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Mord auf der Furth: Bilder vom letzten Urlaub
"Vater" Fallah Sänger mit seinen Kindern und Mutter Saskia im Ägypten-Urlaub

Familie Sänger
Familie Sänger
Exklusiv | Neuss. Was für einen Schmerz die Angehörigen der getöteten Saskia Sänger und ihrer beiden Kinder Ismael (4) und Samara (8) ertragen müssen, kann sich kaum jemand ausmalen. Jede Nacht ist seit dem 20. August 2012  zum Horrortrip für die Verbliebenen geworden. Nicht ein Tag vergeht, an dem der Schmerz den Alltag nicht unerträglich macht. Und doch haben sie ein klares Ziel vor Augen: Fallah Sänger muss gefasst werden. An diesen Wunsch nach Gerechtigkeit klammern sich die Hinterbliebenen, stecken alle Kraft hinein. Die Familie hat dem Stadt-Kurier nun eine Reihe von Bildern zur Verfügung gestellt, damit das schlimme Verbrechen, nicht in Vergessenheit gerät. Die Bilder zeigen auch Fallah Sänger. Wer weiß, wo er sich aktuell aufhält? Hinweise an jede Polizeidienststelle. Von Violetta Buciak und Frank Möll

Die ganze Wohnung von Kurt Langer, dem Großvater der getöteten Kinder, ist voll von Bildern. Sie zeigen Momente aus glücklichen und unbeschwerten Zeiten. Samara und Ismael waren lebensfroh, aufgeweckt und offen – ihr Leben wurde viel zu früh ausgelöscht. "Seit der Tat ist nicht eine Nacht vergangen, in der ich schlafen konnte", so der bestürzte Großvater. Wenn es ganz schlimm ist, holt der 71-Jährige die Videoaufnahmen vom gemeinsamen Familienurlaub hervor – schaut sich stundenlang an, wie Samara schwimmen lernte oder Ismael gemeinsam mit seiner Mutter tanzte. Dinge, die der Vergangenheit angehören, denn nichts wird je so sein wie es mal war.

Es war der 20. August 2012 als Saskia und ihre beiden Kinder tot in ihrer Wohnung aufgefunden wurden. Der mutmaßliche Täter, Familienvater Fallah Sänger, soll die drei erschossen und sich nach der Tat erst in die Türkei und dann in den Irak abgesetzt haben.

Für die Angehörigen steht seitdem die Welt still. Cousin Robert Langer (24) und Nathalie Delise (27), eine enge Freundin von Saskia, wollen gemeinsam mit Kurt Langer für Gerechtigkeit kämpfen.

Dafür ist Robert von Berlin aus nach Neuss gezogen. Er steht in engem Kontakt mit Staatsanwalt Cristoph Kumpa, geht jedem noch so kleinen Hinweis nach, hat die Akten genau studiert. "Wir wollen unbedingt, dass Fallah gefasst wird und seine gerechte Strafe bekommt. Es kann nicht sein, dass er so davonkommt", so der betroffene Cousin.

Verarbeitet haben die Hinterbliebenen den schlimmen Verlust noch lange nicht. An jedem Geburtstag und am Todestag legen sie vor dem Wohnhaus, in dem die Tat passiert ist, Blumen und Grabkerzen nieder. In der Wohnung des Großvaters ist ein Altar aufgebaut mit Fotos von den Todesopfern. Die Kerze zündet Kurt Langer jeden Tag an.

Stolz zeigt er Zeugnisse von Samara, sie war eine sehr gute Schülerin, hat schon kleine Veranstaltungen moderiert und war gegenüber ihren Mitschülern immer hilfsbereit. "Auch Ismael blühte immer mehr auf, war er früher noch eher schüchtern, wandelte sich das zum kompletten Gegenteil", so der stolze Opa.

Heute bleiben ihm nur noch die Bilder und Erinnerungen an seine Liebsten – und die Hoffnung, dass Fallah Sänger endlich gefasst wird. Ist er tatsächlich wieder in der Türkei, so wie mehrere Informanten dem Stadt-Kurier mitteilten, sind die Chancen dafür besser denn je.

(Kurier-Verlag)