Auf erholsamen Schlaf in ihren eigenen vier Wänden müssen die beiden seit Monaten verzichten. „Ich bin monatelang nachts durch die Straßen gelaufen, um herauszufinden, woher das Geräusch kommt“, erzählt Mariella Cardenia. Auch habe sie sich „im Winter nachts bei 4 Grad“ auf der Terrasse hingelegt, weil sie es in ihrem Bett nicht mehr ausgehalten habe. Seit Anfang des Jahres übernachtet sie bei einer Freundin.
Auch Sandra Cardenia wird durch die „brummige“ Dauerbelastung aus dem Haus getrieben: Sie hat in ihrem Garten auf einem Trampolin ein Zelt ausgebaut, verbringt hier so manche Nacht.
Der Leidensdruck durch Schlafentzug und Dauerbrummen („Auf dem Sofa ein Buch lesen geht nicht ...“) ist enorm hoch. Allerdings nur bei Mutter und Tochter, Mann und Sohn hören den tiefen Ton nicht. Die anderen drei Parteien in ihrem Mehrfamilienhaus seien ebenfalls betroffen – allerdings nicht so stark. Familie Cardenia hat das Gefühl, das Geräusch werde im Erdgeschoss stärker wahrgenommen als in den oberen Etagen. Hinzu kommt: „Nur zehn bis 15 Prozent der Menschen können die tieffrequenten Geräusche wahrnehmen“, hat sich Sandra Cardenia schlaugemacht.
Um der Ursache auf den Grund zu gehen, hat sie Flugblätter in ihrem Viertel verteilt. „Einige Nachbarn hören das Brummen auch“, weiß sie. Und sie hat sich an verschiedene Ämter und Firmen gewandt: Die Immissionsbehörde des Rhein-Kreises hat auf der Einsteinstraße Messungen durchgeführt – hier lagen die Werte unter der DIN-Norm. „Damit ist für den Rhein-Kreis der Fall vorerst behördlich abgeschlossen“, sagt Cardenia. Beim Schallgutachten, auf Kosten der Familie von einem baubiologischen Mess- und Beratungsbüro durchgeführt, konnte eine Belastung nachgewiesen werden, „aber in einem relativ niedrigen Bereich – und somit für die Behörde wieder kein Handlungsbedarf“, ärgert sich Sandra Cardenia. Allerdings führte die Suche nach der „Brummton-Quelle“ zur rund 200 Meter entfernten Mülldeponie. Die dafür zuständige Bezirksregierung Düsseldorf habe ebenfalls Beamte auf die Einsteinstraße geschickt. Cardenia: „Beide haben sogar das Brummen gehört, der Herr spürte auch ein Kribbeln im Bauch, als er sich auf das Bett meiner Tochter setzte.“ Mit der Deponie stünde die Familie jetzt in Kontakt, die Bezirksregierung wolle vor Ort prüfen und sich melden, aber laut deren bisherigen Aussagen sei dort nichts verändert oder neu installiert worden.
„Auch die SnowWorld Betreiber haben wir kontaktiert mit der Bitte um Prüfung der Anlagen, eventuell zusammen mit unserem Gutachter oder sonstigen Institutionen“, erzählt Sandra Cardenia. Dies müsse die Familie dann allerdings selbst bezahlen.
Bei der Ursachenforschung hat die Familie ebenfalls die Stadt Neuss, Stadtwerke, EGN, AWL und den Windkrafträder-Betreiber Grünwerk kontaktiert – ohne Erfolg. Sandra Cardenia: „Wir leiden unter Kopfschmerzen und der Körper kribbelt. Wir erleben wirklich gerade einen Albtraum.“ Aus dem sie hoffentlich bald aufwachen – doch wer hilft hier weiter?