lediglich einmal Müllablagerungen feststellen."

Lothar Richers von der AWL bestätigt gegenüber der Stadt dagegen, dass in der Durchfahrt vom Jesuitenhof zur Oberstraße öfter Abfälle illegal abgelegt werden.

"Es kommt aktuell alle zwei Tage vor, dass hier Müll abgelagert wird. Zuletzt am Montag – da lag auch Erbrochenes im Hof – und am Donnerstag", berichtet Anwohner Weiler. Die ganze Nachbarschaft hofft nun auf "echte Lösungen" und dass der Jesuitenhof bald wieder vorzeigbar ist.

 

(Kurier-Verlag)