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Zwei Kaarster entwickeln Weltneuheit: Locken sie damit Leonardo DiCaprio? Norbert Vander und Patrick Schappert drehen YouTube-Porsche-Knüller

Zwei Kaarster entwickeln Weltneuheit: Locken sie damit Leonardo DiCaprio? Norbert Vander und Patrick
Norbert Vander und Patrick Schappert (v.l.) haben dem Porsche E-Hybrid die „Seele“ eines Rennwagens eingehaucht. FOTO: Foto: Rolf Retzlaff
Kaarst. Wie stellt man die Vereinigung eines Elektroautos mit einem Rennwagen dar? Ein Kaarster Duo – Filmemacher Norbert Vander und Unterhaltungselektronik-Experte Patrick Schappert (Grobi TV) – hat diese Kreuzung zweier Porsche-Modelle mithilfe eines weltweit einmaligen Verfahrens in einem YouTube-Video sichtbar gemacht. Der Film wurde in nur wenigen Wochen mehr als 18 Millionen Mal angeklickt. Und Vander plant bereits den nächsten Coup: einen Film über den legendären Rennfahrer Bernd Rosemeyer – in der Hauptrolle Leonardo DiCaprio oder Zac Efron. Von Rolf Retzlaff

Vander und Schappert hatten sich beim Dreh des Promo-Films zur "Tour hautnah" kennen gelernt. Jetzt gelang den beiden ein echter YouTube-Renner. "Machen Sie in einem Film deutlich, dass auch Porsche-Straßenautos mit der Technik eines Porsche-Rennwagen ausgestattet sind", lautete der Auftrag, den Vander von der Produktionsfirma Black Pearl Film erhielt. Ein Fall für das kreative Kaarster Duo: Gemeinsam mit Schappert tüftelte Vander an einer neuen Technik. Ein Beamer projiziert die Aufnahme der Karosse des dreifachen Le Mans-Gewinners Porsche 919 auf einen Panamera Turbo S E-Hybrid – und das während der Fahrt. Beamer und Kamera sind an einem acht Meter langen Kran befestigt, der auf dem Dach des Porsche angebracht ist. Die Umsetzung war nicht einfach: "In der Computeranimation ist uns mehrfach das Dach weggeflogen", macht Vander deutlich, dass hier enorme Kräfte auf den Porsche wirken, schließlich wiegen "Russian Arm", Kamera und Beamer zusammen rund 1,5 Tonnen. Und so wurde das E-Hybrid-Modell mit einem Käfig aus Stahlrohren verstärkt.

Probleme bereitete auch die Lackierung – sie musste als Leinwand für die Projektion geeignet sein. Hardy Bürger von der Willicher Firma DGS Wrapping & Foliendesign brachte die Lösung – eine anthrazitfarbene, aus speziellen Kristallen bestehende Folie der Neusser Firma 3 M wurde auf den Porsche gezogen.

Die Zeit für die ersten Praxistests war gekommen: Auf einem Gelände bei Anrath musste sich die Technik bei rund 130 km/h bewähren. Dann ging es nach Frankfurt. Für die Dreharbeiten wurden zwei Nächte lang Teile der City gesperrt. Jetzt war der Mann am Joystick gefragt (Foto rechts oben). Auf dem Beifahrersitz koordinierte er die geodätischen Daten mit Kamera und Beamer. "Die Daten im Raum mussten in Echtzeit verarbeitet werden, damit das Fahrzeug und die Projektion zu 100 Prozent passen – 99 Prozent ist schon falsch", so Vander. "Das schafft nur ein Experte aus der Spielkonsolen-Generation", schmunzelt Schappert.

Bei den Dreharbeiten blieb es weiter spannend: "Wir wussten zum Beispiel nicht, ob der Epson-Beamer die Stöße während der Fahrt überlebt – aber alles ist gut gegangen", freut sich Vander, "das Projekt hat einen Riesenspaß gemacht!" Spaß macht auch das Ergebnis: Der Film mit dem Titel "Hide 'n' Seek" ist ein Youtube-Renner, wurde mehr als 18 Millionen Mal aufgerufen.

Ein Erfolg der neu entwickelten 3D-Projektion, die Vander in abgewandelter Form auch in seinem nächsten Filmprojekt verwenden möchte. Hier erzählt er die Geschichte von Bernd Rosemeyer, einem Motorrad- und Automobilrennfahrer, der 1938 beim Versuch, den Geschwindigkeitsrekord auf der Reichsautobahn zwischen Frankfurt und Darmstadt zu brechen, ums Leben kam. Sein Wagen überschlug sich bei Tempo 429,9. Norbert Vander wird Rosemeyers bewegtes Leben auf die Leinwand bringen. Er hat das Drehbuch geschrieben und führt die Regie bei dem Film mit dem Arbeitstitel "Rosemeyer". Die Dreharbeiten führen ihn unter anderem nach Silverstone, New York, Tunis, auf den Nürburgring und nach Berlin, wo Rosemeyer auf der ehemaligen AVUS-Rennstrecke unterwegs war. Die Universal Studios sind zurzeit auf der Suche nach dem geeigneten Hauptdarsteller. "Im Gespräch sind Leonardo DiCaprio oder Zac Efron – einer von beiden wird es werden", freut sich der Kaarster auf eine Zusammenarbeit mit einem der Weltstars.

Da geht es in seinem zweiten Projekt vergleichsweise bescheiden zu: Im März beginnt der 56-Jährige mit den Dreharbeiten zum Film "80 Jahre Freiheit". Im Mittelpunkt steht die Geschichte des ehemaligen Chefs der Hamburger Hells Angels von 1963 bis heute. "Hier geht es um den gescheiterten Versuch der Rückkehr in ein normales Leben", erklärt Vander, der auch hier für Drehbuch und die Regie verantwortlich zeichnet. Im März geht es los. Produziert wird der Film von KSM Film, bei Netflix wird er zu sehen sein.

Rolf Retzlaff

(Kurier-Verlag)