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Weil er ein Mädchen beschützen wollte: 16-jähriger Neusser mit Messer attackiert

Weil er ein Mädchen beschützen wollte: 16-jähriger Neusser mit Messer attackiert
Weil Phillip einem Mädchen helfen wollte, wurde er ins Krankenhaus geprügelt. Spuren an seiner Kleidung zeigen die Messereinstiche. FOTO: Violetta Buciak/privat
Neuss. Phillip (16) hat unfassbares Glück gehabt. Drei Männer prügelten brutal auf ihn ein, verletzten ihn dabei mit einem Messer. All das, weil er einem fremden Mädchen helfen wollte. Jetzt sucht der Junge nach der wichtigen Zeugin, die seit der Tat wie vom Erdboden verschluckt ist. Von Violetta Buciak

Geschwächt liegt der Auszubildende im Lukaskrankenhaus. Seine rechte Gesichtshälfte ist komplett angeschwollen, von Schlägen und Tritten grün und blau gefärbt. Es passierte am Sonntagabend gegen 22.30 Uhr. Phillip fuhr mit seinem Motorroller nach Hause, nachdem er mit seinem Vater im UCI-Kino gewesen war – keine drei Kilometer von seinem Zuhause entfernt. Schon von weitem fiel ihm das Mädchen ins Auge, das nervös immer schneller voranging. Ihr folgten drei vermummte, dunkel gekleidete Männer.

Das ganze ereignete sich in der Nähe des Parks an der Nierenhofstraße. "Die Typen sagten kein Wort, kamen mir aber gleich komisch vor. Sie hatten Schals vor den Gesichtern und wirkten provokant, wurden immer dann schneller, wenn das Mädchen schneller ging", erzählt der mutige junge Mann. Geistesgegenwärtig stellte er sofort seinen Roller ab, nahm den Helm herunter und trat an das Geschehen heran. Gerade als einer der Männer das Mädchen am Arm packen wollte, sprach Phillip die drei an. "Was ist hier los?", wollte der Junge wissen. Dann ging alles ganz schnell. "Der Dünne zog ein Springmesser mit etwa zehn Zentimeter langer Klinge und stach gleich zu", erinnert sich Phillip. Ein langer Schnitt am Bauch zeigt, wie brutal die Männer vorgegangen sein müssen.

Dann flogen die Fäuste: drei gegen einen. "Ich erinnere mich nicht an viel, habe versucht mich zu wehren, aber hatte natürlich keine Chance", weiß Phillip. Als er schon am Boden lag, trat einer der Männer noch gegen seinen Kopf, dann wurde der Helfer bewusstlos. "Als ich wach geworden bin, musste ich erst realisieren was da passiert ist und mich setzen", so der Azubi. Mehrere Risse und Löcher an T-Shirt und Jacke, zeigen, wie viel Glück der Neusser gehabt hat.

"Man sieht, dass der Mann mit dem Messer mehrfach nach mir gestochen haben muss. Die Waffe hat sich komplett durch die dicke Jacke gebohrt, gerade so an meinem Körper vorbei", erzählt Phillip. Im Krankenhaus stellten die Ärzte eine Gehirnerschütterung fest, behielten den 16-Jährigen zwei Tage zur Beobachtung da. Jetzt sucht der mutige Junge nach dem Mädchen, dem er geholfen hat: "Sie könnte eine wichtige Zeugin sein. Ich hoffe, dass die Täter so gefasst werden können." Helfen würde der Neusser jederzeit wieder: "Ich hätte das für jeden getan. Wenn sowas nochmal passieren würde, hätte ich vielleicht zuerst jemanden angerufen, aber handeln würde ich auf alle Fälle wieder", sagt Phillip aus voller Überzeugung. "Er hat einfach das Helfersyndrom. So war er schon immer", fügt seine Mutter Cornelia H. hinzu. Deswegen will Phillip später auch in die Bundeswehr, das sei schon immer sein Traum gewesen. Doch zunächst hofft er, dass die Täter gefunden werden.

Die Männer im Alter von je circa 20 Jahren konnte er in der Dunkelheit kaum erkennen, dennoch erinnert sich Phillip an einige Details.

Erste Person (mit Messer): Circa 176 Zentimeter groß, schlanke Statur, trug einen schwarzer Kapuzenpullover und eine schwarze Hose.
Zweiter Täter: Circa 180 Zentimeter groß, dicklich. Er hatte eine Kapuze über den Kopf gezogen und trug ein Oberteil mit schwarz-grau gestreifter Kordeln, sowie eine schwarze Jogginghose. Vom dritten Täter ist bekannt, dass er weiß-schwarze Schuhe und einen schwarz-grauen Schal trug.

Zeugenhinweise nimmt die Kripo unter Tel. 02131/ 3000 entgegen.

 

(Kurier-Verlag)