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Lebensgefahr in der kalten Jahreszeit+++Was die Stadt Neuss tut, um zu helfen
Was tun, wenn ein Obdachloser bei Minustemperaturen draußen schläft?

Was tun, wenn ein Obdachloser bei Minustemperaturen draußen schläft?
Für Obdachlose bedeutet Kälte Lebensgefahr. Die Stadt fordert die Bevölkerung auf, Wohnungslose, die draußen nächtigen, zu melden. FOTO: Violetta Buciak
Neuss. Der Winter ist in Neuss angekommen. Bereits jetzt gab es Nächte mit Temperaturen bis zu acht Grad Minus. Für Obdachlose eine lebensgefährliche Situation. Und noch immer werden Menschen beobachtet, die draußen nächtigen. Von Violetta Buciak

Nachdem mehrere Betroffene klagten, es gäbe zu wenige Schlafplätze in der städtischen Unterkunft am Derendorfweg (wir berichteten), wächst die Sorge um Obdachlose. Auch in den nächsten Tagen werden Temperaturen um den Gefrierpunkt erwartet – auch tagsüber. Auf Nachfrage des Stadt-Kuriers teilte Bürgermeister Reiner Breuer mit, dass aktuell niemand mehr an der Unterkunft abgewiesen werde. "Bereits seit Jahren wird bei kalten Temperaturen, in der Regel ab Mitte November, kein Mensch weggeschickt. Wir nehmen dann auch solche Personen auf, die mit einem Hausverbot in der Übernachtungseinrichtung ,Hin und Herberge' belegt sind. Auch Personen in stark angetrunkenem Zustand – obwohl sie über eine eigene Wohnung verfügen – werden aufgenommen. Dies allerdings mit dem Hinweis, dass am nächsten Tag definitiv keine weitere Aufnahme erfolgen wird", betont der Bürgermeister.

In der kalten Jahreszeit ist die Unterkunft am Derendorfweg eine stark frequentierte Anlaufstelle für Obdachlose. FOTO: Violetta Buciak

Dennoch werden immer wieder Menschen gesichtet, die draußen übernachten. Was tun, in so einem Fall? "Für Passanten besteht immer die Möglichkeit, über Polizei oder Feuerwehr Hilfe zu organisieren. Die Übernachtungsstelle der Stadt Neuss ist dort bekannt", sagt Breuer. Ein Stadt-Kurier-Leser, der nicht genannt werden möchte, schilderte Gegenteiliges. Demnach soll eine Frau mehrere Nächte in der Nähe des Stadtparks gesichtet worden sein. Auf Nachfrage bei der Polizei konnte diese nicht helfen – Unterkünfte für Frauen seien den Beamten in Neuss nicht bekannt gewesen. Dabei stellt die Stadt Neuss Hotelzimmer für weibliche Obdachlose bereit. Einen Suchdienst, der draußen liegende Personen betreut und in eine Einrichtung verbringt, stellt die Stadt Neuss nicht. "Hier vertrauen wir auf die Mitwirkung der aufmerksamen Bevölkerung, die nach dem oben beschriebenen Schema verfahren sollte", ruft der Bürgermeister auf, solche Fälle zu melden.

Der Verein "Neuss packt an – warm durch die Nacht" zeigt sich da engagierter, fährt nachts durch die Straßen um Wohnungslose aufzu-gabeln. Hinweise nehmen die Ehrenamtler über Facebook oder per E-Mail unter info@neusspacktan.de entgegen. Und wohin, wenn es tagsüber klirrend kalt ist? "Dann haben die Wohnungslosen die Möglichkeit, von 8 bis 15.30 Uhr in den Räumlichkeiten des Caritasverbandes Rhein-Kreis Neuss an der Breitestraße 105 zu bleiben", so Breuer. Bleibt zu hoffen, dass die Obdachlosen gut durch den kühlen Winter kommen.

(Kurier-Verlag)