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In weniger als einer Stunde Leben retten lernen
Ein Projekt mit Vorbildcharakter: Wie die Uedesheimer Leben retten wollen

Wie die Uedesheimer Leben retten wollen
Stefan Crefeld, Dr. med. Hella Körner-Göbel und Volker Göbel wollen, dass Uedesheim Leben rettet. Ihre Mitstreiter Mark Zellerhof und Stefan Veiser fehlen auf dem Foto. FOTO: Hanna Loll
Neuss. Über 50.000 Menschen erleiden in Deutschland jedes Jahr einen plötzlichen Herzstillstand außerhalb eines Krankenhauses. Der Rettungswagen braucht nach dem Notruf noch etwa acht Minuten zum Patienten, in ländlichen Gegenden länger. Selbst wenn die Reanimation der Sanitäter Erfolg hat: Das Gehirn nimmt nach vier Minuten ohne Sauerstoff Schaden. In Uedesheim gibt es jetzt eine Gruppe, die diese Lücke schließen will. Von Hanna Loll

Es ist eine sehr kleine Zeitspanne, die Rettungskräfte nach Eingang eines Notrufs zum Ort des Geschehens brauchen. Dieses kleine Zeitfenster reicht aus, um über Leben und Tod zu entscheiden. Dr. med. Hella Körner-Göbel weiß: "Der Rhein-Kreis Neuss ist hervorragend aufgestellt, was Rettungsmittel betrifft. Trotzdem dauert es in der Regel länger als acht Minuten, bis Hilfe in Uedesheim ist." Das liege daran, dass der Stadtteil keine eigene Rettungswache habe, sich die teure Errichtung nicht lohnen würde. Doch Patienten, die einen plötzlichen Herztod erlitten haben, brauchen schneller Hilfe.

"Wir wollen, dass möglichst viele der 4.300 Uedesheimer in der Lage sind, eine Herzdruckmassage auszuführen", erklärt die Uedesheimerin das Konzept des neuen Projektes "Uedesheim rettet Leben", das sie gemeinsam mit Ehemann Volker Göbel, Stadtverordnetem Stefan Crefeld (CDU), Marc Zellerhoff, Ärztlicher Leiter des Kreis-Rettungsdienstes, und Stefan Veiser, Löschzugführer der Uedesheimer Florianer, ins Leben gerufen hat. Das traut sie schon Kindern ab acht Jahren zu. Das ehrenamtliche Projekt solle keine Konkurrenz zu den Rettungsdiensten darstellen – ganz im Gegenteil ist es als zusätzliche Unterstützung gedacht.

Bevor der Rettungswagen kommt, ist bereits Hilfe nötig. FOTO: Günther Richter / pixelio.de

Crefeld freut sich über das Projekt "von Bürgern für Bürger" und weiß: "Wir möchten den Bürgern eine gewisse Scheu nehmen und ihnen klar machen, wie wenig man eigentlich tun muss." Körner-Göbel, die früher den Wuppertaler Rettungsdienst leitete, ergänzt: "Nur die wenigsten wissen, dass in dieser kurzen Zeitspanne noch keine Beatmung nötig ist, da im Körper noch genug Sauerstoff vorhanden ist. Das einzige, das nötig ist, ist die Herzdruckmassage."

Wenn nach dem plötzlichen Herztod sofort mit der Maßnahme begonnen würde, könnten in Deutschland jährlich 10.000 Leben gerettet werden. Wichtig also, dass möglichst viele ihren Mitmenschen in der Not helfen können. Göbel erklärt: "Wir haben uns an Vereine, Institutionen und Schulen gewandt, um das Projekt möglichst weit zu verbreiten. Es wird einen kleinen Theorie- und einen Praxisteil geben – insgesamt wird es nicht einmal eine Stunde dauern."

Auch Bürgermeister Breuer zeigt sich beeindruckt: "Das Projekt ,Uedesheim rettet Leben' ist ein gutes Beispiel für den Zusammenhalt und das bürgerschaftliche Engagement der Bewohner in Uedesheim. Es hat Modelcharakter auch für andere Ortsteile. Als Schirmherr der Aktion werde ich selbst bei der Auftaktveranstaltung für die Idee werben."

Zur Auftaktveranstaltung am 2. Mai sind zahlreiche Multiplikatoren eingeladen, die das Projekt anschließend an die Bürger herantragen werden. So kann Uedesheim hoffentlich schon bald Leben retten...