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Das nennen Politiker „moderat“ - Hundehalter zahlen bis zu 500 Euro mehr pro Hund
Kaarster Hundehalter sind fassungslos: „Diese Steuererhöhung ist Rassismus“

Hundehalter sauer: Steuererhöhung
Jacqueline Schalasta mit Tyson (links) und Jelo, der Hündin ihres Partners. Ab Januar werden für die beiden Fellnasen je 900 Euro Steuern fällig. FOTO: Hanna Loll
Kaarst. Was eine "moderate" Erhöhung der Hundesteuer für Kaarster werden sollte, wird für die Halter sogenannter "Listenhunde" wie Jacqueline Schalasta zur riesigen finanziellen Belastung.  Von Hanna Loll

Kaarster Hundehalter sind entsetzt: In seiner jüngsten Sitzung am vergangenen Donnerstag hat der Rat der Stadt Kaarst einige Steuererhöhungen beschlossen, die ab 1. Januar 2017 in Kraft treten sollen – darunter eine "moderate" Anhebung des Hundesteuersatzes. Dem Beschluss zufolge zahlen Hundehalter mit einem Hund bisher 77 Euro, ab 2017 dann 96 Euro im Jahr, bei zwei Hunden waren es bisher 95 Euro, in Zukunft werden es 120 Euro sein. Besonders auffällig ist jedoch der neue Steuersatz für sogenannte "gefährliche Hunde" wie den Pitbull Terrier, den Staffordshire Bullterrier und weitere Rassen, die das NRW-Gesetz als gefährlich eingestuft hat. Bisher lag der jährliche Steuerbeitrag für einen "gefährlichen" Hund bei 300 Euro im Jahr, ab 1. Januar werden es 600 Euro sein. Bei zwei Hunden steigt der Steuersatz von 400 auf satte 900 Euro pro Jahr und Hund.

Verspielt und glücklich: Schalastas Hund Tyson. FOTO: Hanna Loll

Diese drastische Erhöhung um sage und schreibe 100 Prozent bei einem Hund und 125 Prozent bei zwei oder mehr Vierbeinern stößt bei Kaarster Hundehaltern erwartungsgemäß auf wenig Gegenliebe – bereits vor der Ratssitzung entbrannte auf Facebook eine hitzige Diskussion aufgrund des Beschlusses des Haupt- und Finanzausschusses. Die Stadtverwaltung hatte eine Erhöhung um 60 beziehungsweise 50 Prozent vorgeschlagen. Auf Antrag des Grünen-Politikers Christian Gaumitz setzte sich eine deutlich höhere Satzung durch. Jacqueline Schalasta (33) und ihr Lebensgefährte Michael Nolden (48) halten je einen Stafford. Schalasta klagt: "Wir wollten eigentlich zusammenziehen – das überlegen wir uns jetzt doppelt. Bisher zahle ich 300 Euro Steuern für meinen Hund Tyson, wenn wir zusammen wohnen und dann zwei Hunde haben, werden es 900 Euro pro Hund sein." Seit Jahren steht die "Liste gefährlicher Hunde" der Landesregierung stark in der Kritik. Andere Bundesländer wie Thüringen haben die Liste abgeschafft.

Nolden, der sich ehrenamtlich für verschiedene Tierschutzorganisationen wie Auffanglager für Listenhunde einsetzt, erzählt: "Für die Haltung gefährlicher Hunde gibt es bereits genug Auflagen – das polizeiliche Führungszeugnis, der Sachkundenachweis und vieles mehr sind mit hohen Kosten verbunden. Warum werden Hundehalter dafür bestraft, den Tieren ein Zuhause geben zu wollen? Bestimmte Rassen werden eindeutig stark benachteiligt", so der Tierfreund, der die Steuererhöhung als "Rassismus bei Hunden" bezeichnet. Mit dem Sachkundenachweis und wahlweise auch einem Wesenstest der Hunde kann nachgewiesen werden, dass die Tiere keine Gefahr darstellen.

Hündin Jelo ist neugierig und kuschelt gern. FOTO: Hanna Loll

Dr. Astrid Urlaub, Tierärztin aus Neuss, berichtet: "Ich habe einige Listenhunde in Behandlung und da gibt es eigentlich keine Probleme. Die meisten Beißunfälle passieren mit Schäferhunden (Schäferhunde stehen nicht auf der Liste, Anmerkung der Redaktion). Ich glaube nicht, dass die Steuererhöhung etwas bringt – so landen die Tiere entweder im Tierheim, der Hund wird verfremdet, damit man seine Rasse nicht mehr erkennen kann oder die Leute machen es heimlich und melden ihn gar nicht erst an." 

Auch die Stellvertretende Bürgermeisterin Ursula Baum (FDP), selbst Hundehalterin, kann bei solch einem Beschluss nur den Kopf schütteln. Sie meint: "Aus sozialen Gründen bin ich gegen die Anhebung der Hundesteuer. Gerade für ältere Menschen und Familien ist ein Hund wie ein Familienmitglied. Die Hundesteuer ist eine Verhinderungssteuer. Es macht mehr Sinn Strafen für auf Gehwege kackende Hunde richtig durchzusetzen als diese Steuer anzuheben."

Gaumitz erklärt: "Die Steuer für gefährliche Hunde betrifft in Kaarst nur 24 Tiere. Wir haben uns beim neuen Steuersatz an den anderen Kommunen orientiert (Durchschnitt der Kreiskommunen und Umgebung: 447,33 Euro beziehungsweise 545,89 Euro, Anmerkung der Redaktion). Natürlich muss man zugeben, dass der neue Steuersatz auch einen Beitrag zur Haushaltskonsolidierung leistet, doch die Erhöhung für einen gewöhnlichen Hund liegt bei nicht einmal 20 Euro im Jahr. Mir ist es lieber, die Hundesteuer moderat zu erhöhen, als beispielsweise die Kita-Gebühren." 

Jetzt ist Schalasta auf der Suche nach weiteren Hundehaltern, die sie unterstützen, denn: "Dagegen gehe ich auf jeden Fall vor!"